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An der Händelstraße haben sich am Samstag knapp 1000 Personen versammelt, um gegen die AfD zu demonstrieren.

Über 1000 Gegendemonstranten

AfD-Demos: Mehrere Festnahmen in Geretsried

Geretsried - Die Kundgebungen von AfD-Befürwortern und Gegnern am Samstag in Geretsried ist weitestgehend friedlich verlaufen. Es gab allerdings mehrere Festnahmen.

AfD-Demos in Geretsried: Bilder von den Kundgebungen

Die Gegendemonstranten hatten ein 80 Meter langes Banner vorbereitet. "Wer Hilfe braucht, ist bei uns willkommen", stand unter anderem darauf.

"Wer Hilfe braucht, ist bei uns willkommen", steht auf dem 80 Meter langen Transparent, das die Gegner der Alternative für Deutschland (AfD) ausgerollt haben. Gut 1100 Personen sind kurz nach 14 Uhr am Samstag an die Händelstraße in Geretsried gekommen, um gegen eine Kundgebung der AfD zu demonstrieren. Die Partei versammelte nach Polizeischätzungen etwa 150 Personen auf dem Neuen Platz.
 
"Geretsried ist bunt", stand auf Plakaten der Protestierenden. Und: "Menschnrechte für alle Menschen". Manche Teilnehmer versuchten mit Trillerpfeifen und Sprechchören, die AfD-Kundgebung in etwa 50 Meter Entfernung zu stören. Dort traten mehrere Redner auf einer kleinen Bühne auf.  Nach Ende der AfD-Kundgebung um 16 Uhr kam es zu vereinzelten verbalen Provokationen auf beiden Seiten. Insgesamt blieb es aber weitestgehend friedlich. Viele Anwohner beobachteten die Kundgebungen von ihren Fenstern und Balkonen aus.

Am Neuen Platz nahmen rund 150 Personen an der Kundgebung der AfD teil.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und trennte die Lager. Nach einer ersten Bilanz vor Ort gab es laut Andreas Guske, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, einzelne vorläufige Festnahmen zur Identitätsfeststellung. Laut Guske sind acht Taschenmesser und sieben Pfeffersprays gefunden worden. Inzwischen ist klar, dass die Polizei diese Personen dem rechten Spektrum zugeordnet hat. Bevor man auf den Neuen Platz zur AfD-Demo konnte, musste man Taschen öffnen und sich von der Polizei kurz abtasten lassen. Auf Seiten der Gegendemonstration blieb es bei einer Taschenkontrolle. Die Polizei nahm zudem einen Mann in Gewahrsam, der ein T-Shirt mit der polizeibeleidigenden Aufschrift "A.C.A.B.", zu Deutsch "Alle Polizisten sind Bastarde", trug. Entgegen erster Meldungen war der Mann kein AfD-Gegner, sondern wollte die Demo der AfD besuchen.


Eine ausführliche Bilanz sowie einen Stimmungsbericht aus beiden Lagern lesen Sie am Sonntag und Montag in unserer Zeitung.

Der Verlauf der Demonstrationen

++ 17:15 Uhr: Die AfD-Gegner haben nach mehreren Redebeiträgen an der Händelstraße den Neuen Platz betreten. Dort läuft Musik, es gibt Leberkassemmeln und etwas zu trinken. Außerdem wird der Neue Platz symbolisch mit Besen saubergeschrubbt. 

++ 16:05 Uhr: Die AfD-Kundgebung ist zu Ende gegangen. Jetzt beginnen die Reden der Gegner. Bürgermeister Michael Müller tritt zuerst ans Mikrofon. Geretsried sei eine bunte Stadt, "da lassen wir uns keine braune Soße übergießen." Der Abzug der AfD-Anhänger verlief offenbar ruhig, es gab vereinzelte Sprechchöre. 

Und dann gab's da die "Geretsried Hymne". http://bit.ly/1RWqm04

Posted by Geretsrieder Merkur on Samstag, 12. März 2016

 

++ 14:45 Uhr: Nach ersten, inoffiziellen Zählungen sind rund 150 Personen auf der AfD-Kundgebung, zudem haben sich etwa 1000 Gegner bei der Demo "AfD nein danke" versammelt. Damit sind deutlich mehr Gegner als Befürworter der AfD zum Neuen Platz gekommen. Die AfD hält gerade Reden, manchmal skandieren alle "Merkel muss weg". Die Gegner hören zu - oder benutzen lautstark ihre Trillerpfeifen. 

++ 14:00 Uhr: Die Kundgebungen haben begonnen. Die Gegner der AfD-Kundgebung haben deutlich mehr Anhänger an der Händelstraße versammelt als die AfD in direkter Nachbarschaft auf dem Neuen Platz. Die AfD hat eine laute Mokrofonanlage dabei. Die Gegner skandieren "Halt die Fresse." Auf einem großen Transparent an der Händelstraße steht "Wer Hilfe braucht, ist bei uns willkommen."

Geretsried ist bunt: 1000 hier, 150 drüben bei der AfD. http://bit.ly/1RWqm04

Posted by Geretsrieder Merkur on Samstag, 12. März 2016

 

AfD-Kundgebungen in Geretsried - das müssen Sie wissen

Der Neue Platz in Geretsried rückt am Samstag in den Fokus der Öffentlichkeit. Für den Nachmittag hat die Alternative für Deutschland (AfD) eine Kundgebung angekündigt. Dagegen hat sich ein breites Bündnis formiert, das protestieren will. Das müssen Sie wissen:

Wer demonstriert?

Auf der einen Seite hat der AfD-Kreisverband Oberbayern Süd unter Federführung von Kreisverbandsvorsitzendem Mario Buchner aus Königsdorf zur Kundgebung unter dem Titel "Das Oberland steht auf - Zurück zu Recht und Ordnung" aufgerufen. Man wolle "für einen deutschen Rechtsstaat und eine parlamentarische Demokratie" demonstrieren und ein Zeichen setzen gegen "Kanzlerherrschaft und Moraldiktatur".

Ein breites Bündnis aus vielen Parteien, Institutionen, Vereinen und Organisationen aus dem Landkreis ruft zur Gegendemo "AfD nein danke" auf. Die Organisation hat der Geretsrieder Freie-Wähler-Stadtrat Robert Lug übernommen. Alle im Geretsrieder Stadtrat vertretenen Parteien - also CSU, SPD, Freie Wähler, Grüne und FDP - wollen sich an der Veranstaltung beteiligen.

Wann und wo wird demonstriert?

Der Brunnen am Neuen Platz in Geretsried.

Die AfD hat eine Kundgebung am Samstag, 12. März, von 14 bis 16 Uhr auf dem Neuen Platz in Geretsried angekündigt. Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt des Landkreises werden sich die Anhänger der Partei zwischen der dortigen Häuserzeile und den Pavillons mit Läden aufhalten, das heißt beim Springbrunnen und Kinderspielplatz auf dem Neuen Platz.
 
Die Gegendemo findet am Samstag, 12. März, von 14 bis 17 Uhr an der Handelsstraße statt, direkt am Neuen Platz. Ab 17 Uhr, nachdem die AfD abgebaut und die Polizei den Neuen Platz freigegeben hat, geht die Aktion der Gegendemonstranten auf dem Neuen Platz bis etwa 19 Uhr weiter. So ist es bei dem Kooperationsgespräch mit dem Kreis-Ordnungsamt beschlossen worden.
 
Die Fläche zwischen den Pavillons des Neuen Platzes und der Handelsstraße soll frei bleiben - als Pufferzone für die Sicherheitskräfte.

Was planen die AfD-Befürworter und die AfD-Gegner?

Die AfD engagiert laut ihrem Kreisvorsitzenden Mario Buchner fünf Parteivertreter als Redner, einen Abgeordneten der österreichischen Partei FPÖ und einen Deutschrapper. Sie sollen jeweils rund 15 Minuten auf einer sechs Quadratmeter großen Bühne auftreten. Ihre Stimmen werden über eine Mikrofonanlage verstärkt. Die vierköpfige Deininger Tanzlmusi sollte ursprünglich für die musikalische Untermalung sorgen, die Gruppe hat ihre Teilnahme aber am Donnerstag abgesagt.

Die Gegendemonstranten wollen während den Redebeiträgen der AfD schweigen, sagt Organisator Robert Lug. Man wolle nicht provozieren, „es gibt keine offiziellen Störaktionen“. Die Teilnehmer würden stattdessen zuhören und untereinander diskutieren. Erst ab 16 Uhr, wenn die AfD-Kundgebung auf dem Neuen Platz zu Ende ist, wird es Redebeiträge geben: Im Fünf-Minuten-Abstand sollen Bürger zu Wort kommen, Mandatsträger möchten keine Reden halten. Nachdem die AfD ihren Stand abgebaut und die Polizei den Platz freigegeben hat, wollen die Gegendemonstranten den Neuen Platz symbolisch sauberkehren.

Wie viele Teilnehmer werden erwartet?

Die AfD rechnete am Dienstag laut Buchner mit rund 500 Teilnehmern, die Gegendemonstranten laut Lug inzwischen mit ähnlich vielen Personen. Auf Facebook haben der AfD gut 50 Personen zugesagt sowie rund 150 Interessenten, die Gegenseite hat auf zwei Veranstaltungsseiten bislang rund 200 Zusagen und gut 220 Interessenten gesammelt (Stand: Freitagmorgen).

Wird Polizei anwesend sein?

Ja, wie bei jeder Demonstration. Die Polizei hat laut Andreas Guske, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, zwar keine Erkenntnisse über gewaltbereite Demonstranten. Man sei aber gewappnet und "mit einer ausreichenden Zahl" an Sicherheitsbeamten vor Ort. Die Polizei verhält sich bei Demonstrationen grundsätzlich neutral. Sie ist nicht dafür da, die Kundgebungen inhaltlich zu bewerten, sondern einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung im Rahmen der Genehmigung zu sorgen.

Welche Straßensperren gibt es?

Die Stadt hat für Samstag, 12. März, zwischen 12 und 19 Uhr (die Sperrungenkönnen situationsbedingt vorzeitig aufgehoben werden) folgende verkehrsrechtliche Anordnungen erlassen:

  • Sperrung des Neuen Platzes, Freifläche und Parkplätze;
  • Sperrung der Händelstraße, zwischen Johann-Sebastian-Bach-Straße und Carl-Maria-von-Weber-Weg;
  • Sperrung der Durchfahrt Künnekeweg/Neuer Platz; K Sperrung der Einmündung Kalmanweg/Händelstraße;
  • Absolutes Halteverbot am Neuen Platz (Parkplätze);
  • Beidseitiges absolutes Halteverbot an der Händelstraße, zwischen Johann-Sebastian-Bach-Straße und Carl-Maria-von-Weber-Weg;
  • Beidseitiges absolutes Halteverbot am Künnekeweg, zwischen Richard-Wagner-Straße und Neuer Platz;

Unsere Berichterstattung rund um die Kundgebungen

Aktuelle Entwicklungen zu den Demos veröffentlichen wir im Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur, auf den Facebookseiten "Isar-Loisachbote" und "Geretsrieder Merkur" sowie auf www.isar-loisachbote.de und www.geretsriedermerkur.de.

dor

Sebastian Dorn

Sebastian Dorn

E-Mail:sebastian.dorn@merkur.de

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