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Die Gaudi steht im Vordergrund: Andreas Hölzl (vorne) und seine Mitstreiter vom Bartclub.

1200-Jahr-Feier in Steingau

Eine haarige Geschichte

Dietramszell - Die Mitglieder des Bartclubs verzichten ab sofort auf den Einsatz des Rasierers. Grund ist die 1200-Jahr-Feier von Steingau und Erlach.

Am Tisch sitzen Vollbärte, Schnauzer, Drei-Tage-Bärte und Ziegenbärtchen. Und das, obwohl der Startschuss für das ungebremste Wachstum der Gesichtsbehaarung eigentlich erst heute fällt. Bis Faschingsdienstag dürfen sich die Männer des Steingauer Bartclubs nicht mehr rasieren. Doch viele kommen schon mit Bart zum ersten Treffen im Gasthof Steinbacher.

Bart ist „in“, auch im 180-Seelen-Dorf Steingau. Hier hält der Trend allerdings schon seit mehr als 150 Jahren an: Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der erste Bartclub gegründet. „Wir sind der Mode lange voraus“, erklärt Andreas Hölzl lachend. Von Generation zu Generation wurde die Barttradition seither weitergegeben. So viele wie in diesem Jahr waren allerdings noch nie beteiligt.

Grund ist die bevorstehende 1200-Jahr-Feier von Steingau und Erlach: Ihr zu Ehren trafen sich am Freitagabend rund 30 Männer zwischen 18 und 65 Jahren im Wirtshaus in Steingau. Mit ihrem Eintrag in die ausliegende Liste verpflichteten sie sich, ihren Bart während der ganzen Faschingszeit wachsen zu lassen. Wer sich nicht daran hält, muss mit empfindlichen Strafen rechnen, wie Bartclub-Organisator Hölzl erläutert: „Kleinere Verstöße, zum Beispiel das Switchen von Schnauzer auf Koteletten, werden mit einer Runde Schnaps geahndet.“ Bei groben Zuwiderhandlungen, sprich einer vorzeitigen Rasur, drohe „Minimum ein Kesselfleischessen für die ganze Truppe“.

Überhaupt geht es dem 31-Jährigen bei der ganzen Aktion vor allem um das „gesellige Beisammensein“, wie er sagt. Der Sinn sei, Jung und Alt im Wirtshaus zusammenzubringen, um wieder miteinander zu reden, „ohne Handy und Fernseher“.

Einmal im Monat wollen sich die Bartclub-Mitglieder künftig im Gasthof Steinbacher treffen. „Da spart man sich den Psychiater, wenn man im Wirtshaus Dampf ablassen kann“, erklärt der langjährige Eishockeyspieler. Auch ein gemeinsamer Ausflug steht auf dem Plan – zum Beispiel in die Augustiner-Schwemme nach München.

Die nächste Zusammenkunft findet schon am 28. November statt: Dann werden Vorstand und Kassier des Vereins gewählt und ein Ausflugskomitee ernannt. Für alle, die am Freitag wegen Kirchweih oder Martinsumzug keine Zeit hatten, ist dann auch die letzte Gelegenheit, sich in die Liste einzutragen. Hölzl rechnet mit etwa 50 Teilnehmern: „Wir sind ein weltoffener Verein. Jeder ist willkommen, auch wenn er nicht aus Steingau ist.“

Frauen haben in einem Bartclub naturgemäß nichts verloren. Hölzls Ehefrau Franziska, die „wundervollste Frau der Welt“, ist trotzdem dabei – als Wirtshausbedienung. „Ohne Bart ist er auch nicht schöner“, kommentiert sie die Aktion. „Die Frauen in Steingau stehen hinter ihren Männern und lieben sie, wie sie sind“, tönt ihr Gatte.

Und wenn ihnen die neue Gesichtsbehaarung nicht gefällt? Ein 34-Jähriger Jasbergler zuckt mit den Schultern: „Ich hab ja schon vier Kinder, da ist’s wurscht.“ Falls er selbst zu dem Schluss kommen sollte, dass ihm der Bart nicht steht, will er einfach ohne Brille in den Spiegel schauen.

Am Faschingsdienstag, 28. Februar, wird das dreieinhalbmonatige Bartwachstum bei einem Ritteressen gefeiert. Dann dürfen die Bartclubmitglieder wieder zum Rasierer greifen – wenn sie wollen. Einen Preis für den schönsten oder den längsten Bart gibt es allerdings nicht, erklärt Hölzl: „Wir wollen niemanden diskriminieren.“ Nur Geburtstagskinder bekommen eine Belohnung fürs Mitmachen. Ihr Geschenk vom Bartclub: ein Rasierset.

cw

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