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Freistadt: Im Vordergrund die Schulungsräume, im Hintergrund die fiktive Stadt, in der es ständig zu Unglücken kommt.

Rundgang über das Trainingsgelände

Freistadt in Geretsried ist gefährlichster Ort Bayerns

Geretsried – Die Bagger gehören mittlerweile wie die Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge zum täglichen Bild auf dem Übungsgelände der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried. Doch was wird hier eigentlich gebaut? Ein Rundgang mit Schulleiter Dr. Christian Schwarz.

Freistadt in Oberbayern: rund 0,1 Quadratkilometer groß, mit einem Campingplatz, Haupt- und Nebenstraßen, Industriegebiet und Landwirtschaft, idyllisch am Waldrand gelegen. Und zwar mitten in Geretsried – eine Stadt in der Stadt sozusagen. Doch der schöne Schein trügt: Freistadt ist einer der gefährlichsten Orte Bayerns. Täglich passieren hier Zugunglücke und Autounfälle, es brennt, Flugzeuge stürzen ab und Gefahrstoffe treten aus. Auch Gasexplosionen gibt es häufig. Zum Glück ist alles nur Fiktion.

Dr. Christian Schwarz, Schulleiter der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried (SFSG), muss bei dieser Aufzählung lachen. Er ist für die Übungsstadt zuständig. „Es gibt kaum etwas, das wir hier nicht darstellen können – und wenn doch ein Szenario fehlt, versuchen wir, schnellstmöglich die Voraussetzungen dafür zu schaffen.“ Dann rollen eben die Bagger an, so wie momentan.

Pro Jahr werden etwa 5000 bis 6000 Feuerwehrkameraden in verschiedenen Lehrgängen geschult. „Dazu zählen auch die Standortschulungen“, sagt Schwarz. Er deutet auf einen Lkw-Rettungssimulator. „Mit diesem bieten wir seit drei Jahren im Landkreis zweitägige Seminare an.“ An dem Simulator kann mit Schere und Spreizer gearbeitet werden, ohne dass das Übungsstück anschließend unbrauchbar geworden ist. Zudem wird mittels eines anschließbaren Tankaufsatzes aus dem Lkw im Handumdrehen ein Gefahrgutunfall.

Zurück zu den baulichen Veränderungen. Derzeit entstehen auf dem Feuerwehrgelände an der Sudetenstraße unter anderem eine Chemieübungsanlage und ein fünfgeschossiges Geschäftshaus mit Läden, Wohn- und Büroeinheiten sowie einer Tiefgarage. „Natürlich keine Tiefgarage mit zig Stellplätzen. Zum Üben reichen zwei, drei Stellplätze und eine Autoattrappe“, sagt Schwarz.

Kürzlich fertig geworden ist der „Karl-Valentin-Tunnel“, ein „typischer Straßentunnel, aber mit einem gewollten baulichen Knick in der Mitte, sodass die Einsatzkräfte eine Unfallsituation nicht gleich als Ganzes überblicken können. Und erst recht nicht, wenn wir den Tunnel verraucht haben.“

Gegenüber wurde soeben eine Maschinenhalle fertig. „Das Besondere ist der Sichtdachstuhl, der in seiner Bauart den Konstruktionen, wie sie Aldi oder Lidl haben, nachempfunden ist.“ Der Leitende Branddirektor deutet auf die Nagelplatten, die die schweren Holzbalken miteinander verbinden. „Wenn sich eine löst und alles instabil wird: Nicht auszudenken, was das für Folgen haben kann. Das wollen wir den Lehrgangsteilnehmern bewusst machen.“

Schulleiter Dr. Christian Schwarz.

Auch das neue Lagerhaus mit seinem Treppenhausturm hat alle Eventualitäten zu bieten. „Von vorne können mit dem Lkw Waren angeliefert werden, auf der Rückseite geschieht das per Güterwaggon.“ Doch die SFSG wäre nicht die SFSG, wenn das von vornherein glatt vonstatten gehen würde. Schwarz deutet auf das Dach des Eisenbahnwagens, auf dem ein Brandsimulator angebracht ist. „Ein Knopfdruck – und schon fängt er zu brennen an.“ Das echte Feuer macht die Übung noch realistischer. „Und genau das ist unser Ziel: Wir wollen so praxisorientiert und wirklichkeitsnah wie nur möglich ausbilden.“
 
Auch das Innere des Lagerhauses ist multifunktional konzipiert. Mit Keller, einem Treppenhausturm „in dem man irgendwann nicht mehr genau sagen kann, auf welchem Stockwerk man sich befindet“, ein mit Brandsimulator versehenes Fenster und der Turm selbst mit einer Gesamthöhe von etwa 18 Metern. Das Herzstück ist weltweit einmalig. Schwarz: „Zusammen mit der Firma Dräger haben wir eine Aufzugsimulationsanlage entwickelt. Soweit ich weiß, sind wir hier an der Feuerwehrschule die Einzigen, die so etwas haben.“

Doch nicht nur innerhalb des Übungsgeländes wird gebaut. „Wir planen, das Unterkunftsgebäude von derzeit 114 Betten auf 200 zu erweitern“, sagt Schwarz. Bis 2021 will man damit fertig sein. Weitere Bauvorhaben sind die Errichtung eines neuen Wirtschaftsgebäudes, eines Parkhauses und der Verwaltung. „Wir haben schon jetzt zu wenig Büros.“ Auch eine neue Übungshalle nach dem Vorbild der Feuerwehrschule Würzburg steht auf der Agenda. Das Innenministerium hat in seinem Projekt „Zukunft der Feuerwehrschulen“ die Bauvorhaben an den drei Schulen Würzburg, Regensburg und Geretsried bis 2028 festgelegt und sei bereit, insgesamt 190 Millionen Euro zu investieren.

sh

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