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"Hier hat sich ja kaum etwas verändert": Bei einem Treffen mit seiner Nachfolgerin Assunta Tammelleo erinnerte sich Hinterhalt-Gründer Hias Röttig an die Anfänge der Kulturbühne und an legendäre Auftritte.

"Viele haben mich für verrückt gehalten"

25 Jahre Kulturbühne Hinterhalt

Geretsried - Am 17. August 1991 eröffnete Matthias „Hias“ Röttig am Ortsrand von Geretsried-Gelting ein Lokal, das sich nicht nur als Auftrittsort für bekannte Künstler etablieren sollte. Auf Wunsch unserer Zeitung kehrte der 57-Jährige nun an seine alte Wirkungsstätte zurück und schwelgte zusammen mit Nachfolgerin Assunta Tammelleo in Erinnerungen über 25 Jahre Hinterhalt.

„Hier hat sich ja kaum etwas verändert“, wundert sich Hias Röttig beim Betreten des Lokals. Seit der Übergabe 2003 war er nur noch selten im Hinterhalt. Für einen Fototermin macht der ehemalige Wirt gern eine Ausnahme. Vor 25 Jahren richtete der heutige Verwaltungssachbearbeiter den Kellerraum zunächst mit alten Stühlen und Tischen aus Niederbayern ein. Auch die Bar baute er selbst auf. In Zusammenarbeit mit Claus Steigenberger, seinem ehemaligen Weggefährten bei der Kabarettgruppe „Narrenschaukel“, entstanden die noch heute bestehende Bühnendekoration sowie die markante Wand mit der „Hinterhalt“-Aufschrift. Röttig: „Die verkohlten Ziegel habe ich mir damals von einem abgebrannten Bauernhof in Bolzwang geholt.“

Das "Notabene", die liebe Fanny und Josef Hader

Erfahrung als Wirt sammelte der Wolfratshauser davor in der Kneipe „Notabene“ an der Sauerlacher Straße. Dort, wo heute ein Supermarkt steht, lernte er auch seine ehemalige Lebensgefährtin Fanni Reithmeier kennen. „Sie hat mir damals sehr geholfen. Denn es war schon ein Risiko, in Gelting so einen Laden aufzumachen“, erinnert sich Röttig. „Viele haben mich für verrückt erklärt.“

Der Rest ist Geschichte. Schon am Eröffnungsabend gastierten mit Helmut Schleich und Christian Springer zwei Kabarettisten, die mittlerweile durch diverse Fernsehauftritte in ganz Deutschland bekannt sind. Es folgten Größen wie Gerhard Polt, der Österreicher Josef Hader, Sigi Zimmerschied oder die bereits verstorbene amerikanische Singer-Songwriter-Legende Townes Van Zandt.

„Wie bist du denn in Zeiten, in denen das Internet noch nicht verbreitet war, an diese Leute rangekommen?“, will Assunta Tammelleo wissen. Röttig verweist auf sein Netzwerk und Kontakte, die sich auch aus persönlichen Begegnungen mit den Künstlern entwickelten.

Auch Gerhard Polt trat im Hinterhalt auf.

So wurde der Hinterhalt-Wirt in den 1990er Jahren einmal in die Jury des Bayerischen Kabarettpreises berufen. Gemeinsam mit Gerhard Polt, Mitgliedern der Biermösl Blosn und Josef Hader zog Röttig nach der Veranstaltung spätabends durch Münchner Wirtschaften. Enthemmt vom Genuss alkoholhaltiger Getränke sagte ihm Hader noch am selben Abend zu, einmal im Hinterhalt aufzutreten. „Als ich dann seine Tour-Managerin anrief und sie an das Versprechen erinnerte, fragte sie mich gleich nach dem Fassungsvermögen meines Lokals“, erzählt der 57-Jährige. Röttigs ernüchternde Antwort „120 Plätze“ führte zunächst zu einem raschen Abbruch des Gesprächs. Doch Hader hielt Wort und trat im Februar 2000 tatsächlich mit Röttigs Kabarettgruppe „Narrenschaukel“ auf.

Gerne erinnert sich der Ex-Wirt auch an das Konzert von Townes Van Zandt zurück. Der weltweit bekannte Singer-Songwriter war 1995 schon schwer erkrankt und sagte bis auf den Termin in Gelting alle seine Deutschland-Auftritte ab. Mit dem Ergebnis, dass sogar Fans aus Berlin und der Schweiz den weiten Weg ins Geltinger Gewerbegebiet auf sich nahmen, um eines der letzten Europa-Konzerte des eineinhalb Jahre später verstorbenen Sängers zu erleben.

Als sich der Hias in der Küche versteckt hat

Ebenso die Kabarettgruppe "Narrenschaukel" mit (v. li.) Claus Steigenberger, Matthias Röttig, Thomas Gania, Peter Haustein und Christoph Abeck. 

Doch es gab auch Rückschläge: Bei einer Aufführung des Theaterstücks „Tom Wolff – der Weg zum Rum“ verließen die Besucher schon in der Pause fluchtartig den Hinterhalt. „Das war die schlimmste Aufführung, die ich je erlebt habe. Ich konnte mir das nicht bis zum Schluss anschauen und habe mich in der Küche versteckt“, erzählt Röttig. Andere Produktionen wie die aufwändige Gunnar-Petersen-Inszenierung von Dürrenmatts „Physikern“ kosteten viel Geld, steigerten aber auch das Renommee der Kulturbühne.

Röttigs Nachfolger Hans Schaller und Akis Pavlidis scheiterten später vor allem an den finanziellen Herausforderungen, eine Kleinkunstkneipe im Münchner Speckgürtel zu betreiben. Auch die derzeitige Wirtin Tammelleo bemüht sich mal mehr und, mal weniger erfolgreich um städtische Fördermittel. Ein attraktives Veranstaltungsprogramm – darunter in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Isar-Loisach das erfolgreiche PiPaPo-Festival – stellt sie dennoch bis heute auf die Beine.

„Es wäre schön, wenn wir nicht die Nebenkosten erwirtschaften müssten und eventuell die eine oder andere ordentliche Gage zahlen könnten“, wünscht sich die Wirtin für die Zukunft. Nicht nur für sie ist die Kulturbühne Hinterhalt „eine seltene und wunderbare Einrichtung, die es wert ist, erhalten zu werden“.

25-Jahr-Feier

An diesem Freitag, 26. August, ab 19 Uhr haben alle Weggefährten, ehemaligen Wirte und Neugierige die Gelegenheit, das 25-jährige Bestehen des Hinterhalts zu feiern. Wer will, kann Speisen mitbringen. Neben einem Auftritt des Sirenenchors sind auch Filmausschnitte von vergangenen Höhepunkten zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos.

Peter Herrmann

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