+
Gern in der freien Natur unterwegs, aber auch vielfältig musikalisch aktiv: Lui Knoll, der in Wessobrunn lebt.

Wessobrunn

Lui Knoll, Radio-Routinier und "Rampensau", im Porträt

Wessobrunn – Lui Knoll leistete Aufbauarbeit beim Privatfunk – Heute verfolgt er von Wessobrunn aus andere Ziele

Sein Name steht für den Pioniergeist, der beim privaten Rundfunk der 1980er und 1990er Jahre anzutreffen war: Lui Knoll. Freier Mitarbeiter bei „Radio F“ in Franken, Moderator beim „Evangeliums-Rundfunk“ im hessischen Wetzlar, mehrere Jahre bei der Evangelischen Funkagentur und bei „Radio 7“ in Baden-Württemberg, dann der Wechsel nach Garmisch-Partenkirchen, wo er von 1992 bis 1996 Redaktionsleiter bei „Radio Oberland“ war: An all diesen Stationen leistete er Aufbauarbeit. Danach war er 18 Jahre Chef vom Dienst beziehungsweise später verantwortlicher Redakteur bei der Evangelischen Funkagentur und beim Evangelischen Fernsehen.

Doch der Radio-Routinier, der seit elf Jahren in Wessobrunn lebt, möchte nach einem beruflichen Schnitt anderes angehen – mehr im Stillen und nicht so viel wie bisher als „Rampensau“ aktiv sein. Und zwar, indem er freiberuflich arbeitet, Seminare anbietet und Menschen darin trainiert, wie sie am Mikro beziehungsweise vor der Kamera einen guten Auftritt hinkriegen.

Es ist ihm bewusst, dass er dabei einen großen regionalen Wirkungskreis braucht, um Kunden anzusprechen und solche Schulungen zur Präsentation und solches Medientraining abzuhalten. Der Radius kann durchaus von München bis Stuttgart, Zürich und Innsbruck reichen. Zu Hilfe kommen sollen ihm dabei die Kontakte aus seiner Zeit als Radio-Macher.

Der Sommer 2015 war für Lui Knoll eine Zäsur. Nach langer Zeit als Macher – unter anderem hatte er sieben Jahre auch die Sendung „Lebensformen“ einmal monatlich auf „SAT 1“ für Bayern moderiert – ging für ihn die Ära beim evangelischen Presseverband zu Ende. Warum er aufgehört hat? „Mein letzter Chef ist mit mir nicht so klargekommen“, formuliert es der 55-Jährige auf elegante Weise.

Sein Traum: eine eigene Band

Geboren in Kaiserslautern, wuchs Ludwig Knoll als Kind in Franken und als Jugendlicher in der Pfalz auf. Die Mutter starb früh. Er hat noch einen jüngeren Bruder und zwei Halbgeschwister aus der zweiten Ehe seines Vaters. Nach dem Zivildienst in der Rhön studierte der junge Mann in Nürnberg Sozialpädagogik, wo er zunächst über die Musik zum Radio fand.

Lui Knoll hat aus der Ehe mit seiner ersten Frau vier erwachsene Kinder. Er ist auch Großvater; seine Tochter (31) hat zwei Kinder. Die drei Söhne von Lui Knoll sind zwischen 30 und 24 Jahre. Mit seiner zweiten Frau, die als Groß- und Einzelhandelskauffrau arbeitet, ist er seit zehn Jahren verheiratet; sie hat selbst zwei Kinder im Alter von 20 und 24 Jahren.

Der große schlanke Mann ist sowohl sportlich als auch musikalisch aktiv. Dass er Anfang der 1990er Jahre ins Oberland wechselte – er wohnte bis 2005 in Ohlstadt, wo er einmal gar als Bürgermeisterkandidat antrat – begründet Lui Knoll, ein Naturbursche, rückblickend noch „mit dem Ruf der Berge“. Seine Hobbys, mit denen er sich fit hält, sind Klettern, Skitouren und Skifahren.

Mit 32 Paar Schuhen besitzt er mehr als seine Frau

Der Wessobrunner ist ein geselliger Typ, verbringt viel Zeit mit Freunden, geht gerne aus. 32 Paar Schuhe hat er daheim im Schrank – „mehr als meine Frau“ – und fast genauso viele Krawatten, von denen er aber nur vereinzelt die eine oder andere anzieht. Aktiv ist er zum Beispiel als Sänger im Chor „Mosaix“ in Rott, dem er sich vor acht Jahren angeschlossen hat. Chansons und Popmusik mag er genauso wie klassische Lieder.

Eine eigene Band ist in den Startlöchern. Der Wessobrunner, der sich vor Ort auch im Unterstützerkreis für Asylbewerber einbringt, spielt Klavier, Keyboard und Gitarre. Er mag das Musizieren im Freundeskreis, er mag auch die Auftritte.

„Ich bin eine Rampensau, ich muss da hin“, beschreibt er seinen Zug zur Bühne, zum Publikum. Es hat mit seinem Naturell genauso wie mit seinem beruflichen Werdegang zu tun, dass er auch bei Fachthemen als Moderator gefragt ist.

Gern erinnert sich Lui Knoll an zwei Abende mit sozialpolitischer Ausrichtung: zum einen an ein Forum über Asylbewerber im „Haus der Begegnung“ in Weilheim und an ein Symposium zur Jugendgewalt im Schongauer Ballenhaus.

Er mag es, komplizierte Sachverhalte zu erklären, und findet dafür diese Worte: „Ich bin darauf geeicht, Themen so zu erklären, dass sie jeder versteht.“

Geliebt und anerkannt zu werden – das ist dem 55-Jährigen mit der Kurzhaarfrisur ebenso wichtig wie bodenständig zu bleiben und authentisch zu sein. Auf die Frage, was er nicht abhaben kann, antwortet er: „Wenn Leute andere Menschen spüren lassen, dass sie was Besseres zu sein scheinen.“

Ludwig Knoll ist an Politik und Kirche interessiert, sieht aber manches kritisch. Über Theologen sagt er, manche Hauptamtliche sollten sich näher am Evangelium ausrichten. In der Politik wünscht er sich mehr Diskussion darüber, „worauf wir in der Gesellschaft verzichten können“. Andauernd würden neue Gesetze auf den Weg gebracht, aber es würden keine abgeschafft.

Wo er selbst seinen Standpunkt hat? „Ich bin ein frommer Liberaler. Glaube ist mir ein wichtiges Anliegen“, sagt Knoll mit kräftiger Stimme. Da klingt es wieder durch – das Sendungsbewusstsein des Radio-Routiniers.

von Johannes Jais

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017
<center>Honigwilli</center>

Honigwilli

Honigwilli
<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

Honigschlehe
<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Kommentare