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Nicht nurfürs Foto hat sich Peter Maffay auf den alten John Deer gesetzt. Vor dem Interviewtermin auf Gut Dietlhofen hatte der 66-Jährige bereits eine Spritztour auf dem weitläufigen Gelände gemacht.

Im Exklusiv-Interview

Peter Maffay und die Magie von Gut Dietlhofen

Weilheim - Peter Maffay hat Gut Dietlhofen gekauft. Was er damit vorhat, verriet er im Exklusiv-Interview - dabei geriet er auch ins Schwärmen über den Ort und seine Magie.

Es ist ein warmer, sonniger Morgen auf Gut Dietlhofen, elf Kilometer westlich von Tutzing. Neben den Pferdeställen haben die Mitarbeiter von Peter Maffay (66) einen kleinen Tisch aufgestellt. Vögel zwitschern, Pferde schnauben auf der Koppel, leise plätschert der Brunnen. Der Musiker hat sich ein idyllisches Fleckchen Weilheim als weiteren Standort für sein Hilfsprojekt ausgesucht und im vergangenen Jahr gekauft. Was sich seitdem dort getan hat und wie die weiteren Pläne für das bei Weilheim gelegene Gut sind, erläutert Peter Maffay im Interview mit der Heimatzeitung. Anderen, größeren Blättern hat er eine Absage erteilt, weil es ihm wichtig ist, dass die Weilheimer und Tutzinger aus ihrer Lokalzeitung erfahren, was sich auf Gut Dietlhofen tut.

Sie haben sich einen wunderschönen Ort ausgesucht für Ihr neues Projekt.

Interview im Grünen: Peter Maffay mit Autorin Kathrin Hauser (li.) und Carola Partheymüller (re.), die mit ihrem Mann Thomas den Hof bewirtschaftet.

Ja, dieser Platz hat eine Magie. Wenn ich hierher fahre und in die Allee einbiege, ist es so, als ob ein schwerer Mantel von meinen Schultern fallen würde. Gut Dietlhofen bietet ungeheuer viele Möglichkeiten für unser Projekt. Es ist optimal für uns. Es ist von unseren vier Anwesen, die die Peter-Maffay-Stiftung betreibt, das Projekt mit den besten Bedingungen. Dietlhofen soll das Herzstück unserer Stiftung werden.

Inwiefern?

Wir planen hier für 10 bis 14 Kinder und Jugendliche, die traumatisiert sind oder einen schwierigen sozialen Hintergrund haben, einen Ort zu schaffen, an dem sie sich erholen und Urlaub machen können. Wir verfolgen die Absicht, die Kinder in die Natur zurückzuholen, weil das therapeutische Wirkung hat. Das funktioniert hier optimal. Wir können die Landwirtschaft in unsere therapeutischen Ziele einbinden. Die Kinder können auf dem Hof mitarbeiten, wenn sie das wollen. Viele unserer Kinder kennen ein Ei höchstens aus dem Supermarkt, hier können sie es der Henne, die auf dem Hof frei herumläuft, unter dem Popo wegnehmen. Es ist so wahnsinnig wichtig, dass Kinder sich richtig ernähren und dazu können wir hier mit der Biolandwirtschaft beitragen. Wir haben hier den See, der eine herausragende Qualität bietet, in dem Jungs und Mädchen schwimmen können, die sich, weil sie vielleicht ein körperliches Gebrechen haben, nicht in ein öffentliches Schwimmbad trauen. Auf der anderen Seite gibt es einen Wald, Rad- und Wanderwege.

Damals, beim ersten Pressetermin, nachdem Sie das Gut gekauft hatten, haben Sie gesagt, dass Sie in Erwägung ziehen, es als Zufluchtsort sowohl für Flüchtlinge als auch für Kinder und Jugendliche zu öffnen, die traumatisiert sind oder aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen. Werden weiter Asylbewerber hier leben?

Die Aussage, die ich in Bezug auf diese Frage kenne, ist die, dass die Behörden nicht planen, das fortzusetzen.

Was geschieht dann mit dem Gebäude, in dem derzeit noch die Familien aus Afghanistan leben?

In diesem Haus sollen die Therapeuten der Kinder leben. Die Kinder und Jugendlichen kommen ja nicht alleine zu uns. Die Kinder haben meist Schreckliches erlebt oder tragen durch körperliche oder geistige Beeinträchtigungen ein schweres Schicksal. Hier auf Gut Dietlhofen sollen Sie Urlaub machen und sich erholen können. Und dazu gehört, dass sie vertraute Personen um sich haben, die sie gut kennen.

Werden Sie das Gut dazu umgestalten?

Wir haben nicht vor, hier zu expandieren. Die Möglichkeit besteht zwar, kommt aber nicht in Betracht. Im Augenblick sind die Gebäude ausreichend. Wir wollen diesen Ort auch nicht überfrachten. Allerdings haben wir die Absicht, für die Kinder und Jugendlichen ein neues Gebäude zu bauen, welches unseren Ansprüchen gerechter wird als das, was da jetzt steht. Dafür wird das alte Haus abgerissen und ein neues an genau die Stelle hingebaut. Es kommt also kein weiteres Gebäude hinzu.

Wann werden die ersten Kinder und Jugendlichen hier Urlaub machen können?

Wenn man optimistisch denkt – und das tue ich –, dann sollte das im Laufe des nächsten Jahres in dem neu gebauten Haus möglich sein. In der Zwischenzeit werden wir ein Indianerdorf mit Tipis aufbauen. Ich hoffe, dass wir das in einem Monat stehen haben, damit die ersten Kinder und Jugendlichen hierher kommen können.

Wird das Gut auch weiter für die Menschen aus Weilheim und der Umgebung offen sein?

Frisst ihm aus der Hand: der Bison, der zu der Herde gehört, die auf Gut Dietlhofen nach Bioland-Kriterien gehalten wird. Die Tiere sind in Deutschland eine Seltenheit.

Wir wollen uns nicht isolieren – im Gegenteil. Auch wenn der Platz für die Kinder klar abgegrenzt werden wird, werden wir Dietlhofen noch weiter öffnen. In der Kirche, dem Herzstück des Gutes, soll es ein Mal im Monat einen Gottesdienst geben mit Predigern aus der genzen Welt, aus allen Religionen. Dazu sind alle eingeladen – Christen, Hindus, Moslems, alle, die in Frieden kommen. Es soll ein offenes Gebetshaus für alle Völker sein. Die Konfession spielt keine Rolle. Wir laden jede Schulklasse aus der Gegend ein, sich unsere Landwirtschaft anzuschauen. Jede Art von außerschulischem Unterricht kann gerne bei uns abgehalten werden. Wir werden dienstags einen Stand auf dem Bauernmarkt in Weilheim haben, an dem wir unsere Produkte verkaufen. Der Hofladen, in dem es ebenfalls unsere selbst erzeugten Produkte zu kaufen gibt, ist derzeit zwei Mal pro Woche geöffnet. Wenn er offen ist, gibt es auch Kaffee und Kuchen bei uns. Und wir wollen einen Raum für Kleinkunst schaffen.

Was ist da geplant?

Es gibt hier eine Scheune, die im Moment leer steht, die soll zum Begegnungsort werden für Leute, die hier eine Pause einlegen wollen. Das soll nichts Anspruchsvolles werden, aber ein Platz, an dem man etwas trinken und eine Kleinigkeit essen kann. Zudem wollen wir dort eine Kleinkunstbühne für 250 Zuschauer bauen, auf der Theater- und Kabarettabende, Kinovorstellungen, Lesungen und Unplugged-Konzerte stattfinden sollen, bei denen ich auch ab und zu mitspielen will.

Was ist auf Gut Dietlhofen noch geplant?

Wir wollen eine Gemüsegärtnerei anlegen – für den Anfang haben wir symbolisch ein paar Hochbeete angepflanzt. Wir wollen wieder Fische im Teich haben, einen Naturlehrpfad bauen, ein Bienenprojekt starten und auf dem Platz Richtung Dietlhofer See soll ein großer Spiel- und Sportplatz entstehen, denn für ein gesundes Kinderleben ist Bewegung wahnsinnig wichtig, und Sport kennt, wie Musik, keine Sprachbarriere.

Spüren Sie als einer der erfolgreichsten deutschen Musiker eine Verpflichtung, anderen zu helfen, denen es nicht so gut geht?

Ich versuche, da nicht so eine große Geschichte daraus zu machen. Mein guter Freund Dr. Jürgen Haerlin hat mich auf den Trip gebracht. Er leitet die Kinderprojekte der „Tabaluga“-Kinderstiftung und führt die Häuser, in denen Kinder fest leben. Damals wusste ich nicht, dass wir uns da so einbringen werden. Das ist einfach so gewachsen. Inzwischen habe ich jeden Tag irgendetwas mit „Tabaluga“ zu tun. Wobei mir klar ist, dass die wichtige Arbeit mit den Kindern andere machen. Ich bin nur die Briefmarke auf dem Brief.

Kathrin Hauser

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