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Präsentieren ihr Projekt „Der verwundete Garten“: Die Künstler (v.l.) Frank Fischer, Thorsten Fuhrmann und Susanne Kohler, die das Trio „Kunst im Kontext“ bilden. Östlich ihrer Ausstellungsfläche befand sich von 1864 bis 1954 das städtische Gaswerk, das für Rückstände von Benzol, Teeröl, Zyanid und anderen Schadstoffen im Boden verantwortlich war. 

neue Gruppe „Kunst im Kontext“

Die Kunst greift ein

Weilheim - Videos, Mailart und Fotos: Die neue Gruppe „Kunst im Kontext“ stellt in Weilheim kommendes Wochenende ein Beispiel ihrer Arbeit vor. 

Anders gelagert als es zunächst scheint ist das Kunstprojekt „Der verwundete Garten“, das diesen Samstag und Sonntag an der Pütrichstraße präsentiert wird. Weder soll die persönliche Betroffenheitsleier über Baumfällungen geschlagen werden, noch will das Künstlertrio seine künftigen Arbeiten auf die Natur konzentrieren. Im Gegenteil will die Gruppe „Kunst im Kontext“ vor allem Firmen, Institutionen und Behörden als Kunden gewinnen.

Mittel dazu soll die „künstlerische Intervention“ sein – vereinfacht gesprochen eine kleine Ausgabe von dem, was Christo 1995 im Großen mit dem Berliner Reichstagsgebäude gelang, das heißt: Durch die Hinzugabe von Kunst ändert sich die Sichtweise auf Gegebenes. Oder, auch dies ist möglich: Man blickt mit neuer Aufmerksamkeit auf das Seiende.

„Man könnte beispielsweise überraschende Figuren in Regale platzieren, Papierwände durch Räume ziehen oder Tische umstellen, sodass ein gewohnter Kollege plötzlich woanders sitzt“: Frank Fischer ist gewissermaßen der Aktionskünstler des Trios. Der Ex-Ottobrunner, der seit zwei Jahren in Weilheim lebt, hat schon häufig mit Firmen gearbeitet und kennt deren „Denke“. Fischer plädiert dafür, Kunst nicht nur zur Ausschmückung zu verwenden, sondern auch zur Irritation.

Korrespondierend setzt Thorsten Fuhrmann, bekannt vom Huglfinger „ausstellwerk“, sein Spezialgebiet der „Mailart“ dazu. Ein für das jeweilige Kunstprojekt besonders aussagekräftiges Foto wird weltweit verfügbar gemacht, entweder als Download oder als Papier-Zusendung. Interessierte aus allen Erdteilen bekommen die Hintergrund-Information, warum das Foto entstand. In welcher Weise dann eine künstlerische Weiterbearbeitung erfolgt, welche Qualität und auch welche Quantität diese hat, darauf hat der Initiator keinen Einfluss. „Die einzige Beschränkung ist der Abgabe-Stichtag, sonst gibt es bei Mailart keine Grenzen und auch keine Jury.“

Rund 150 Postkarten-Bearbeitungen gibt es diesmal – vom „verwundeten Garten“ zwischen Pütrich- und Krumpperstraße, dessen „Ur-Foto“ Susanne Kohler gemacht hat: Ein noch halb sichtbarer Baum (einer von dreien, die noch stehen – ursprünglich waren es zwölf) wird durch eine halb abgebrochene Mauer und durch Trümmerteile bedrängt. „Ein Einsender hat die Mauer-Abbildung sogar mit Blattgold belegt“, sagt Fuhrmann staunend, der sich auch über den Gitter-Bauzaun auf dem Grundstück freut: „Fast eine Galerie-Situation“, sagt er und nutzt die Stangen gleich, um Karten aufzuhängen.

Zwischen zwei Bäumen befestigt Frank Fischer weiße Bänder, die als eine Art „Leinwand“ für Videoprojektionen dienen werden. Das bewegliche und unvollständige Abbild der von ihm geschaffenen und abgefilmten Acrylbilder soll mit der Wahrnehmung von Veränderung und Instabilität korrespondieren, die mit dem Boden-Austausch des ehemaligen Gaswerk-Grundstücks einhergeht. Susanne Kohler geht das gleiche Thema mit fotografischen Doppelbelichtungen an, deren schemenhafte Ahnungen von Natur – reproduziert auf Aluminium-Platte – fast unwirklich wirken. Außerdem stellt sie natürlich ihren Garten zur Verfügung.

Die Künstler betonen wiederholt, dass sie ihre Herangehensweise gern auch externen Auftraggebern zur Verfügung stellen würden: „Die Veränderungen auf dem einst parkartigen Grundstück sind nur ein Anlass – ein Kontext eben – für unser Pilotprojekt.“ Nun gehe es vorrangig um die künstlerische Begleitung und Dokumentation einer Veränderung. Die anfänglich mitschwingende kritische Note gegen die Stadtwerke sei hingegen verflogen: „Die Kommunikation war sehr offen, und die Sanierung des belasteten Bodens macht Sinn“, sagt Fischer und ergänzt: „Die Stadtwerke machen hier wirklich einen guten Job.“

Zu sehen

ist das Projekt „Der verwundete Garten“ diesen Samstag, 6. August, von 19 bis 22 Uhr (mit Video-Projektion ab 21 Uhr) und am Sonntag, 7. August, 14 bis 17 Uhr, im Garten an der Pütrichstraße 18 in Weilheim. Info: kunst-im-kontext.net.

Andreas Bretting

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