Schwede nimmt Tod einer Frau (51) in Kauf

Geisterfahrt auf Straße bei Penzberg war Suizid-Versuch

Eurasburg/Penzberg – Die Staatsstraße 2370 ist nicht die befahrenste Route im Landkreis Weilheim-Schongau. Warum ein 30-jähriger Schwede genau diese Verbindung aussuchte, um sich umzubringen, wird für immer ein Rätsel bleiben.

Im Januar dieses Jahres steuerte der Mediendesigner aus München seinen BMW plötzlich auf die Gegenfahrbahn. Eine Angestellte (51), die auf dem Heimweg war, konnte in letzter Sekunde auf die Gegenfahrbahn lenken. Sie leidet aber bis heute unter dem Vorfall. Seit dieser Woche wird dem Schweden am Landgericht München II der Prozess gemacht.

Es war ein Freitag, es herrschte Sonnenschein, und Olivia T. (Name geändert) hatte es früher aus der Arbeit geschafft. Gut gelaunt fuhr sie in ihrem neuen Auto in Richtung Beuerberg. Die Strecke kannte sie, die 51-Jährige war diese schon hunderte Male gefahren.

Im Bereich Zachenried kam ihr zunächst ein gelbes ADAC-Auto entgegen, dann der Schwede mit seinem Wagen. Plötzlich, schätzungsweise 70 bis 100 Meter vor ihr, zog er nach rechts, aber nicht wieder zurück. Olivia T. hatte zunächst geglaubt, der ihr bis dato unbekannte Fahrer wolle einem Gegenstand ausweichen. Doch er hielt auf sie zu, beide fuhren vermutlich zwischen 80 und 90 Stundenkilometer schnell.

Im letzten Moment zog die 51-Jährige nach links und kam zwischen Straße und Radlweg zum Stehen. Beide Autos hatten sich leicht touchiert. Im ersten Moment dachte die Frau: „Mist, was war das? Mein neues Auto.“ Das berichtete sie als Zeugin vor Gericht.

Sie machte einen großen Bogen und fuhr hinter dem Schweden her, der sein Auto langsam gestoppt hatte, nachdem ein Reifen geplatzt war. Beide blieben hintereinander stehen, stiegen aus. Sie stellte ihn zur Rede: „Was war denn das?“, fragte sie.

„Ich wollte mich umbringen“, erwiderte er. „Mit mir?“, entgegnete sie und konnte nicht fassen, was da soeben passiert war. Schließlich rief sie den Notarzt, die erste Nummer, die ihr in den Kopf kam. Dann musste sie sich sein wirres Gestammel um seine Selbstmordabsichten anhören.

Am ersten Prozesstag entschuldigte sich der Mann bei ihr. „Es tut mir wirklich sehr leid“, sagt er und wies auf seinen schlechten psychischen Gesundheitszustand hin. Der 30-Jährige leidet an Schizophrenie. Er befindet sich in der Psychiatrie.

Im Prozess geht es nur um seine Unterbringung. Die Frau nahm die Entschuldigung an. Später erzählte sie, dass sie nach dem Vorfall unter extremen Schlafstörungen gelitten habe. Sie trainierte mit ihren Freundinnen, die Strecke zu fahren. Sie suchte sich einen Psychologen und dachte bis dato eigentlich, alles überstanden zu haben. Doch das Erlebte komme immer wieder hoch, sagte sie. Der Prozess dauert an.

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