+
„Mit 16 Jahren habe ich schon gewusst, dass ich Geigenbauerin werden will“: Andrea Laber in ihrer Werkstatt.

Die Geigenbauerin Andrea Laber (60) im Porträt

Die Fusion von Handwerk und Musik

Weilheim – Schon mit 16 wusste sie, dass sie Geigenbauerin werden will. Vor 25 Jahren gründete sie eine Werkstatt in der Weilheimer Altstadt: Ein Porträt über Andrea Laber.

Wer Andrea Labers Weilheimer Meisterwerkstätte für Streichinstrumente besuchen will, der muss den Hintereingang zu dem am Marienplatz gelegenen Haus nehmen. Über eine knarzende Treppe geht es, von der Herzog-Christoph-Straße her, in eine Altbauwohnung im ersten Stock. Hier, in der Werkstatt der Geigenbauerin, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: In dem etwa 35 Quadratmeter großen Raum hängen vor der Wand Geigen verschiedenster Größen sauber aufgereiht nebeneinander, stehen Celli auf dem alten Dielenboden zwischen antiken Schränken und einem ehrwürdigen alten Tisch mit ebensolchen Stühlen. Vor der Werkbank und dem Werkzeug steht eine zierliche Frau im weinroten Kittel – die Meisterin für Geigenbau: „Ich habe eine Vorliebe für alte Sachen, weil die eine Geschichte haben.“

An Weilheim gefiel ihr die Nähe zu München

Und deshalb mag sie dieses Haus mit den alten Sprossenfenstern und den knarzenden Dielen. „Ein Glücksfall“, dass sie darin 1991 Zimmer für die Gründung ihrer eigenen Geigenbauwerkstatt anmieten konnte, denn erst nach einem halben Jahr „Städteschau“ fiel die Wahl auf Weilheim. Andrea Franziska Sophie Laber – wie sie mit vollem Namen heißt – gefiel an Weilheim auch die Nähe zu München, wo ihre ältere Schwester und ihr älterer Bruder heute wohnen und sie im Herbst 1955 geboren wurde. Aufgewachsen ist Andrea Laber in Krailling (zwischen Gauting und Pasing), heute lebt sie alleine in einer Wohnung im Kloster Wessobrunn, in historischem Gemäuer und – natürlich – mit alten Fenstern, Böden und einer Holzheizung.

Den Eltern – beide im eigenen Theaterverlag „Dr. Heinrich Buchner“ als Verleger tätig – lag viel an der musischen Förderung der Kinder: „Mit sechs Jahren habe ich bei einer Freundin meiner Mutter mit dem Geigenunterricht begonnen, und mit 16 Jahren habe ich schon gewusst, dass ich Geigenbauerin werden will“, erzählt Andrea Laber. Nach drei wenig erfolgversprechenden Jahren am neusprachlichen Gymnasium in Gräfelfing wechselte sie auf „das Gerhardinger“ , ein musisches Gymnasium des katholischen Ordens der Armen Schulschwestern in München. Nach dem Abitur 1976 bewarb sich die damals 21- Jährige sofort erfolgreich an der Geigenbauschule in Mittenwald. „Ich habe schon immer gerne gebastelt und etwas mit Holz gemacht. Das handwerkliche Geschick habe ich von meinem Uropa und meinem Opa väterlicherseits, das Musische kommt von der Mutter her.“ Während der dreieinhalb Jahre Gesellenzeit in Mittenwald standen für die Auszubildende und weitere fünf Frauen und 26 Männer neben der praktischen Ausbildung auch theoretische Fächer wie Akustik, Musikgeschichte und Instrumentenkunde an.

In Dänemark begegnete sie unter anderem einer "Stradivari"

„Und dann wollte ich ans Meer!“, so beschreibt Laber ihre Suche nach einer Arbeitsstelle als frisch gebackene Gesellin – und beim Erzählen bekommen ihre Augen einen besonderen Glanz: „1980 bin ich für acht Jahre als Geigenbau-Gesellin zu ,Emil Hjorth & Sønner’ nach Dänemark. Dort war ich vor allem mit der Restauration alter italienischer Instrumente beschäftigt, die uns Musiker des königlichen Staatsorchesters und der Oper gebracht haben. Ich habe wertvolle Instrumente, wie zum Beispiel eine "Stradivari," gesehen. Da habe ich viel gelernt, natürlich auch Dänisch in einer Sprachenschule“.

1988 hat sie nach Theorie und praktischer Prüfung in Stuttgart den Meistertitel in der Tasche, um erneut aufzubrechen: nach Schweden. In einer kleinen Geigenbauschule unterrichtete Andrea Laber zwei Jahre lang „im Kauderwelsch“ Schüler aus Norwegen, Schweden und Finnland. „Für Deutschland war ich als Meisterin überqualifiziert. Da gab es keine Stellen. Bald war mir klar, dass ich mich selbständig machen muss. Das hat mich aber gar nicht geschreckt, denn ich bin ja damit aufgewachsen.“ Mit fünf Instrumenten hat sie damals angefangen, „heute sind es über hundert, die ich vermiete oder verkaufe, dazu Bögen und Zubehör“.

In ihrer Werkstatt wirkt sie so gar nicht geschäftig, die selbständige Geschäftsfrau – eher ruhig, besonnen und öfter auch schmunzelnd: „Ausdauer und Geduld braucht man für den Beruf – und eigene musikalische Erfahrung. Wenn jemand kommt und sagt: ,Des klingt ned’, dann versuchen wir gemeinsam herauszufinden, was er meint. Dann hilft es, wenn man selber Musik macht.“

Auch in ihrer Freizeit aktiv

Seit mittlerweile 25 Jahren ist sie für ihre Kunden ganz Ohr – und natürlich für ihre Instrumente, vor allem, wenn es darum geht, bei der Ausarbeitung auf die Holzbeschaffenheit zu achten. Zum Ausgleich geht Andrea Laber Wandern, Radfahren, besucht Ausstellungen und Konzerte. Das eigene Musizieren hat seinen Platz in der wöchentlichen Probe des Weilheimer Kammerorchesters und gelegentlich in Kirchenmusik-Ensembles. Ob sie langsam ans Aufhören denkt oder ans Wegziehen? Mit ruhiger, bestimmter Stimme kommt schnell eine Antwort: „Nein! Ich will hier bleiben, solange es geht!“. Und wie zur Bestätigung knarrt der alte Holzdielenboden unter ihren Füßen.

von Andrea Günther

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

A95: Auto kracht in Leitplanke - Polizei sucht Zeugen

Penzberg/Icking - Die Verkehrspolizei sucht Zeugen für einen Unfall auf der A95. Eine Penzbergerin war mit ihrem Auto in die Mittelleitplanke geschleudert.
A95: Auto kracht in Leitplanke - Polizei sucht Zeugen

Was tun mit historischem Haus?

Weilheim - Abreißen oder sanieren? Diese Frage stellt sich bei dem fast 700 Jahre alten Haus "Töllern 3" in Weilheim, in dem sich das Obdachlosenasyl befindet.
Was tun mit historischem Haus?

„Hier ist alles besser organisiert“

Weilheim - Das  Weilheimer Krankenhaus und die Uni in Tiflis (Georgien) kooperieren. Zwei  Studentinnen lernen und arbeiten in der Chirurgie.
„Hier ist alles besser organisiert“

„Kunst ist eine Rettung“

Weilheim - Vor seiner Lesung in Weilheim beantwortete Marcus H. Rosenmüller unseren Fragebogen. Der bekannte Regisseur (43) über den Luxus des Gedichte-Schreibens und …
„Kunst ist eine Rettung“

Kommentare