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Über Kapital und Gemeinwohl sprach Jörn Wiedemann (stehend). Mit ihm standen Brigitte Gronau und Helmut Dinter, ebenfalls Mitglieder des Vereins „Gemeinwohl-Ökonomie Bayern“, zur Diskussion bereit. 

Verein „Gemeinwohl-Ökonomie Bayern“

„Das System ist krank“

Paterzell - Mitglieder des Vereins „Gemeinwohl-Ökonomie Bayern“ sprachen in Paterzell über ein alternatives Wirtschaftsmodell. Es sprach auch ein  „ehemaliger Turbokapitalist“.

60 Besucher, darunter viele Kommunalpolitiker, konnte der Wessobrunner Bürgermeister Helmut Dinter am Mittwoch im „Gasthof Eibenwald“ zu einer Veranstaltung des Vereins „Gemeinwohl-Ökonomie Bayern“ begrüßen. Der Vorsitzende des Vereins, Jörn Wiedemann, stellte das Wirtschaftsmodell vor, das nicht die Anhäufung von Kapital, sondern die Förderung des Gemeinwohls zum Ziel hat.

Wiedemann, der sich selbst als „ehemaliger Turbokapitalist“ bezeichnet, ist nach eigener Aussage in der Finanzkrise zu der Erkenntnis gekommen: „Irgendetwas läuft schief.“ Er habe immer mehr den Eindruck gewonnen, dass er „auf der falschen Seite“ stehe und sich die Frage gestellt: „Was ist eigentlich wirklich wichtig?“ Ein wesentliches Problem des derzeitigen Wirtschaftssystems sieht Wiedemann darin, dass der Kapitalismus – „die Herrschaft des Kapitals“ – auf Dauer nicht funktionieren könne. So sei zum Beispiel unendliches Wachstum aufgrund der Endlichkeit der Ressourcen gar nicht möglich. Ein weiteres Problem sei, dass die Gewinne „nicht bei denen landen, die sie schaffen“. Es sei auch nicht gut, dass diejenigen die größten Gewinne machten, die am schädlichsten wirtschafteten. Wiedemann zusammenfassend: „Das System ist krank.“

Als Alternative schlägt er eine Ausrichtung der Wirtschaft am Gemeinwohl vor, wie sie in der Bayerischen Verfassung gefordert werde. Dort heiße es im Artikel 151: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl.“ Als Lektüre empfiehlt Wiedemann christlich orientierten Mensch zusätzlich die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus. Auch dieser fordere die Orientierung am Gemeinwohl. Um sich mit einen Gemeinwohl-Siegel schmücken zu dürfen, müssen Unternehmen, Vereine oder Kommunen über ihr Verhalten gegenüber Lieferanten, Mitarbeitern und Kunden Auskunft geben. Dafür gibt es Pluspunkte und Minuspunkte, deren Summe veröffentlicht wird. Die Zahl soll den Konsumenten als Entscheidungshilfe dabei dienen, wo sie ihr Geld ausgeben. Bisher erstellen laut Wiedemann rund 200 Unternehmen eine solche Gemeinwohl-Bilanz.

Etwas skeptisch bezüglich der Akzeptanz der Gemeinwohl-Bilanz ist die Peißenberger Bürgermeisterin Manuela Vanni: „Wenn ich das im Gemeinderat präsentiere – das ,Hurra‘ kann ich mir vorstellen.“ Mischka Solonevich aus Wessobrunn wollte wissen, ob es Widerstand gegen die Gemeinwohl-Ökonomie gebe: „Die meisten guten Ideen werden von oben beschmunzelt, so lange sie nicht gefährlich werden.“ Wiedemann darauf: „Der Widerstand ist schon da. Das zeigt, dass wir es geschafft haben.“ Aber er fürchte den Widerstand nicht: „Mir wäre eher gram, wenn gar keiner käme.“ Dinter verabschiedete die Besucher mit den Worten: „Der Abend soll als ein Auftakt verstanden werden.“

Alfred Schubert

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