Am Arbeitsplatz im Amtsgericht: Michael Eberle, der Weilheim in der nächsten Woche verlässt. Foto: Wahl-Geiger

Michael Eberle im Porträt

Der Richter, der sich als Kartenabreißer engagiert

Amtsrichter Michael Eberle, der Weilheim zum 1. Juli Richtung Landsberg verlässt, ist ein sehr bodenständiger Mensch - und ein sehr vielseitiger. 

Weilheim – Richter Michael Eberle sitzt an seinem Schreibtisch im ersten Stock des Amtsgerichts Weilheim. Der 49-jährige Schongauer, graumelierte Haare, weißes Hemd, blaues Sakko, macht an diesem Nachmittag noch die Ablage. Akten unterschreiben, lochen, abheften – was halt so anfällt am Ende eines Gerichtstages. Eberle will alles noch sauber zu Ende bringen hier in Weilheim. Er steht kurz vor dem beruflichen Umzug nach Landsberg. Ab 1. Juli wird er sich dort um das Betreuungsrecht kümmern. Das ist zwar Neuland für ihn, aber er freut sich sehr darauf.

Nach sieben Jahren Weilheim, vornehmlich als Jugendrichter, möchte Eberle etwas Anderes anfangen. „Ich bin gespannt darauf“, sagt er. Der Raum sieht nicht nach Umzug aus. „Doch, doch, ich habe schon einige Kisten gepackt“, sagt der Richter. Die lagert er derzeit im Keller seines Hauses in Schongau. Einige persönliche Andenken sind noch da. An der Wand hängt eine Collage mit handgezeichneten Bildern seiner Kinder – drei Mädels und ein Bub. Familie ist wichtig für den gebürtigen Schongauer.

Und überhaupt Schongau. Seine Heimatstadt liebt er. Sein Vater war Kämmerer in Schongau und vermittelte ihm das Interesse für Politik. „Politik ist mein Hobby“, sagt Eberle. Obwohl er noch viele weitere hat. Seit 20 Jahren sitzt er im Schongauer Stadtrat. Er möchte an der Gestaltung und Entwicklung seiner Stadt mitwirken. Natürlich. Denn hier ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen. Hier kennt er die Menschen, hier fühlt er sich zu Hause.

Das typische „Menscheln“ ist für ihn wichtig. „Ich weiß nicht genau, wie ich es formulieren soll“, sagt er und hält inne. Dann aber kommt es spontan. „Ich bin halt gerne mit Menschen zusammen“, erklärt Eberle und lacht. Und er lacht gerne und oft. Er findet, dass er ein fröhlicher Mensch ist. Wenn man eine kurze Zeit mit ihm verbringt, dann stimmt man dem zu. Fröhlich, trotz seines oft auch deprimierenden Berufs? „Durchaus“, sagt Eberle nachdrücklich.

Studiert hat er in München. Bis zum vierten Semester war er sich nicht sicher, ob das Jurastudium nicht doch zu theoretisch und trocken sei. Aber dann hatte es ihn gepackt. „Den Durchblick bekam ich nach dem siebten Semester“, sagt er. Dann kam ein Senkrechtstart. Denn Eberle wagte den so genannten Freistoß. Man durfte damals nach dem achten Semester schon das Examen versuchen. Ein Nichtbestehen galt nicht als Durchfallen. Man bekam zwei neue Chancen. „Ich sah das als einen kostenlosen Klausurkurs.“ Und deshalb ging er ganz locker und entspannt in die Prüfung. Das Ergebnis: eine Note, die für ein Richteramt nötig war.

Nun startete seine juristische Laufbahn. Er arbeitete als Staatsanwalt in Memmingen und Kempten. Am Amtsgericht Kaufbeuren war er Familien- und Jugendrichter. Seine vierjährige Arbeit als Staatsanwalt in Augsburg machte ihm viel Spaß. Er war für Drogendelikte und organisierte Kriminalität zuständig. „Das war wie bei einem Strategiespiel. Man wusste nicht genau, was passiert, wenn man den ein oder anderen Straftäter aus dem Verkehr zieht.“

Als Oberstaatsanwalt leitete er dann ein Jahr in München die Verkehrsabteilung. Hier musste er auch junge Staatsanwälte ausbilden und auf den Beruf vorbereiten. Eine Arbeit, die ihm vor allem im Hinblick auf die menschliche Seite viel Spaß machte. Als Vollblutjurist meldete sich Eberle natürlich zusammen mit Weilheimer und Landsberger Richtern zum Bereitschaftsdienst beim G 7-Gipfel 2015 in Elmau. „Leider war in meiner Bereitschaft nichts“, sagt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich ist man erleichtert, wenn nichts passiert. „Wir hätten dort nur auf Freiheitsentzug entscheiden müssen“, erklärt Eberle im Rückblick. Zum Glück kam es nicht dazu. Obwohl es damals brodelte bei einer Demonstration, die während seiner Bereitschaft stattfand. Aber dann kam ein Gewitter und alles war vorbei. „Die Hitze war weg“, so Eberle.

Wenn es in seinem Gerichtssaal einen Tag lang hitzig zugegangen ist, braucht er danach seine Ruhe. „Ich gehe dann walken und baue das Adrenalin ab“, so der Richter. Und auch sonst ist er sehr sportlich. Er spielt Eishockey – „aber sehr moderat“. Mit seinen Kumpanen von der Feuerwehr ist regelmäßig Hockey angesagt. Schwimmen tut er sowieso und dann ist da noch das Radfahren. Tradition im Haus Eberle ist eine Radtour zum Gardasee einmal im Jahr – von Schongau die „Via Claudia“ entlang. Mit dabei ist immer eines seiner Kinder. Seine Frau kommt gemütlich nach einer Woche per Auto nach. Man wohnt dann im Zelt oder im Wohnmobil – ganz rustikal, ohne Tamtam. So ein Fünf-Sterne-Hotel-Typ oder Kreuzfahrtschiff-Typ ist Eberle nicht. Er ist eher bodenständig. Das zeigt sich auch daran, dass er Kartenabreißer bei der EA Schongau ist und dass er Beachpartys organisiert und andere Events.

Und Eberle freut sich über das Hobby seiner Frau. Diese singt nämlich im Schongauer Chor und damit auch bei der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“. Der Richter ist dann selbstverständlich auch vertreten. Als Platzanweiser und so. „Die Stimmung in der Wies – die ist einmalig“, schwärmt er und schaut auf die Uhr. Es läuft ein Fußball-EM-Vorrundenspiel. 1996 war er mit Freunden bei der EM in England. „Das Halbfinalspiel England-Deutschland im Wembleystadion war einfach super“, schwärmt Eberle. Die Frage, ob er ein Fußballfan ist, erübrigt sich. „Sollen wir den Live-Ticker schauen?“, fragt er und lacht. Eberle ist natürlich auch FC-Bayern-Fan. Auf seinem Trikot in der Hobbymannschaft steht „Müller“. „Wir spielen oft bunt gemischt – Mädels und Jungs“, sagt der Richter. Ganz unkompliziert eben, ganz in seinem Sinne. 

Regina Wahl-Geiger

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