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Wegweiser zu bislang geheimen Einblicken: Der Finger weist auf die Ausstellung hin, die Dr. Christoph Kürzeder vom Diözesanmuseum in Freising organisiert hat. Der Finger ist ein Ausschnitt eines Gemäldes einer Salesianerin.

Im Gespräch mit Dr. Christoph Kürzeder 

„Wir spielen nicht Kloster“

Beuerberg – Am Sonntag endet in Beuerberg die Ausstellung „Klausur – vom Leben im Kloster“.  Wegen des enormen Interesses soll es 2017 eine Fortsetzung geben, wie Dr. Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums in Freising, verrät.

Herr Dr. Kürzeder, wie hat es Ihnen gefallen in Beuerberg?

(lacht) Sehr gut. Ich habe hier zwar gearbeitet – aber Beuerberg ist ein wunderbarer Ort zum Arbeiten. Vom Dorf habe ich allerdings in der Vorbereitungsphase mehr mitbekommen. Da haben wir allein schon durch unser Frühstück beim Bäcker immer Kontakt gehabt (lacht) und in der Mittagspause beim Edeka. Aber seit der Ausstellungseröffnung war ich fast nur im Kloster.

Und was sich dort entwickelt hat, hat sie überrascht? Oder hatten Sie mit so viel Publikumszuspruch gerechnet?

Wir haben gehofft, dass der Ort ein starker Ort ist. Ich bin schon davon ausgegangen, dass die Ausstellung viele Menschen interessiert. Aber dass es so in die Breite geht, das haben wir alle nicht erwartet. Ich hatte, ehrlich gesagt, mit etwa der Hälfte gerechnet.

Wie war die Reaktion der Besucher?

Auch enorm. Wir haben noch nie bei einer Ausstellung so viel Resonanz bekommen. Die Rückmeldungen waren von einer ganz eigenen Qualität. Man kann von einer Ausstellung eine Meinung haben: Es gefällt einem, oder nicht. Aber hier waren die Reaktionen umfänglicher, weil es nicht nur Ausstellung ist. Der besondere Ort und das Thema, das hat die Menschen emotional erreicht. Wenn ich an die Wochenenden denke, wenn die Backstube wieder offen war und es in den Gängen nach frischem Brot roch – das ist ein ganzheitliches Erlebnis. Klingt abgedroschen, aber es stimmt hier.

Können Sie das bitte genauer definieren?

Alles hat hier eine hohe Qualität. Das fängt mit der schönen Architektur und einer schönen Kulturlandschaft an. Und dann die Geschichte, das, was wir hier aufarbeiten. Durch den einmaligen Bestand hier im Haus konnten wir dem Klosterleben sehr nahe kommen.

Alles wirkt authentisch.

Ich habe immer gesagt: Wir spielen nicht Kloster. Wir wollen die Qualität dieses Ortes und des Lebens hier vermitteln. Wir haben ein Haus voller Geschichten, noch immer. Wir haben nur einen Teil gezeigt, von dem etwas da ist. Da ist noch ein großer Schatz von Geschichten, von Themen, die in dem Haus immer wieder den Geist wachrufen.

Den Geist, den viele Menschen suchen, die hierher kommen?

Eine Besucherin, Schwester Pia, hat gesagt: Die Menschen kommen, weil sie eine Sehnsucht haben. Das ist ganz richtig. Und weil der Ort geschützt war. Es ist ein bewahrter Ort.

Gibt es womöglich ein gesteigertes Interesse an Religion?

Ich glaube, es ist kein klares Interesse, es ist eher diffus. Wir haben eine Umfrage gemacht, da war die Frage mit der Religion relativ weit unten in der Bewertung. Weil Religion für viele etwas Konkretes bedeutet. An diesem Ort ist Religion wahnsinnig stark, vielleicht muss ich es deshalb nicht mehr thematisieren. Absoluter Spitzenreiter in der Besucherbefragung, was Beuerberg zu einem besondern Ort für sie mache, ist übrigens die Antwort. „Weil mir so eine Ausstellung besondere Erkenntnisse ermöglicht.“ Das finde ich sehr interessant.

Was hat die Ausstellung Ihnen persönlich gegeben?

Ich möchte es anders ausdrücken. Für uns war wichtig, dass wir nicht ein Leben an die Öffentlichkeit zerren von Frauen, die sich entschlossen haben, ein zurückgezogenes Leben hinter Klostermauern zu führen. Wir haben in der Ausstellung versucht, die Diskretion zu wahren und trotzdem der Geschichte und den Themen nahe zu kommen. Das war die größte Herausforderung. Es ist für mich der schönste Erfolg, dass wir dem gerecht geworden sind, diesen verschlossenen Ort mit aller Diskretion, mit aller Würde, anschaulich zu machen – und nicht den Voyeurismus zu bedienen. Das ist für das ganze Team das größte Geschenk dieser Ausstellung. Klingt sentimental, ist aber so.

Wie geht es nun weiter?

Ich hoffe, dass wir – wenn es behördlich genehmigt wird – im nächsten Jahr wieder eine Ausstellung zeigen können. Die wird in großen Zügen noch die sein wie in diesem Jahr, aber mit ein paar anderen Akzenten. Und wir werden ein noch intensiveres Rahmenprogramm organisieren, wo wir die Themen, die wir heuer angeschnitten haben, vertiefen wollen. Wir haben den Themenkanon noch nicht festgelegt, aber wir haben gemerkt, dass zum Beispiel die Handwerksthemen, die wir angeboten haben, auf sehr großes Interesse stießen. Erstaunlich, mit welchen Themen die Leute sich hier gerne befasst haben.

Gibt es schon einen Termin?

Den möchte ich jetzt noch nicht nennen. Wir müssen für uns einen realistischen Eröffnungstermin finden. Wir wollen einen Katalog erstellen. Das haben wir heuer in der Kürze der uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht geschafft – hatten aber sehr viele Anfragen. Wann wir aufmachen, hängt auch davon ab, wann wir wieder soweit sind. Wir, das Team, müssen das jetzt erst mal setzen lassen. Jetzt war sehr viel Action, wir sind ein bisschen gehechelt. Doch wir haben noch viele Geschichten. Da ist noch einiges, was wir noch machen wollen.

Gibt es Überlegungen, wie das Kloster Beuerberg über die Ausstellung hinaus genutzt werden könnte?

Wir haben die Befragung gemacht, weil wir gemerkt haben: Viele Leuten wollen etwas dalassen. Das wollten wir sammeln und dokumentieren. Aber wir wollen nicht einfach ein Konzept darüberstülpen. Das ist hier ein toller Ort der Kommunikation. Die Dynamik, die jetzt da ist, wollen wir in eine Konzeptphase überführen. Daran arbeiten wir. Es ist nicht so leicht, und wir sollten es uns auch nicht so leicht machen. Darum haben wir nächstes Jahr noch mal Ausstellung, quasi als Probelauf und Übergangsphase.

rs

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