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„Drei Dinge spielen für mich beim Malen eine Rolle“, sagt Michael Kreuter: „Die Augen, die Hände und der Bauch.“ 

Michael Kreuter zeigt Malerei aus 50 Jahren

Mit vollen Händen

Weilheim - Michael Kreuter (76) aus Polling zeigt im Stadtmuseum Malerei aus 50 Jahren. Sein Markenzeichen: der Farbauftrag per Hand.

Pinselstriche genügen ihm nicht mehr: Seit 20 Jahren nutzt Michael Kreuter vorwiegend Handaufträge und Farbschüttungen, um seinen Bildern Leben zu geben. Im Stadtmuseum treten die wilden Werke nun in den Dialog mit alter Kunst, denn sie sind auch in den Obergeschossen platziert. Und sie erzeugen Spannungsfelder mit den ruhigen Bildern des Malers.

Seit rund 50 Jahren malt der gebürtige Stuttgarter und zeigt nun eine Auswahl aus allen Schaffensperioden. Die frühen Werke sind noch halb gegenständlich und nähern sich teils der Pop-Art: „Signal“ erinnert an bunte Zahnpastastreifen. Anderswo steht der Surrealismus Pate, wenn etwa in eine Gruppe von Findlingssteinen eine mystische Hand ragt. Sogar ein Faltenmuster mit Verwandtschaft zu Jos Huber ist zu entdecken, außerdem Nähe zur Grafik: Eine Goldocker-Fläche gegliedert sich durch schwarze Parallellinien und angedeutete Gegenstände als ein Picasso-haft multiperspektivischer Wäscheständer. In dieser Stilistik fanden sich damals, um 1980, auch Plattencover von progressiven Bands, und es lassen sich auch heutige Bilder Kreuters im Zusammenhang mit einer Musikperformance denken.

Der 76-jährige Wahl-Pollinger arbeitete sich seit den 90ern zur Abstraktion vor – und zu einer neuen Technik: Dem Farbauftrag per Hand. Halb war dies eine Inspiration, halb eine praktische Erwägung: „Die Farben mussten weg“, befand er am Ende seiner Lehrtätigkeit am Goethe-Institut in Krakau. Längst ist die ans „Action Painting“ erinnernde Technik zum Markenzeichen geworden. Einige großformatige Werke sind durch stark wirbelnde Farbaufträge gekennzeichnet – das mag auf den ersten Blick unübersichtlich wirken, doch bei längerer Betrachtung können die Farben Fahrt aufnehmen und sich im Kopf zu einer bewegten Szene entwickeln. Besonders reizvoll ist dies im Bild „Tiefsee“ – das im 1. Stock auch angestammte sakrale Werke durch den Kunstkontrast noch mehr heraushebt.

Selbst beim Handauftrag gibt es manchmal den sanften Kreuter. Die „Vier Temperamente“, ein Quadriptychon, wirkt durch sachte Pastellfärbungen von Grau, Türkis und Ocker fast meditativ. Gänzlich zurückgenommen präsentieren sich die kleinformatigen Werke, in denen nur Schwarz und Weiß zum Einsatz kommen. Hier ist die Hand kaum noch als Mittel des Farbauftrags erkennbar, denn sie macht einzelnen Fingertupfern Platz.  Der Künstler, der den 15. Juni 2005 – seine Wohnortentscheidung für Polling – so freudig wie einen zweiten Geburtstag erinnert, rückt zwischen die Vitrinen mit Gefäßfunden der Frühgeschichte fünf große Bilder mit verlaufendem Schwarzgrau, Schwefelgelb und Orange. „Neonwerbung, die sich im nassen Asphalt spiegelt“, erläutert er – und könnte mit seiner kecken Anarchie von Farben und Formen stilistisch durchaus auch in Berlin oder London bestehen.

Zu sehen

bis 16. Oktober im Stadtmuseum Weilheim: Di-Sa 10-17, So 14-17 h. Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 100 Werkfotos erschienen.

Andreas Bretting

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