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Fiktiver Einsatz: In einem Pilotprojekt hat die Geretsrieder Feuerwehr fünf Gruppenführer ausgebildet. Als Übungsobjekt diente unter anderem das leer stehende Krämmel-Gebäude am Karl-Lederer-Platz.

Übung am lebenden Objekt

Geretsrieder Feuerwehr startet Pilotprojekt

Geretsried – Ein Pilotprojekt hat dieses Jahr die Freiwillige Feuerwehr Geretsried gestartet. Da an den drei Staatlichen Feuerwehrschulen in Bayern der Bedarf an Aufbaulehrgängen für Gruppenführer nicht ausreichend gedeckt werden kann, bilden die Kameraden nun in ihren eigenen Reihen zusätzlich aus, um jederzeit ausreichend Führungskräfte stellen zu können. Eine wichtige Rolle spielen dabei Objektübungen im Stadtgebiet.

In 50 Unterrichtseinheiten schulten acht Ausbilder die fünf Teilnehmer der Geretsrieder Wehr in Theorie und Praxis. Übungsszenarien waren unter anderem ein Wohnhausbrand und ein Verkehrsunfall mitten in der Stadt, in den ein Tankwagen verwickelt war. Auch der Fall, dass auf der Post aus einem Versandstück eine unbekannte Flüssigkeit ausläuft, wurde durchgespielt.

Die praktischen Übungen verlangten den Teilnehmern einiges ab. „Vom Müllhausbrand über Chemikalienfunde bis zu einem Verkehrsunfall mit Pfählung durch den Oberkörper – wir haben alles geübt, was gerade möglich war und in der Realität durchaus vorkommt“, erklärt Erik Machowski, Zweiter Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr. Er war verantwortlich für die Organisation des Lehrgangs.

In einer Nachbesprechung wurde jeder Einsatz aufgearbeitet: Waren die Fahrzeuge taktisch richtig aufgestellt, wurden im Fall der Fälle rechtzeitig Kräfte nachgefordert, waren die Einsatzbefehle eindeutig? „Wir trainieren hier gewisse Basics, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sind.“

Zusätzlich übten die fünf Kameraden an Objekten im Stadtgebiet. „Wir sind der Firma Krämmel, der Baugenossenschaft und der Hausverwaltung Boothe sehr dankbar, wie unkompliziert sie uns immer wieder entgegenkommen.“, sagt der Vize-Kommandant. Letztlich würden davon schließlich beide Seiten profitieren. „Was ist, wenn die Feuerwehrpläne noch aus den 70er-Jahren stammen, aber sich inzwischen baulich einiges verändert hat?“, verdeutlicht der 40-Jährige. „Sind beispielsweise die Zufahrts- und Rettungswege frei oder sind die Aufstellflächen für die Feuerwehr noch nutzbar?“

Freiwillige Feuerwehr Geretsried

Bei einem fiktiven Einsatz am so genannten Tengelmann-Hochhaus an der Richard-Wagner-Straße 1 hat sich gezeigt, dass die Bäume in den vergangenen Jahren so stark gewachsen sind, dass sie das Retten mittels Drehleiter extrem erschweren. Laut Machowski hat die Hausverwaltung sofort veranlasst, die Äste zu entfernen. „Oft sind es nur Kleinigkeiten, die aber im Ernstfall viel Zeit kosten.“

Die Bürger reagieren auf solche Übungen meist positiv. „Viele stellen sich dazu, fragen nach oder beobachten einfach nur.“ Aber natürlich gebe es auch die anderen Leute. „Denen sind wir zu laut, obwohl wir nicht einmal mit Martinshorn vorfahren. Es dauert ihnen zu lange, oder sie behaupten, wir würden den Asphalt kaputt machen“, berichtet Machowski kopfschüttelnd. „Aber man kann seinen Führerschein ja auch nicht nur im Klassenzimmer oder im Fahrsimulator machen.“

Die eigene Mannschaft unterstützte die Lehrgangsteilnehmer tatkräftig. „Bei den Einsatzübungen mussten sich die fünf ,Jung-Gruppenführer‘ ihre Fahrzeuge und die dazugehörige Besatzung je nach Lage selbst organisieren“, erklärt der Vize-Kommandant. Die Kameraden ließen sich nicht lange bitten, sondern sahen es als Möglichkeit, ihrerseits Erfahrungen zu sammeln.

Unterm Strich war es ein enormer Zeitaufwand „um fünf Leute weiterzubringen“, bilanziert der 40-Jährige. „Es müssen an die 370 Stunden gewesen sein, die die Mannschaft und die Ausbilder in Praxis, Organisation und Vorbereitung investierten.“ Nichtsdestotrotz sei man stolz auf den Erfolg. „Nur so können wir sicherstellen, dass wir 24 Stunden für unsere Bürger da sind und nicht nur schnelle, sondern auch kompetente Hilfe leisten.“

Ausbildung zum Gruppenführer

Erster Schritt zum „Gruppenführer im Einsatzdienst“ ist der Lehrgang Gruppenführer an einer der drei bayerischen Feuerwehrschulen. „Dann wird in der Regel ein Karenzjahr eingehalten“, erklärt Erik Machowski, Zweiter Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Geretsried. In dieser Zeit wird der angehende Gruppenführer im Einsatz als Melder, sprich, als „rechte Hand eines berechtigten Gruppenführers“, eingesetzt. „Diese Zeit können sie zum Sammeln von Erfahrungen nutzen, damit sie nicht gleich ins kalte Wasser geworfen werden.“ Außerdem: „Zwei gleichgeschulte Einsatzkräfte finden zusammen die eventuell bessere oder effizientere Vorgehensweise zur angetroffenen Lage.“ Im Mai begann der interne Aufbaulehrgang zum Gruppenführer im Einsatzdienst, der sich über drei Monate zog – „ein Vorgehen, dass von beiden Seiten, den Auszubildenden und den Ausbildern, ausgesprochen gut angenommen worden ist“, bilanziert Machowski.

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