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Josef Hader wusste, wo er gerade war: „Erweiterter Speckgürtel, zugezogene Industriekräfte, da ist der Glaube nicht mehr so daheim...“, kommentierte er am Donnerstagabend in der Weilheimer Stadthalle die Reaktionen des Publikums auf einen Kirchen-Gag.

Josef Hader in Weilheim

Josef Hader: Großartig in Weilheim

Weilheim - Josef Hader ist am stärksten, wenn er Josef Hader spielt. Das zeigte der Österreicher beim Gastspiel vor 600 Zuschauern in der Stadthalle.

Es ist herrlich, wie Josef Hader im Kino den querschädeligen Privatdetektiv Brenner mit Leben und Melancholie füllt. Und seine Darstellung des Schriftstellers Stefan Zweig in „Vor der Morgenröte“ geht gar ins Rennen um die „Oscars“ 2017. Doch am allerstärksten ist der Schauspieler, Kabarettist und Autor Hader, wenn er Hader spielt. Weshalb sein grandioses Best-of-Programm, das am Donnerstagabend die Weilheimer Stadthalle füllte, ja genau so heißt: „Hader spielt Hader“.  Josef Hader reiht in diesem Solo nicht zusammenhanglos Bestes aus 25 Kabarettjahren aneinander – er philosophiert am Stück, erzählt stringent und bleibt noch im höchsten Gedankenflug geerdet und lässig. „Christlicher Humanismus und Wilder Westen“ seien die Themen dieses Abends, grinst er nach einer „Winnetou“-Schote ins Publikum und untertreibt damit charmant. Denn es geht natürlich, wie das bei österreichischen Künstlern so ist, um nicht weniger als um Leben und Tod. Dabei ist das Tragische immer auch komisch und das Komische tragisch.

Was Wiener Humor ist, das zeigt der 54-Jährige gleich zu Beginn: Mit der Ruhe des Routiniers und der Freude des Schelms genießt er auf der Bühne die erwartungsvolle Stille im Saal. Das sei für ihn der schönste Moment des Abends, sagt er dann: „Den Rest kenn’ ich ja schon.“ Das Publikum aber ist gebannt von Haders folgenden Erzählungen, vom leichten Schmäh übers herbstliche Wiener Grau- in-Grau („wenn da ein Leichenwagen vorbeifährt, das ist ein Lichtblick: Ui, was Schwarzes...!“) ebenso wie von den Wegen ins Absurde: Seine Frau und er hätten vereinbart, „für den Klimaschutz auf Kinder zu verzichten“, sagt da ein Noch-Ehemann – „das wird ja völlig totgeschwiegen von den Medien: die Rolle von Kindern als CO2-Verursacher...“.

Virtuos spielt Hader mit Klischees und Erwartungen, macht Stimmung mit Vorurteilen über Rentner, Frauen, Nationalitäten – um sie gleich wieder klug zu brechen. Da hat einer Moral, ohne sie zu predigen. Übrigens ist Hader wohl der letzte Kabarettist, der weder auf der Bühne noch im Foyer Verkaufsprodukte anpreist. Lieber kokettiert er mit seinen angeblich bescheidenen Pianokünsten: „So schlechtes Klavierspiel für so viel Geld – das schlechteste Preis-Leistungs-Verhältnis der Welt, mit Ausnahme von ,Starbucks’, die sind nicht zu schlagen.“ Doch auch wenn er sich auf die simple „Weihnachts-Tonart“ F-Dur beschränkt: Lieder wie „Und langsam weama wia ma san“ sind mehr als Würze in diesem Solo.

Drei Zugaben fordern die 600 Zuhörer am Ende. Klarer Fall: Wenn es ihn nicht gäbe, diesen Hader, man müsste ihn erfinden. Und Josef Hader sollte ihn spielen.

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