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Ein Bild von einem Seemann: Thomas Müller sprach über die Schlacht am Sakagerrak, bei der der 1863 in Weilheim geborene Franz Hipper als Admiral der kaiserlichen Marine eine tragende Rolle spielte. 

100 Jahre Seeschlacht vor dem Skagerrak

„Untergegangen, gestorben, verreckt“

Weilheim - Bei der Skagerrak-Seeschlacht spielte Franz Hipper eine große Rolle. Weniger um den Weilheimer als um die Schlacht ging es im Stadtmuseum.

„Heute genau vor 100 Jahren, zu dieser Stunde“, so leitete Dr. Thomas Müller seinen Vortrag ein, zu dem er am Dienstag rund 60 Besucher im voll besetzten Saal des Stadtmuseums begrüßte. Der Militärhistoriker vom Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt datierte damit die Schlacht vor dem Skagerrak, die am 31. Mai 1916 begann. Der Historiker lieferte vor allem Details zur Technik der damaligen Kriegsschiffe und zur Schlachtordnung, die nach seiner Darstellung großenteils vom Zufall, der Unkenntnis der Situation aufgrund von fehlenden Informationen und der mangelnden Sicht im Pulverdampf bestimmt war.

Zum Schicksal der Matrosen meinte er: „Untergegangen, gestorben, verreckt – anders kann man es nicht sagen.“ Laut der „Marinekameradschaft Weilheim“ sind 8645 Seeleute in der Seeschlacht ums Leben gekommen. Als das Ende des Krieges absehbar war, hätte die Flotte noch einmal auslaufen sollen, um glorreich unterzugehen. Daran hätten die Matrosen aber kein Interesse gehabt und es sei zur Revolution gekommen. Die Schlacht wurde in Deutschland laut Müller „als Sieg bejubelt“. So habe das „Weilheimer Volksblatt“ einen Bericht unter dem Titel „Eine siegreiche Seeschlacht“ über die Ereignisse veröffentlicht, obwohl die Schlacht die Seeblockade durch die englische Flotte nicht beendet habe. In Folge dieser Blockade seien in Deutschland 800 000 Menschen verhungert, so Müller. Zum Vergleich: In zweiten Weltkrieg seien 600 000 Menschen bei Bombenangriffen ums Leben gekommen. Müller betonte aber, dass er damit nur die Größenordnung veranschaulichen wolle. Keinesfalls wolle er eine „zynischen Zahlenaufrechnerei“ betreiben.

Mit einen Grund für den Krieg sieht Müller in der damaligen Erziehung in Familie und Staat. Man habe historisches und nationales Bewusstsein als Bildung angesehen. Rationales Denken, das heute zur Bildung gehöre, sei weniger üblich gewesen.

Dem an der Schlacht beteiligten Admiral Franz von Hipper sollte 1936 in Weilheim ein Denkmal gesetzt werden (wir berichteten). Nach Einschätzung von Museumsleiter Dr. Tobias Güthner sollte dies aber nicht zur Würdigung einer historischen Person geschehen, sondern „eher eine Propaganda-Veranstaltung des dritten Reichs“ sein. Im dritten Reich sei es üblich gewesen, historische Persönlichkeiten zu instrumentalisieren.

Der Vortrag im Stadtmuseum habe auch nichts „mit Heldenverehrung oder Verklärung des Kriegs zu tun“, so Güthner, sondern diene der Information über die Geschichte.

Die Zuhörer interessierten sich vor allem für technische Details. Ob die Dampfkessel der Schiffe mit Kohle oder mit Schweröl befeuert wurden, wollte einer wissen. Müller: „Nur mit Kohle.“ Ein anderer fragte nach dem Hülsenmaterial der Pulverkartuschen auf den englischen Schiffen. Müller: „Aus Seide.“ Dies und die Nichtbeachtung von Sicherheitsvorschriften habe zur Explosion mehrerer englischer Schiffe geführt. Die Frage nach dem Sinn des Kriegs stellte keiner der Besucher.

Info

Die „Marinekameradschaft Weilheim“ lädt für Mittwoch, 15. Juni, zu einem Vortrag über das Leben von Franz von Hipper ins Gasthaus „Oberbräu“ ein. Es spricht Fregattenkapitän a.D Bernd Lehmann. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Text: Alfred Schubert

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