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Tränen vor dem Gerichtssaal: Gülten C. klagt auf Schmerzensgeld, nachdem sie ihr Bein verloren hat.

Prozess um vermeintlichen Ärztepfusch

Weilheimerin wurde Bein amputiert: "Ich muss mich verstecken"

Murnau - Eine Weilheimerin hat nach schlimmen Thrombosen ihren Unterschenkel verloren. Die Schuld sieht sie bei der Unfallklinik in Murnau, die die Thrombosen nicht rechtzeitig erkannt habe. Doch vor Gericht zeigt sich: Es war unvermeidliches Schicksal.

Gülten C. (51) aus Weilheim weint bitterlich, als sie den Richtern von sich erzählt: „Ich bin 24 Stunden nur zu Hause und warte bis mein Mann heim kommt. Ich kann nicht einmal allein zum Supermarkt oder zum Arzt.“ Sie komme mit ihrer Prothese nicht klar, habe starke Phantomschmerzen im Beinstumpf. „Deshalb ziehe ich die Prothese zu Hause aus und laufe auf Krücken.“ Ständig hat sie Angst, zu stürzen. Denn Gülten C. musste in einer Notoperation in München-Großhadern der Unterschenkel amputiert werden. Sonst wäre sie gestorben. Die Ursache ist ihrer Meinung nach ein vorheriger Pfusch in der Unfallklinik in Murnau (UKM, Landkreis Garmisch-Partenkirchen).

Deshalb klagt Gülten C. seit Jahren gegen die UKM – fordert 150 000 Euro Schmerzensgeld, 50 000 Euro Schadenersatz sowie die Zusage für künftigen Schadenersatz. Ihr Vorwurf: Die Ärzte hätten Gefäßverschlüsse im Bein nicht rechtzeitig erkannt.

Im Mai 2005 musste die Weilheimerin wegen eines Bandscheibenvorfalls in Murnau operiert werden. Die OP ging auch gut. Doch danach nahm das Unheil seinen Lauf. Wegen Schmerzen von der Lendenwirbelsäule bis in den linken Fuß kam sie im Juni erneut in die Klinik. Die Ärzte stellten unter anderem fest, dass das Bein Empfindungsstörungen aufwies und leicht kühler war als das rechte. Aber das Bein hatte eine normale Farbe, und die Pulse blieben tastbar. Man ging davon aus, dass es sich um Probleme wegen der vorangegangenen OP handelte, so dass man sie erneut an der Bandscheibe operierte.

Derweil wurden die Probleme im Bein immer schlimmer. Es wurde blasser, kühler, schmerzhafter. Doch die Ärzte fanden trotz zahlreicher Untersuchungen keine Ursache. Bis es am 12. Juni 2005 schließlich blau verfärbt, kalt und äußerst schmerzhaft war. Diagnose: drei Unterschenkelarterien waren dicht. Die Ärzte leiteten sofort eine Infusionstherapie ein und und flogen sie zur Gefäßchirurgie ins Klinikum Großhadern, wo das Bein allerdings auch nicht mehr zu retten war.

Damit noch nicht genug. Zwei Tage später wurde ein löchriger Darm operiert, nachdem ein Abszess festgestellt worden war. Insgesamt musste an Bein und Darm 27 Mal nachoperiert werden.

Gülten C. macht vor allem der diensthabenden Bereitschaftsärztin Vorwürfe, die sie in der Nacht auf den 12. Juni 2005 wegen Schmerzen und Kältegefühl zu Hilfe rief – die Nacht vor der Entdeckung der schweren Thrombosen. Die Ärztin habe sie nicht ausreichend untersucht, vor allem nicht die Fußpulse. Die Ärztin bestreitet das. Zum damaligen Zeitpunkt habe noch keine Thrombose vorgelegen.

Das Landgericht München II wies die Klage von Gülten C. in erster Instanz ab. Die Richter hatten seit 2007 drei Gutachten von verschiedenen Medizin-Sachverständigen anfertigen lassen. Mit dem Ergebnis, dass die Ärzte keine Schuld tragen.

Das Oberlandesgericht (OLG) München kam gestern zum gleichen Ergebnis. „Dieser Fall ist anders als andere, die zuerst vielleicht vergleichbar erscheinen“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Steiner. Denn es handle sich um keinen Fall, der plötzlich begonnen, sondern sich länger hingezogen habe. „Über Tage haben sich wohl immer wieder kleine Plättchen gelöst, die am Ende diesen schlimmen Verlauf hatten.“ Das Gericht verkündet sein Urteil im Juli. Aber schon jetzt ist abzusehen, dass Gülten C. mit ihrer Klage gegen die Unfallklinik Murnau keinen Erfolg haben wird.

Die Weilheimerin kann das nicht verstehen. Sie leidet fürchterlich unter ihrem verlorenen Bein. Früher war sie Altenpflegerin, heute kann sie nicht mehr arbeiten. Außerdem hat sie Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl: „Ich fühle mich nicht mehr als Frau. Ich kann mich nicht mehr schön kleiden und muss mich verstecken.“ Sie könne keine Röcke mehr tragen, sondern nur noch Hosen. „Und wenn ich das Wort ,Schuhe’ höre, wird mir schlecht.“

Die 51-Jährige will weiterkämpfen. „Ich lebe jetzt seit mehr als zehn Jahren so und habe noch keinen Cent gesehen. Ich gehe bis zum Europäischen Gerichtshof.“ Sie weiß, dass ihr der Prozess das Bein nicht zurückbringen wird. „Aber ich will zu meinem Recht kommen.“

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