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„Es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz als den Wald“, findet die 35-jährige, neue Revierleiterin Silvia Backhaus, hier am Beginn des Staatsforsts hinter dem Waldfriedhof. Dass Frauchen jetzt Försterin ist, gefällt auch Jagdhund „Franz“, der nun täglich in den Genuss ausgiebiger Spaziergänge kommt.

Die neue Leiterin

Silvia Backhaus, die Frau im Forstrevier

Geretsried – Das Forstrevier „Isartal“, das von Wolfratshausen über Geretsried bis Königsdorf reicht, hat eine neue Leiterin: die Forstoberinspektorin Silvia Backhaus. Die 35-Jährige betreut es, zusammen mit dem etwa dreimal so großen Revier Grünwald.

Zu erkennen ist die junge Frau an ihrem ständigen Begleiter, der fünfjährigen schwarz-braunen Bracke „Franz“ – und an der Sprühflasche mit oranger Farbe, die im Seitenfach ihres Rucksacks steckt. Damit markiert Backhaus alle vom Borkenkäfer befallenen Bäume, die sie auf ihren Streifzügen durch den bayerischen Staatsforst entdeckt. Und das sind im Moment leider sehr viele.

Sturm Niklas hat große Schneisen in den Wald geschlagen. Die nicht umgeknickten Bäume waren der Sonne ungeschützt ausgesetzt, sodass sie kaum Widerstandskräfte gegen den Schädling haben. „Ich fürchte, im nächsten Jahr wird es noch einmal schlimm, weil der Käfer sich stark vermehrt hat“, sagt Försterin Silvia Backhaus. Ein Großteil ihrer Arbeit besteht derzeit darin, kranke Bäume zu suchen und ihre Fällung zu veranlassen. Nur durch das schnelle Entfernen der Bäume könne der Borkenkäferbestand reduziert werden. Backhaus muss wegen der teils großflächigen Rodungen viel Aufklärungsarbeit leisten. Sie hätte gerne mehr Zeit, sich mit besorgten Spaziergängern über Sinn und Zweck der Maßnahmen zu unterhalten, sagt sie.

Wegen der aktuellen Plage sei der Start in den Job wesentlich anstrengender, als sie ihn sich vorgestellt habe, so die 35-Jährige, die über Umwege zur Forstwirtschaft kam. Nach dem Abitur schloss die Münchnerin eine Lehre zur Bankkauffrau ab. „Es lag mir aber nicht, den Kunden Produkte zu verkaufen, von denen ich selbst nicht überzeugt war, weil sie eigentlich nur der Bank nutzten“, meint die Revierleiterin. „Jetzt muss ich nur Brennholz verkaufen. Dazu kann ich stehen“, sagt sie und lacht.

Nachdem ihre Schwester mit großer Begeisterung Landwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan studiert habe, erzählt Silvia Backhaus, habe sie sich die Einrichtung einmal angeschaut. Von der familiären Atmosphäre dort sei sie angetan gewesen. Nach einigem Überlegen entschloss sie sich, Forstingenieurwesen zu studieren. Nach vier Jahren machte sie ihren Bachelor. Zunächst arbeitete sie im Forstbetrieb Kehlheim, anschließend in der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten in Regensburg und seit Juni als Revierleiterin am Forstbetrieb München. Dort ist sie eine der wenigen Frauen und – man mag es kaum glauben – auch eine der wenigen Hundebesitzerinnen.

„Franz“ begleitet sie auf Schritt und Tritt. Der ausgebildete Jagdhund freut sich bestimmt darauf, wenn er mit seinem Frauchen auch bald im Revier jagen darf. Backhaus darf überall zur Unterstützung ihrer Jägerkollegen Wild schießen. Auch die Notwendigkeit dazu würde sie Tierfreunden auf ihren Touren gerne ausführlicher erklären. Doch außer der Käferbekämpfung warten noch zahlreiche andere Aufgaben auf sie. Die Instandhaltung der Wege, der Laubholzeinschlag im Winter, die Jungbestandspflege, der Schutz von Vögeln, Amphibien und seltenen Pflanzen gehören dazu.

Besonders fasziniert die naturverbundene Forstenriederin das Weideprojekt in der Pupplinger Au mit Kühen und neuerdings auch Ziegen, das sie mitbetreut. Auch in den Naturwaldreservaten, die ohne Bewirtschaftung ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden, schaut sie gelegentlich nach dem Rechten. „Zu 70 Prozent bin ich draußen und zu 30 Prozent am Schreibtisch“, beschreibt Backhaus, die immer ihren Laptop dabei hat, ihre Tätigkeit. In den nächsten Monaten will sie sich gründlich einarbeiten in das 2598 Hektar große Revier Isartal – für sie wegen der Nähe zum Fluss eines der schönsten in Bayern.

von Tanja Lühr

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