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Mensch und Tier in Harmonie: Renate Voglsang und Fabriano starten 2012 bei den Olympischen Spielen in London für Österreich. Sie belegten Platz 36.

Faszinierende Einheit von Tier und Reiter

Dressurreiterin Renate Voglsang startete bei Olympia

Dietramszell – Die Dressurreiterin Renate Voglsang erinnert sich an ihre Olympischen Spiele in London – und hat große Pläne.

Dressurreiten ist die spannendste Sportart bei den Olympischen Spielen. Findet jedenfalls die gebürtige Dietramszellerin Renate Voglsang (45). Wer sie über ihre Sportart reden hört, merkt die Begeisterung sofort. Voglsang war selbst schon als Athletin bei Olympia, 2012 startete sie in London für Österreich. Auf Fabriano belegte sie damals Platz 36.

Auch als Zuschauerin ist sie voll bei der Sache. Über den Wallach „Showtime“ von Dorothee Schneider sagt sie: „Er bewegt sich so spielerisch leicht. Da bekommt man eine Gänsehaut, wenn man zusieht.“ Der Wallach „Cosmo“ von Sönke Rothenberger ist für sie „ein Genie. Es macht Freude, ihm zuzusehen.“ Und Isabell Werth sei eine „perfekte Reiterin, die alles auf den Punkt bringt. Da sieht man nichts, was man besser machen kann.“ Man sieht: Vor ihren Kollegen hat sie größten Respekt.

Was macht den Reiz einer guten Dressur-Vorführung aus? Das kann Renate Voglsang sehr schön erklären. „Es ist faszinierend, wie 600 Kilogramm Lebendgewicht auf feine Hilfen reagieren“, sagt die Profi-Reiterin, die inzwischen am Chiemsee wohnt und Pferde ausbildet. „Ziel ist, dass Pferd und Reiter zu einer Einheit werden.“ Durch Wiederholung und Belohnung würden ganz natürliche Bewegungen einstudiert: „Ein Hengst, der einer Stute imponieren will, piaffiert und passagiert auch. Die Kunst ist, dass er das quasi auf Knopfdruck und am Stück macht.“

Voglsang weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, auf das hohe Niveau eines Olympioniken zu kommen. Das gilt für Mensch und Tier. Mir drei Jahren beginne man, ein Pferd an den Sattel und den Turnier-Reitergang zu gewöhnen. Das junge Pferd muss lernen, auf die Stimme und die Kommandos zu hören. In dieser Phase wird drei- bis viermal wöchentlich trainiert, später fünfmal wöchentlich: „Öfter geht’s nicht“, sagt Voglsang. „Es ist wie bei Kindern. Die kann man auch nicht jeden Tag in die Schule stecken.“ Mit frühestens neun Jahren ist ein Pferd reif für die ersten großen Wettkämpfe.

Doch gleich, wie oft man trainiert: Nur ganz wenige haben das Zeug dazu, bei Olympia zu starten. „Es ist bei Pferden wie bei uns“, sagt Voglsang. „Es gibt Menschen, die sich lieber vor den Fernseher setzen als zum Joggen zu gehen. Aus denen wird nie ein Leistungssportler.“ Ebenso keine Chance auf Olympia hätten „liebe, brave“ Pferde, die einfach nur einen „schönen Job“ machen.

Ein großer Geldbeutel ist nach Ansicht von Voglsang nicht unbedingt notwendig, um sich ein olympiataugleiches Pferd anzuschaffen. „Aber leichter geht es schon“, sagte sie. Für ein konkurrenzfähiges Tier müsse man 20 000 bis 25 000 Euro hinblättern. Für ein Pferd mit „allen Möglichkeiten“ wird im Normalfall eine sechsstellige Summe fällig. Nach oben gibt es keine Grenzen. Hengst „Totilas“ soll beispielsweise zwischen zehn und 15 Millionen Euro gekostet haben.

Man kann des aber auch mit Glück und Geschick weit bringen. Voglsang selbst ist das beste Beispiel dafür. Irgendwann bekam sie den „etwas durchgeknallten“ Fabriano zur Ausbildung, ein Pferd, an dem viele Reiter schon gescheitert waren. Voglsang bekam ihn in den Griff und führte ihn bis zu Olympia. In Rio wird der inzwischen verkaufte Fabriano erneut an den Start gehen, und zwar mit dem Japaner Masanao Takahashi. „Das macht mich stolz.“

Die Athletin selbst hat das Ziel Olympia noch nicht aus den Augen verloren. „Der Zehn-Jahres-Plan steht.“ Eile ist wegen ihres Alters nicht geboten. Der älteste Teilnehmer in Rio hat das reife Alter von 71 Jahren erreicht. Respekt hat sie nach den Erfahrungen aus dem Jahr 2012 vor dem Trubel. Ein halbes Jahr drehte sich für sie alles um Olympia, „inklusive viel Tamtam und Pressearbeit“. Im Rückblick sagt sie: „Ich war ich froh, als wieder das normale Leben eingekehrt ist.“

Hat sich der Aufwand gelohnt? „Diese Frage kann ich nicht beantworten“, entgegnet die Dietramszellerin. Auffallend sei, dass Kunden sie nun mehr respektieren als vor der Olympia-Teilnahme. Doch alle Erfolge nützen nichts, wenn die mehr als 3000 Fans in den sozialen Netzwerken ständig mit neuen Informationen versorgt werden: „Wenn man da nicht präsent ist, ist man schnell vergessen.“ Das Projekt Olympia geht Voglsang sehr gelassen an: „Wenn es klappt, ist es schön“, sagt die Sportlerin ganz cool. „Wenn nicht, geht für mich die Welt auch nicht unter.“

pr

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