+
Das Regionallliga-Team der TuS-Badmintonsparte: (v. li.) Coach Udo Lehmann, Ann-Kathrin Spöri, Noah Gnalian, Sarka Meier, Felix Künzer, Michelle Deschle, Matze Minz, Samuel Gnalian und Basti Keller.

Zwischenstation Regionalliga

Badminton: TuS will in die 2. Bundesliga

Geretsried – Zum ersten Mal spielt eine Badminton-Mannschaft des TuS Geretsried heuer in der Regionalliga. Die dritthöchste deutsche Liga soll aber nur eine Zwischenstation sein. Ziel ist die 2. Bundesliga.

Die acht Frauen und Männer haben sich intensiv auf die erste Begegnung mit Neubiberg-Ottobrunn am kommenden Sonntag, 25. September (siehe Kasten), vorbereitet. Weil der Boden der Adalbert-Stifter-Mittelschulturnhalle keine Badminton-Markierungen besitzt, hat die Abteilung unter der Leitung von Uwe Eckhoff zudem bundesligataugliche Spielmatten gekauft, die einfach ausgerollt werden.

Auf einer Langbank stehen bei der hochsommerlichen Hitze Wassermelonen zur Stärkung bereit. Als Federball belächeln Unwissende Badminton oft. Doch so ambitioniert, wie die besten Geretsrieder spielen, ist es knallharter Leistungssport. In der halben bis dreiviertel Stunde, die ein Match mit zwei Gewinnsätzen ungefähr dauert, legen sie Statistiken zufolge an die zehn Kilometer zurück. Sie schlagen den Ball, der Spitzengeschwindigkeiten von nahezu 500 Stundenkilometern auf dem ersten Meter erreichen kann, in dieser Zeit rund 400 Mal übers Netz. Man braucht hervorragende Reflexe und eine schnelle Hand-Augen-Koordination für die seit 1992 olympische Disziplin. Als das „Blitzschach der Schlägersportarten“ bezeichnet Trainer Udo Lehmann Badminton.

Wer nicht glauben mag, wie spannend, temporeich und vor allem lautstark von den Fans unterstützt ein Punktspiel ist, sollte sich den Auftakt der Regionalliga ansehen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind gerne gesehen. Denn der Aufstieg in die höhere Klasse bedeutet für die 1969 gegründete, 130 Mitglieder zählende Badmintonsparte trotz einiger Sponsoren schon auch eine finanzielle Herausforderung. 40 000 Euro betrage das Jahresbudget, sagt Stephan Heinle, der als Vorstandsmitglied des TuS selbst seit 30 Jahren leidenschaftlicher Badmintonspieler ist. Größter Posten sei die Bezahlung der zehn Trainer einschließlich Diplomcoach Lehmann. Der 53-jährige ehemalige U 13-Nationaltrainer reist fast täglich aus Aschheim an, um Gruppen- und Einzelstunden zu geben. „Ich bin hier wieder näher am Athleten. Das gefällt mir, weil ich ein guter Ausbilder bin und nicht so sehr ein Funktionär“, erklärt Lehmann den Ligawechsel vor sieben Jahren. Doch nicht nur ein professioneller Coach, auch das Material kostet Geld. Allein für einen handgefertigten Ball aus Gänsefedern bezahlt man zwei Euro. Die Lebensdauer eines solchen – korrekt benannten – Shuttlecock ist eher gering. Die Spielmatten hat die Abteilung günstig erstanden, für eine mobile Zuschauertribüne für die Heimspiele reicht der Etat des TuS aber nicht. Die Spieler, zu 50 Prozent Eigengewächse, bekommen weder Gehalt noch Preisgelder. Erst ab der internationalen Ebene lässt sich mit dem in Deutschland zu den Randsportarten zählendem Badminton etwas verdienen. Das höchstdotierte Turnier ist das Korea Open mit 1,2 Millionen US-Dollar Preisgeld – immer noch kein Vergleich zum Tennis.

Auf dem besten Weg zum bezahlten Profi ist die 15-jährige Ann-Kathrin Spöri aus Geretsried. Die Deutsche Meisterin und U 15-Nationalspielerin trainiert mittlerweile am Olympiastützpunkt in Mülheim an der Ruhr. Das Aushängeschild des TuS hält ihrem Heimatverein die Treue und wird extra zu den Punktspielen anreisen. Mit von der Partie ist zudem Felix Künzer, der vom TSV Neubiberg-Ottobrunn nach Geretsried gewechselt ist und bereits 1. Bundesliga gespielt hat. Die Mannschaft speist sich außerdem aus den beiden Gnalian-Brüdern Noah und Samuel sowie aus Michelle Deschle (Deutsche U 17-Vizemeisterin. Als d a s Nachwuchstalent bezeichnet Stephan Heinle den 15-jährigen Philipp Bussler. Der Geretsrieder trainiert bereits mit der Ersten Mannschaft. Die Damen verstärkt die Münchnerin Sarka Meier (37), ehemalige tschechische Jugendmeisterin. Was sie an dem Randsport so reizt? „Jung und Alt, Männer und Frauen spielen in einer Mannschaft. Das gibt es sonst kaum irgendwo“, sagt Meier. Aus München nach Geretsried sei sie gekommen, „weil hier so eine freundschaftliche Atmosphäre herrscht“.

Tatsächlich sei die Badminton-Abteilung wie eine große Familie, bestätigt Stephan Heinle. Das bedeute aber auch, dass die Spieler, beziehungsweise deren Eltern, viele Stunden und Euro in dieses Hobby investieren müssten. Der 18-jährige angehende Student Noah Gnalian etwa trainiert jeden Tag. Den Einzelunterricht zahlt der Verein nicht. Ein Schläger im Wert von 200 bis 250 Euro ist überdies schnell einmal verschlissen. Doch Noah hat wie alle in seiner Mannschaft ein klares Ziel vor Augen: den Aufstieg in die 2. Bundesliga – am besten gleich nach dieser Saison, wie Trainer Lehmann sagt.

tal

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?</center>

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?
<center>Fächer "Liebestaumel"</center>

Fächer "Liebestaumel"

Fächer "Liebestaumel"
<center>Münchner Häuberl Pralinen</center>

Münchner Häuberl Pralinen

Münchner Häuberl Pralinen
<center>Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin</center>

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Meistgelesene Artikel

Kreistag beschließt Einführung der gelben Tonne 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Würfel sind gefallen: Der Landkreis nimmt Abschied von seinem langjährigen Müllsystem. Ab dem 1. Januar 2018 wandern Wertstoffe zwischen …
Kreistag beschließt Einführung der gelben Tonne 

Geretsrieder (68) fährt auf: Hoher Sachschaden

Dietramszell – Bei einem Auffahrunfall auf der Staatsstraße 2072 bei Einöd ist am Mittwoch rund 5000 Euro Sachschaden entstanden. So kam der Unfall zustande:
Geretsrieder (68) fährt auf: Hoher Sachschaden

Zu massiv: Baugenossenschaft blitzt mit Antrag ab

Wolfratshausen – Die Baugenossenschaft (BG) Wolfratshausen möchte neue Wohnungen schaffen. Der Bauausschuss hat den Antrag allerdings abgelehnt.
Zu massiv: Baugenossenschaft blitzt mit Antrag ab

Karambolage auf Stifter-Straße

Geretsried – Drei Fahrzeuge waren in einen Verkehrsunfall am Mittwochnachmittag verwickelt. So hat sich die Karambolage abgespielt:
Karambolage auf Stifter-Straße

Kommentare