33-Jähriger soll eingewiesen werden

Nachts ging er zum Reifenstechen

Weilheim - Ein 33-Jähriger aus Weilheim ist wegen Sachbeschädigung in 43 Fällen angeklagt, jetzt steht die Einweisung in die Psychiatrie zur Debatte.

Anfang 2012 ging die Angst um unter Weilheims Autofahrern. Ein Reifenstecher war unterwegs und stach in der Nacht regelmäßig Autoreifen mit einer großen Pinnwand-Nadel auf - 43-mal. Der Schaden liegt bei rund 5000 Euro. Schließlich überführte ihn eine Überwachungskamera. Nun steht der mutmaßliche Täter, ein Lagerarbeiter (33) aus Weilheim, wegen Sachbeschädigung vor dem Landgericht München II. Doch der Mann ist psychisch krank, er leidet unter einer Schizophrenie. Deshalb geht es nicht um eine Strafe, sondern um eine mögliche Einweisung in die geschlossene Psychiatrie. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er gefährlich für die Allgemeinheit ist.

Der 33-Jährige gab die meisten der Taten, die zwischen dem 26. Januar und 19. April 2012 stattfanden, zu. „Ja, ich stehe dazu“, sagte er, „das ist halt schiefgelaufen. Ich habe den Überblick verloren.“ Im Fernsehen habe er gesehen, wie Reifen zerstochen wurden, und habe das „als Realität aufgefasst“. „Dann habe ich das ausprobiert“, so der Mann. Das sei weder für ihn noch für die beteiligten Autofahrer schön gewesen. Es sei ihm damals „psychisch und moralisch“ nicht gut gegangen. „Ich hatte einen inneren Druck.“ Im Kopf habe sich etwas aufgestaut. „Ich bin halt durchgedreht.“

Auf die Frage, was ihm die Reifenstecherei gebracht habe, antwortete er: „Nur Ärger und Verdruss.“ Die Richterin fragte ihn auch, warum er nicht etwa seinen Vater gestochen habe, mit dem er damals angeblich Streit hatte. „Nein, das tu ich ja nicht“, sagte der Beschuldigte, „ich mag meinen Vater sehr gern. Und meine Mutter auch.“

Der 33-Jährige hatte auch noch andere Erklärungen parat. Er sei mondsüchtig, erklärte er etwa. „Bei Vollmond kann ich nicht schlafen und geistere rum.“ Er musste allerdings einräumen, dass nicht von Januar bis April durchgängig Vollmond war. Er habe eben nie Freunde gehabt, mit denen er etwas ausmachen konnte, sagte er dann. Er sei nachts aus dem Kellerfenster gestiegen und habe etwas erleben wollen. Die Hälfte des Schadens hat der Angeklagte bisher wiedergutgemacht.

Der 33-Jährige hat seit frühester Kindheit große Probleme. Er hat eine Gehbehinderung und eine Lernschwäche - im Schulunterricht kam er schlecht mit. Von den Mitschülern und Kameraden im Sportverein sei er ausgegrenzt worden. In einer Sozialeinrichtung erreichte er schließlich einen Hauptschulabschluss. Sein Ziel, Schreiner zu werden, scheiterte aber ebenso wie weitere berufliche Versuche. Inzwischen lebt und arbeitet der 33-Jährige in der Sozialeinrichtung. Dort klappe es gut, sagte er.

Ein Zeuge schilderte derweil, dass ihm der 33-Jährige sechs Mal die Reifen seines Autos zerstochen habe. Er geriet sogar in eine gefährliche Situation, als sein Reifen während der Fahrt Luft verlor. In einer Rechtskurve zog es ihn aufs Bankett. „Ich habe gegengesteuert. Gott sei Dank ist keiner entgegengekommen.“ Der Prozess dauert an

Nina Gut

Rubriklistenbild: © MZV/Archiv

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