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Blitz-Marathon

Egling tritt Verkehrsüberwachung bei

Darum sind in Deining Blitzeranlagen so beliebt

Egling – Eigentlich sind Autofahrer und Blitzeranlagen Erzfeinde. In Deining ist das anders, da ist man sogar richtig froh, wenn das Geschwindigkeitsmessgerät am Straßenrand steht.

Blitzer und Deining, das passt. Das sagt zumindest Anwohner Manfred Hirsch. „Da wird es gleich leiser. Geschwindigkeit ist gleich Lärm. Man hört, wenn kontrolliert wird.“

Die Deininger Bürger sind von Lärm und Verkehr geplagt. Vor drei Jahren sammelte Hirsch in zwei Wochen über 300 Unterschriften, damit etwas passiert. Diese Zahl ist bemerkenswert bei einem Dorf mit 700 Einwohnern. Kurz darauf gründete Hirsch mit mehreren Mitstreitern die Bürgerinitiative (BI) zur Verkehrsberuhigung. Sie fordert effektive Lärmschutzmaßnahmen, und als ersten Schritt einen Beitritt zur kommunalen Verkehrsüberwachung. Es passierte nichts, dann gab es diese Woche den Erfolg. „Wow“, sagte Manfred Hirsch nach der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. „Ich bin wirklich positiv angetan.“ Kurz zuvor hatte der Gemeinderat einstimmig den Beitritt zum Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland (KVO) beschlossen. In der Großgemeinde wird also weiter geblitzt.

Wie berichtet hatte Egling im März vorigen Jahres den ersten Schritt gemacht. Die Gemeinde vereinbarte einen zweijährigen Probelauf mit dem Zweckverband. Im Juni stellte dessen Mitarbeiter Thorsten Preßler erste Zahlen vor. 2015 wurden bei elf Messungen 7920 Fahrzeuge erfasst. 276 waren zu schnell – eine Quote von vier Prozent. Die Bußgeldeinnahmen lagen bei 3540 Euro, die Kosten für die Messungen bei 6643 Euro. Preßler dazu: „Verkehrssicherheit darf Geld kosten.“ Im Jahr 2016 gab es bis Mitte Juni an sechs Stellen elf Messungen. Von 7319 Fahrzeugen waren 476 zu schnell. Den Bußgeldeinnahmen von 2670 Euro standen Ausgaben von 2789 Euro gegenüber. Bleibt ein Minus von 119 Euro.

Inzwischen gibt es 14 Messstellen in der Großgemeinde: je einmal in Attenham, Öhnböck, Moosham, Schalkofen, Eulenschwang, Aufhofen und Dettenhausen, je zweimal in Siegertshofen und Deining sowie dreimal in Egling. Pro Monat wird zwölf Stunden geblitzt. Als festes Mitglied der KVO werden die Kosten für die Gemeinde sinken. Mitgliedsbeitrag wird nämlich keiner erhoben, dafür sind die Messaktionen billiger. Die Gemeinde würde im Gegenzug wie die anderen Mitglieder anteilsmäßig haften, sollte die KVO Insolvenz anmelden müssen. Das ist laut Bürgermeister Hubert Oberhauser sehr unwahrscheinlich. „Unterm Strich werden wir also weniger Kosten haben.“ Mitglieder sind Gemeinden aus acht Landkreisen, in Bad Tölz-Wolfratshausen sind es die Stadt Bad Tölz und die Gemeinde Kochel, Wackersberg, Jachenau, Bad Heilbrunn sowie Greiling.

Die Einführung der Blitzer-Testphase war im Gemeinderat emotional diskutiert worden. Nicht jeder war vom Sinn der Verkehrsüberwachung überzeugt und befürchtete vielmehr eine Gängelung der Einheimischen. Gegen den festen Beitritt äußerte sich nun keiner mehr. Die Überwachung werde „von der größten Zahl der Bürger positiv gesehen“, sagte Bürgermeister Oberhauser. Michael Neubauer dankte ausdrücklich für den Beitritt. „Wir sind nun mal eine verkehrsreiche Gemeinde.“

Die Deininger Bürgerinitiative ist zufrieden. Sie hat ein wichtiges Ziel erreicht. Auflösen wird sie sich aber nicht, sagt Hirsch im Gespräch mit unserer Zeitung. „Unsere Arbeit hat was gebracht. Wir müssen da schon weiter wachsam sein.“ Im kommenden Jahr wird der Initiative gleich noch ein Wunsch erfüllt: Die Deininger Ortsdurchfahrt, die vielbefahrene St 2072 Richtung Grünwald, wird wie berichtet in drei Etappen saniert. Hirsch: „Endlich wird etwas für die Bürger gemacht.“

dor

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