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Schwierige Vergangenheit: Die Nationalsozialisten enthüllten 1938 eine Hindenburg-Büste, die heute noch existiert. Jetzt zeigt sich: Zu diesem Zeitpunkt war Adolf Hitler schon Ehrenbürger. Er ist es noch.

Auf Sitzungsprotokoll gestoßen

Hitler noch Ehrenbürger von Dietramszell

Dietramszell – Eigentlich galt der Runde Tisch der Frage nach Paul von Hindenburg's Ehrenbürgerschaft, doch die Bürgermeisterin eröffnete: Adolf Hitler ist auch noch Ehrenbürger.

Sichtlich bestürzt tat Leni Gröbmaier kund, was Archivarin Agnes Wagner herausgefunden hatte: Adolf Hitler, der Mann, der Deutschland und Europa ins Unglück gestoßen hat, ist im März 1933 in Dietramszell die Ehrenbürgerwürde verliehen worden. „Das war eine ganz unangenehme Überraschung“, sagte sie. Dabei habe Agnes Wagner eigentlich nur nach Unterlagen geforscht, die Klarheit in der Streitsache Hindenburg bringen sollte.

Archivarin stößt auf Sitzungsprotokoll

Aber: Bei ihrer Recherche stieß Agnes Wagner auf ein Sitzungsprotokoll, das viel brisanter war, als jedes Hindenburg-Dokument hätte sein können. Es ist datiert auf den 17. März 1933. Darin wurde dem neuen Diktator Adolf Hitler mit zehn zu null Stimmen – ein Gemeinderat fehlte bei der fraglichen Sitzung – die Ehrenbürgerwürde verliehen. Mit dieser Ehrung war Dietramszell vergleichsweise früh dran: Erst am 30. Januar war dem Diktator die Regierungsgewalt übertragen worden. „Für mich ist es völlig abwegig, so einem Menschen überhaupt irgendetwas zuzuerkennen“, sagte Gröbmaier.

„Der Gemeinderat muss ein Zeichen setzen“

Am Runden Tisch herrschte einen Moment betretenes Schweigen. Peter Probst, Autor aus Dietramszell und seit vielen Jahren gegen Ausländerfeindlichkeit engagiert – so war er 1992 bei der weltweit beachteten Lichterkette beteiligt – sieht Dietramszell in einer besonderen Verantwortung. Mit der Ehrenbürgerschaft Hitlers wie mit der Hindenburgs solle sensibel umgegangen werden. „Als ich vor vielen Jahren von München nach Dietramszell gezogen bin, bin ich gefragt worden, was ich in diesem braunen Nest will.“ Solche Vorurteile seien natürlich falsch. „Ich kenne Dietramszell als wunderbare, weltoffene Gemeinde.“ Doch sei es wichtig, angsichts dieses Klischees das Richtige zu tun. „Der Gemeinderat muss ein Zeichen setzen.“

Aber welches? Eine Möglichkeit besteht darin, beiden Männern die Ehrenbürgerschaft zu entziehen. So ist es im Fall Hindenburgs etwa in Bad Tölz geschehen. Archiarin Agnes Wagner bezweifelte den Sinn. Nach ihren Informationen erlischt die Ehrenbürgerwürde mit dem Tod. Faktisch seien beide Männer deshalb keine Ehrenbürger mehr. In Rosenheim habe man eine ähnliche Debatte aus diesem Grund zeitig beendet. Ob Hitler die Ehrenbürgerschaft nach dem Krieg offiziell aberkannt wurde, lässt sich nicht überprüfen. Im Archiv finde sich für diese Zeit extrem wenig Material. Auch die Nazi-Zeit sei schwach dokumentiert. „Aus Angst vor den anrückenden Amerikanern wurde vieles vernichtet.“

Ehrenbürgerschaft erlischt mit dem Tod

Wilfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag bestätigt: „Ja, die Ehrenbürgerschaft erlischt mit dem Tod. Das ist die Gesetzeslage.“ Nach seiner Ansicht ist es fragwürdig, Hitler und Hindenburg die Ehrenbürgerwürde zu entziehen. Denn: Die Zuerkennung im Jahr 1926 (Hindenburg) und im Jahr 1933 (Hitler) war rechtlich in Ordnung. „Eine Aberkennung würde nur Sinn machen, wenn es juristisch nicht mit rechten Dingen zugegangen wäre.“ Die Empfehlung des Bayerischen Gemeindetags lautet in solchen Fragen, dass der gegenwärtige Gemeinderat sich vom damaligen Beschluss in irgendeiner Form distanzieren sollte. „Damit macht man klar, dass so etwas heute nicht mehr infrage käme.“ Dietramszell sei nur eine von vielen Gemeinden gewesen, die sich beim angeblichen Führer angebiedert hätten. „Man glaubte eben an ihn und hat sich Vorteile versprochen."

Volker Ufertinger

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