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Engelbert Birkle ist seit 2014 Stadtpfarrer von Weilheim.   

Interview mit Pfarrer Engelbert Birkle

„Wir leben in einer Zeit großen Umbruchs“

Weilheim - Pfarrer Engelbert Birkle  feiert sein silbernes Priesterjubiläum. Im Interview spricht er darüber, über  Papst Franziskus und Pläne für das „Haus der Begegnung“.

Am heutigen Donnerstag feiert Weilheims Stadtpfarrer Engelbert Birkle sein silbernes Priesterjubiläum. Seit April 2014 ist Birkle, der aus dem schwäbischen Hiltenfingen stammt, Stadtpfarrer von Weilheim. Vorher war er in Peißenberg und Neusäß. Ein Gespräch über seinen Weg und den der Pfarreiengemeinschaft.


Zu Ihrem Jubiläum schreiben Sie: „Es erfüllt mich besonders mit Dank, dass ich in diesen Jahren im Glauben weitergeführt und gewandelt wurde. Darin erfahre ich mich aufs Tiefste beschenkt. Gott ist mir lebendiger und das Leben schmerzlicher geworden. Ja, Gott in seinem Erbarmen hat Großes an mir getan“. Was haben die vergangenen 25 Jahre mit Ihnen gemacht?

Pfarrer Engelbert Birkle: Die jugendliche Oberflächlichkeit hat sich gewandelt. Ich erkenne meine Grenzen und bin zu der Einsicht gelangt, dass man nicht alles lösen kann. Man muss mit verschiedenen Dingen leben lernen, das ist für einen Seelsorger eine wichtige Einsicht. Einen Satz wie „Ich bin von Gott angenommen“, höre ich heute mit einer größeren Tiefe.

Wie hat sich die Kirche verändert?

Birkle: „Kooperative Seelsorge“, das war schon vor 25 Jahren ein Stichwort. Dass der Umbruch in der Kirche solche Fahrt aufnimmt, war uns aber nicht bewusst. Vor 25 Jahren glaubten wir noch, dass die Kirche sich in einer Krise befindet, die wird bewältigen werden. Jetzt leben wir aber in einer Zeit des großen Umbruchs, der uns herausfordert. Die Stationen heißen nun Umbruch, Abbruch, Neuanfang.

Was bedeutet das für die Kirche vor Ort?

Birkle: Die Einheiten werden größer werden. Künftig wird es Zentren erkennbarer Kirche geben, wo das hauptamtliche Personal sitzt. Die kleinen Gemeinden werden ihren eigenen Weg finden, in Kontakt mit dem kirchlichen Zentrum, wo sie professionelle Unterstützung erhalten. Ich stelle mir das sehr organisch vor: Der eine kann ohne den anderen nicht sein.

Weniger Gläubige, größere Strukturen, das klassische Modell „Pfarrfamilie“ läuft aus – bedeutet das, dass es künftig weniger kirchliche Einrichtungen gibt? In der Stadt wird gemunkelt, dass das „Haus der Begegnung“ abgerissen werden könnte.

Birkle: Wir haben allein in „Mariae Himmelfahrt“ drei Pfarrheime. das „Haus der Begegnung“, das Pfarrheim „Miteinander“ und das „Höckhaus“. Die Frage ist: Brauchen wir das alles, wenn die Zahl der Gläubigen so zurückgeht, wie es aus der Kirchenzählung vom April dieses Jahres hervorgeht? Und was können wir uns finanziell auch leisten? Tatsache ist, dass das aus den 1970er Jahren stammende „Haus der Begegnung“ saniert werden muss. Eines von vielen Denkmodellen war, an seiner Stelle bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Aber das war nur ein Denkmodell, inzwischen sehen wir es so, dass an der Römerstraße ein guter Ort für ein Pfarrheim ist. Aktueller Stand ist, dass wir auf den stellvertretenden Finanzdirektor der Diözese warten, von ihm hängt alles ab.

Das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum ist also vom Tisch?

Birkle: Nein. Die Kirche hat den Auftrag, sich der Not der Menschen zu stellen. Die Pfarreiengemeinschaft Weilheim besitzt Flächen, auf denen Wohnraum geschaffen werden könnte. Das wird gerade überprüft. Nur leider ist das alles nicht so einfach, auch wegen des Stiftungsrechts.

Wie kann sich die Pfarreiengemeinschaft in die kirchliche Arbeit einbringen?

Birkle: Zum einen natürlich über die Gremien wie Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung. Und dann natürlich über die Arbeitskreise, die sich mit den anstehenden Themen befassen. Die sind sehr wichtig. Dieses Verbundensein im Glauben gehört zu unserem Christsein. Wenn wir Ehrenamtliche einladen, verschicken wir um die 350 Schreiben. Da sind dann die vielen Chormitglieder, die vielen Jugendleiter und Ministranten noch garn nicht dabei. Das läuft in Weilheim schon echt gut.

Welche Entscheidung aus Rom hat Sie am meisten beeinflusst?

Birkle: Die Wahl von Papst Franziskus. Die Zeichen, die er setzt, bedeuten mir sehr viel. Beim Thema „wiederverheiratete Geschiedene“, das ja bei den „Weilheimer Glaubensfragen“ am Montag eine Rolle spielte, wurde durch Papst Franziskus jetzt offiziell nachgebessert. Für mich gilt, dass die Betroffenen die Entscheidung, ob sie zur Kommunion gehen, mit ihrem Gewissen ausmachen müssen. Um diese Entscheidung ringe ich mit den Betroffenen und ich akzeptiere sie.

Wie feiern Sie Ihr „25-Jähriges“?

Birkle: Ich wollte auf den Tag genau feiern, an dem ich geweiht wurde, also an diesem Donnerstag. Egal, was sonst noch ist. Um 18.30 Uhr beginnt in St. Pölten eine Dankmesse, anschließend gibt es eine Begegnung, bei schönem Wetter auf dem Kirchplatz St. Pölten, bei schlechtem im Pfarrheim „Miteinander“. Am 7. Juli, dem Jubiläumstag meiner Primiz, findet um 19 Uhr in der Pfarrkirche meiner Heimatgemeinde Hiltenfingen (Landkreis Augsburg) ein Dankgottesdienst statt.

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