Mit dem Alkohol kam der Streit zurück

Wegen Körperverletzung an Freundin: Weilheimer (51) vor Gericht

Weilheim - Ein 51-jähriger Weilheimer landete wegen Körperverletzung an seiner damaligen Lebensgefährtin vor Gericht. Bei dem Vorfall war er wohl betrunken. Das Urteil:

„Waren wir in derselben Verhandlung?“, wunderte sich die Verteidigerin nach dem Plädoyer der Staatsanwältin. Diese hatte keine begründeten Zweifel, dass der Angeklagte im Dezember letzten Jahres seine damalige Lebensgefährtin aus vollkommen nichtigen Gründen bedroht und geschlagen hatte. Die Verteidigerin hingegen plädierte nachdrücklich auf einen Freispruch für ihren Mandanten. Weder die Bedrohung noch die angebliche Körperverletzung hielt sie für nachgewiesen.

„Es ist immer unschön, wenn eine Beziehung auseinandergeht“, hatte die Staatsanwältin gesagt. Aber sie fand die Reaktion des 51-jährigen Weilheimers auf einen kleinen Streit unverhältnismäßig. So soll sich der Angeklagte darüber aufgeregt haben, dass seine Lebensgefährtin die Vermieter nicht besuchen wollte. Das ältere Ehepaar hatte den beiden eine Doppelhaushälfte zur Verfügung gestellt. Aber der eigentliche Grund für das Ausrasten des Angeklagten war wohl sein Alkoholkonsum an diesem Tag und in den Wochen davor.

Seine Lebensgefährtin schilderte in der Verhandlung, wie der Mann sich im Laufe der einjährigen Beziehung verändert hatte. „Er ist ein sehr guter, anständiger Mann“, sagte die 54-Jährige.

Über die gemeinsame Arbeit als Altenpfleger hatten sie sich kennengelernt. Es sei eine schöne und gute Beziehung gewesen, so die Frau. Nachdem sie jedoch zusammengezogen waren, wurde der Mann grundlos eifersüchtig. „Er wollte immer wissen, wo ich war, mit wem ich telefoniert habe“, sagte die Frau vor dem Amtsgericht Weilheim aus. Dann begann ihr Lebensgefährte, der eigentlich trockener Alkoholiker war, wieder zu trinken. Wochenlang sei er weg gewesen, erzählte die 54-Jährige.

Am Tattag habe man sich morgens schon gestritten. Angst bekam die Frau dann bei seinen Worten: „Wenn du hier nicht ausziehst, kommst du nicht mehr lebend raus.“ Ihr Lebensgefährte verließ anschließend die Wohnung. Sie habe sich sehr bedroht gefühlt und geplant, ein befreundetes Ehepaar zu besuchen, was aber nicht mehr passierte. Denn laut Aussage der Frau kam der Angeklagte betrunken zurück und warf in der Diele den Christbaum um. Mit den Worten „Ich bin ein Psychopath“ packte er dann die Frau an den Schultern und sie fielen beide zu Boden. „Dann habe ich noch einen Faustschlag gespürt“, so die 54-Jährige. Ein Arzt attestierte später eine leichte Jochbeinprellung und eine Verletzung am Knie, die sich die Frau eventuell bei dem Sturz zugezogen hatte.

Auf Nachfrage von Richterin Katrin Krempl, ob es mehrere Schläge gewesen seien, antwortete die Frau: „Nein, nein, es war nur einer“. Der Angeklagte schilderte den Vorfall als Rangelei. Seine Lebensgefährtin habe herumgestritten. Aus Angst davor, dass sie ihn im Wohnzimmer einschließe, habe er sie am Arm gepackt. Dabei habe sich ihr Bein in seinem Bein verfangen und beide seien gestürzt. Er bestritt nachdrücklich, seine Lebensgefährtin geschlagen zu haben. Zu ihrer Aussage sagte er. „Die Frau muss mit der Lüge leben.“

Die Richterin wertete die Aussage des Angeklagten als Teilgeständnis und sah den Sachverhalt voll bestätigt. Über die Angaben der Lebensgefährtin sagte Krempl: „Ich habe keinen Grund an der Schilderung zu zweifeln.“ So habe die Geschädigte ihren Lebensgefährten als eigentlich guten Menschen dargestellt und keinerlei Belastungseifer gezeigt, ihn unnötig schwer zu beschuldigen und somit vollkommen glaubwürdig gewirkt.

Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt.

von Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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