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Eintrag vom 21. August 1764 im Lindner’schen Einschreibbüchlein: Zu lesen ist: „Anno 1764 dem 21. Tag Jhm Auguß dem schumer hindurcht ist Ein Witter Gewesßen das Mann das Korm Nitt Ein fiehren hatt Kiemem Zur recht Zeitt, so lang regen hatt das Kein Mann Gedencht.“

Weilheimer G’schichte(n)  

Barfuß im Winter - Wetterphänomene vor 250 Jahren

Weilheim – Wetterphänomene gibt es nicht nur heutzutage - Der Fuhrmann Caspar Lindner machte schon vor 250 Jahren Aufzeichnungen darüber:

In den vergangenen Wochen erschütterten immer wieder Nachrichten über Starkregen und Überschwemmungen die Region. Dass es auch im 18. Jahrhundert Wettererscheinungen gab, die nicht den Jahreszeiten entsprachen, lässt sich einem kleinen Altweilheimer Einschreibbüchlein entnehmen.

Geführt wurde das Büchlein von dem in der Oberen Stadt (heute befindet sich „Norma“ in seinem Wohnhaus) ansässigen Fuhrmann Caspar Lindner. Zwei Jahrzehnte lang, von 1759 bis 1779, hat der „Dirlpauli“, so sein Hausname, in oftmals recht ungelenker Schrift und natürlich ohne jede Rechtschreibung das aufgezeichnet, was ihm als erinnerungswürdig erschien. In diesem Büchlein ist nachzulesen, dass vor über 250 Jahren das Wetter immer wieder rechte Kapriolen schlug.

Auf warme Winter folgten Eiseskälte

„Im 1759isten Jahr haben wir am 15. Jänner geackert, denn es ist im Winter gewesen gleich wie im Sommer, es hat gar wenig Schnee gegeben“, schreibt er und berichtet weiter, dass der „Bachbräu“ nach Heilig Drei König (6. Januar) bereits den Hafer angebaut habe. War es im Winter zu warm, so sollte die Kälte schon noch folgen: „1759, den 19. Mai hat es einen Reif gehabt und den 20. noch ärger, dass es schier gefroren hat.“

Der Winter 1761/62 wartete bis zum 9. Januar erneut mit einer sommerlichen Wärme auf, so „dass man hemdsärmlig oder schier gar barfuß hat arbeiten können“. Bis Mitte Januar 1762 fiel kein Stäuberl Schnee, aber danach versank man fast in der weißen Pracht. Bitterkalt war es auch im 1763er März, denn da „ist eine schreckliche Kälte gewesen, dass die Vögel erfroren sind“.

Starker, schadenverursachender Wind

Ein immer wiederkehrendes Phänomen war ein starker, Schaden verursachender Wind: „1763, den 30. und 31. Christmonat (Dezember) ist ein schrecklicher Wind gegangen, dass die Dächer zerrissen wurden, so dass die Leute am Silvestertag die Dächer haben richten müssen.“ Und am 20. Januar des folgenden Jahres hat der Wind nicht nur die Dächer abgedeckt, sondern auch „Bäume umgeschmissen“.

Der Winter 1764 war wieder einmal mehr ein Sommer denn ein Winter. Es gab nur wenig Schnee und es hat auch kaum gefroren, so dass „das Holz in der Lichtenau ist alles drinnen geblieben.“ Die moosigen Böden waren halt nur zu befahren, wenn auch der Untergrund entsprechend war – damals nicht anders als heute.

Dafür hat es dann im Frühling stark geschneit, denn „die ganze Karwoche hat es allerweil geschneit, so dass es bei dem Joseph Hei das Haus eingedrückt hat und das Korn von München 14 Tag lang nicht hat herauf gebracht werden können wegen dem Schnee.“

Und Anfang Juni ist schließlich „die Ammer ein zweites Mal ausgegangen, hat gar viel weggeschwemmt und andere Sachen zerstört.“

Die Ammer trat über die Ufer

Das Regenwetter sollte sich noch fortsetzen: „Anno 1764, den 21. August ist ein Wetter gewesen, dass man das Korn nicht hat einführen können zur rechten Zeit. Es hat so lang geregnet, wie sich kein Mann daran erinnern kann.“ Im Jahr darauf war es noch schlimmer, denn nun trat die Ammer über die Ufer, „wie seit Menschengedenken nicht mehr“. Davon sind wir heuer bislang Gott sei Dank verschont geblieben, und wollen wir hoffen, dass es auch so bleibt.

von Dr. Joachim Heberlein

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