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Eine Dachsanierung war zum Alptraum geworden, doch jetzt kann Gabriele Hoss-Reinhard wieder in ihrem Haus sitzen.

Weilheim

Weil ein Handwerker pfuschte, lebte sie im Wohnmobil

Weilheim –  Familie Reinhard konnte nach drei Jahren wieder in ihr Haus zurückziehen. Es musste nach einem Handwerker-Pfusch saniert und desinfiziert werden.

„Ich dachte oft, ich schaffe es nicht mehr“, sagt Gabriele Hoss-Reinhard über die vergangenen drei Jahre, in denen sie und ihre Familie in ihrem Haus im Weilheimer Westen nur zwei Zimmer in einem Provisorium bewohnen konnte. Immer wieder wurde für die Weilheimerin das Wohnmobil zum einzigen Ort auf dem gesamten Gelände, in dem sie sich aufhalten konnte.

Erst waren es die Schimmelsporen, die im ganzen Haus in Wänden, Böden und Möbeln saßen, dann waren es die Gerüche von den Reinigungs- und Sanierungsarbeiten, die Hoss-Reinhard in ihr Wohnmobil trieben. Sie leidet an Multiple Chemical Sensitivity (MCS) einer Krankheit, die sie in vielen Bereichen extrem einschränkt. In den Räumen, in denen sie lebt, dürfen nur ganz bestimmte Baustoffe und Farben verwendet werden.

"An den Wänden lief die Brühe runter"

Wie berichtet, hatten die Reinhards im November 2012 einen Fachbetrieb damit beauftragt, das Dach ihres alten, sorgfältig renovierten Bauernhauses an der Moosstraße in Weilheim zu dämmen. Es sollte energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Doch aus der Aktion, die drei Wochen dauern sollte, wurde ein Alptraum, der sich über drei Jahre erstreckte: Die Bauarbeiten verzögerten sich, der Winter kam, es begann nass und kalt zu werden und Feuchtigkeit drang von oben in die Wände ein. „Im Wintergarten zum Beispiel lief die Brühe an den Wänden runter“, erzählte Hoss-Reinhard im vergangenen Frühjahr, als sie ihre Misere schilderte. Die Nässe tränkte die Mauern, und es begann zu schimmeln. Damit wurde die MCS-Erkrankte praktisch heimatlos, war gezwungen, im Wohnmobil vor dem Haus zu leben, denn mit ihrer Krankheit muss sie Schimmel absolut meiden.

Ein Anwalt musste eingeschaltet werden

Doch damit des Ärgers nicht genug: Die Versicherung des Handwerkers, der den Schimmel verursacht hatte, wollte nur 2500 Euro von 160 000 Euro für die Sanierung zahlen. Erst, als Familie Reinhard einen Anwalt einschaltete, erklärte sich die Versicherung bereit, zumindest einen Teil der Kosten zu übernehmen. Dann erst konnte die Sanierung und Reinigung des Hauses beginnen: „Alles ist desinfiziert worden – mit reinem Alkohol“, schildert Hoss-Reinhard. „Da habe ich wieder im Wohnmobil gewohnt.“ Denn die Dämpfe seien in die beiden bereits sanierten Räume eingedrungen, so dass auch diese wieder unbewohnbar waren.

Obwohl eine Spezialfirma beauftragt war, musste die Familie sehr viele Arbeiten selber übernehmen, bis es so weit war, dass sie kurz vor Weihnachten wieder in ihr Haus einziehen konnte: „Ich habe Stunde um Stunde gesessen, um Kartons nach Karton auszupacken und den Inhalt zu säubern“, sagt Hoss-Reinhard. Oft sei sie fast verzweifelt, „aber ich hatte keine andere Wahl“.

Jetzt, nach dieser nervenaufreibenden Zeit ist auch nicht Freude das vorherrschende Gefühl, sondern Erschöpfung: „Ich bin total erledigt“, sagt Hoss-Reinhard, „das hat mich drei Jahre meines Lebens gekostet und das ist eine Unverschämtheit.“

Von Kathrin Hauser

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