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Viel nackte Haut: Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Karin Weiß, hat das Werbeplakat einer Geretsrieder Waschstraße an der Bundesstraße beanstandet. Es musste entfernt werden – allerdings aufgrund verkehrsrechtlicher Bestimmungen.

Fall in Geretsried wirft Fragen auf

Waschstraßen-Werbung: Wie viel nackte Haut ist erlaubt?

Geretsried – Ab wann gilt eine Werbung als sexistisch? Diese Frage wirft der Streit um das Plakat einer Waschstraße in Geretsried auf.

Mit nackter Haut und weiblichen Kurven warb Ende Oktober eine Geretsrieder Waschstraße an der Bundesstraße 11. Die mobile Werbetafel war Karin Weiß, der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis, negativ aufgefallen. Sie bezeichnete die Reklame als „sexistisch“ (wir berichteten).

Mittlerweile wurde der Aufsteller entfernt. Der Grund dafür war allerdings nicht in erster Linie die darauf platzierte Werbung, „sondern die Mahnung von der Straßen- und Verkehrsbehörde, weil solche Aufsteller außerhalb von geschlossenen Ortschaften verboten sind“, erklärt Marlis Peischer, Pressesprecherin der Kreisbehörde, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Trotzdem wirft die Abbildung der zwei leicht bekleideten, aufreizend posierenden Modells Fragen auf: Wie wird sexistische Werbung definiert? Ab wann gelten Bilder und Aussagen als unangemessen? Und wie gehen die Behörden damit um? Peischer erläutert: „Genau genommen kann das Landratsamt sexistische Werbung nicht verbieten, sondern lediglich Aufklärungsarbeit leisten.“ Eine rechtliche Grundlage, anzügliche Werbung zu verbieten, existiere nicht. „Aber es gibt Richtlinien, unter welchen Umständen eine Werbung bedenklich ist. Da kann man sich an den Deutschen Werberat wenden“, sagt die Pressesprecherin.

Deutscher Werberat fungiert als Vermittler

Der Deutsche Werberat ist ein Gremium, das als Vermittler zwischen Beschwerdeführern und werbenden Unternehmen arbeitet. Dabei kann jeder, dem eine Werbung missfällt, Beschwerde einlegen, die der Rat dann anhand der gesetzlichen Vorschriften und festgelegter Verhaltensregeln prüft. Auf der Internetseite des Deutschen Werberates sind einige Kriterien gegen die Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen aufgelistet. Verboten ist demnach Werbung, die den Eindruck erweckt, Personen seien mit Objekten gleichzusetzen. Gleiches gilt für Reklame, die Menschen auf ihre Sexualität reduziert und mit übertrieben herausgestellter Nacktheit eine Herabwürdigung des Geschlechts vermittelt. Wenn eine Anzeige als inadäquat eingestuft wird, kann der Werberat eine öffentliche Rüge aussprechen. „So etwas ist natürlich nicht imagefördernd und hat schon ein gewisses Gewicht“, urteilt Peischer.

Bislang einziger Fall im Landkreis

Bei der Werbemaßnahme für die Waschstraße in Geretsried stützt sich die Pressesprecherin der Kreisbehörde auf ein Beispiel, bei dem das werbende Unternehmen heuer vom Werberat gerügt wurde. Das unangemessene Motiv war ein nackter, bedruckter Frauenpo. Das Motiv sollte auf Druckfolienaufkleber aufmerksam machen. Der Geretsrieder Fall sei ähnlich gelagert: „Die Frauen – und wie sie dargestellt werden – haben mit der Dienstleistung der Waschanlage nichts zu tun“, so Peischer. „Hier werden Frauen als Sexual- und Lustobjekt degradiert.“ Dass der Hinweis auf die Reklame mit der Bitte an den Betreiber, sie nochmals zu überdenken, von Landratsamtsmitarbeiterin Karin Weiß kam, sieht Peischer deren Amt geschuldet: „Als Gleichstellungsbeauftragte ist Frau Weiß für solche Angelegenheiten sicherlich besonders sensibilisiert.“

An sich ist das Thema sexistische Werbung im Landkreis aber nicht brisant, die Waschanlagen-Werbung ist in der Gegend laut Peischer der erste solche Fall.

Von Magdalena Höcherl

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