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Symbolfoto.

64-Jähriger wegen Nötigung vor Gericht

Seltsame Verfolgungsjagd

Weilheim - Ein Autofahrer wollte Anzeige erstatten.  Am Ende war er selbst der Angeklagte.

Weilheim – „Ich hatte Todesangst“, sagte der 64-Jährige. Für den Staatsanwalt war das jedoch kein Grund für das weitere Verhalten des Angeklagten. Wegen Nötigung und Unfallflucht musste sich der Mann vor dem Weilheimer Amtsgericht verantworten.

„Wir haben uns hier viel Mühe gemacht für einen eher harmlosen Sachverhalt“, sagte Richterin Katrin Krempl. Denn passiert war eigentlich fast gar nichts an diesem 1. Juli im vergangenen Jahr. Der Angeklagte fuhr von Murnau Richtung Weilheim auf der Bundesstraße. Auf Höhe von Polling kam ihm laut eigenen Angaben plötzlich ein Rettungswagen entgegen, der einen Lastwagen überholte. Der 64-Jährige bremste stark ab und fuhr rechts auf das Bankett. Er wurde weder verletzt, noch gab es einen Schaden an seinem Wagen. Eine Sirene hatte er angeblich nicht gehört.

„Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagte der Lastwagenfahrer, die Stelle sei übersichtlich gewesen, und das Martinshorn sei die ganze Zeit an gewesen. Er hatte seinen Lastwagen vor dem Überholvorgang des Rettungswagens stark verlangsamt. Er sah wohl im Rückspiegel, dass der Autofahrer auf dem Bankett stand, dachte sich aber nichts weiter, da der Mann unverletzt ausstieg und am Auto kein Schaden war. Der Lastwagenfahrer fuhr weiter. Und nun verhielt sich der Angeklagte merkwürdig. Er wendete sein Fahrzeug und verfolgte den Lastwagen, überholte ihn und bremste ihn auf rund 30 Stundenkilometer aus. „Ich wollte seine Personalien für eine Zeugenaussage“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Denn er hatte vor, den Fahrer des Rettungswagens anzuzeigen. Der Fahrer des Lastwagens fuhr aber weiter, und der Angeklagte wiederholte den Vorgang noch zweimal, bevor er in Söchering wendete und zur Polizei nach Weilheim fuhr.

„Ich hätte ihn nicht angezeigt“, erklärte der Lastwagenfahrer. Seit über 50 Jahren fahre er Lastwagen, und da habe er schon viel erlebt. Für ihn war das Ganze eine Bagatelle.

Aber am nächsten Tag las er in der Zeitung einen Aufruf, dass sich ein Lastwagen-Fahrer aufgrund dieses „Unfalls“ bei der Polizei melden sollte. Und dann schilderte er den Polizeibeamten das Verhalten des Angeklagten, was zu einer Anzeige wegen dreifacher Nötigung führte.

Auf Polizeiparkplatz Fahrzeug angefahren

Und noch etwas lief schief für den Angeklagten. Auf dem Parkplatz der Polizei touchierte er beim Einparken ein Fahrzeug. Ein Polizeibeamter beobachtete zufällig vom Fenster seines Dienstzimmers diesen Vorfall. „Er stieg aus, begutachtete sein eigenes Fahrzeug, schaute sich aber nicht das andere an“, beschrieb der Polizist vor Gericht das Verhalten des Autofahrers. An dem anderen Fahrzeug entstand, wie später ein Gutachten ergab, ein Schaden von rund 1000 Euro.

Der Angeklagte parkte sein Fahrzeug an einer anderen Stelle und ging dann in das Polizeigebäude, um den Fahrer des Rettungswagens anzuzeigen. Den Unfall auf dem Parkplatz verschwieg er. „Sie hätten an diesem Tag ganz einfach ein paar Mal tief durchatmen sollen“, sagte der Staatsanwalt. Er lehnte den Antrag des Verteidigers auf eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit ab. Man dürfe sich so im Straßenverkehr nicht verhalten, so der Staatsanwalt und forderte eine Geldstrafe und ein einmonatiges Fahrverbot.

Der Verteidiger plädierte hingegen auf Freispruch. Richterin Katrin Krempl hielt den Angeklagten in beiden Fällen für schuldig. „Der Kernstrafvorwurf, nämlich die dreifache Nötigung, hat nichts mit dem Überholvorgang des Rettungswagens zu tun“, sagte sie. Sie verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 40 Euro und entzog ihm für einen Monat die Fahrerlaubnis.

Regina Wahl-Geiger

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