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Licht ins Dunkel: „Litro de Luz“ heißt das Projekt, für das Jakob Eisfelder in der Dominikanischen Republik arbeiten wird. Mit Hilfe von leeren Plastikflaschen wird Licht in die dunklen Slumhütten gebracht.

Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Dominikanischen Republik

Der Ruf der Karibik

Geretsried - Der 18-jährige Jakob Eisfelder aus Gelting geht für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in die Dominikanische Republik.

Sonne, Strand und Meer. Das verbinden Pauschaltouristen mit der Dominikanischen Republik. Doch außerhalb der Mauern der Hotelanlagen herrscht oft bittere Armut. Viele Familien leben in finsteren Slumhütten ohne Strom. Sie behelfen sich mit Kerzen oder Petroleumlampen, die die Umwelt verpesten, eine ständige Brandgefahr darstellen und einen Großteil des ohnehin kläglichen Monatseinkommens aufbrauchen. Jakob Eisfelder weiß um diese Situation. Der 18-jährige Geltinger fliegt an diesem Sonntag in den Karibikstaat – nicht um Urlaub zu machen, sondern um dort ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) zu absolvieren. Mit dem Projekt „Litro de Luz“ will er Licht ins Dunkel bringen.

„Raus in die Welt.“ Schon früh stand für Jakob fest, dass er nach der Schule ins Ausland gehen möchte. Doch nach seinem Abitur am Geretsrieder Gymnasium 2015 musste er sich noch ein Jahr gedulden. Weil er erst 17 Jahre alt war, durfte er nicht ausreisen. Also suchte sich der junge Geltinger einen Job. Auf 450-Euro-Basis arbeitete er bei der Firma Zeitraum in der Weidacher Mühle, die nach ökologischen Gesichtspunkten Holzmöbel herstellt. „Das Thema Nachhaltigkeit hat mich schon immer interessiert“, sagt Jakob. Deshalb hat er sich auch entschieden, seinen Freiwilligendienst im ökologischen Bereich zu absolvieren. Weil er an der Schule fünf Jahre Spanisch hatte, lag es nahe, in ein lateinamerikanisches Land zu gehen.

Jakob Eisfelder ist aus Gelting und hat 2015 am Geretsrieder Gymnasium Abitur gemacht.

Über das Programm „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stieß er auf die Entsendeorganisation Ecoselva. Der Förderverein zur Erhaltung des Regenwaldes in Lateinamerika hat Projekte in Peru und in der Dominikanischen Republik. „Beides klang interessant“, sagt Jakob. Also bewarb er sich um eine FÖJ-Stelle. In einem dreitägigen Auswahlseminar konnte er den Verein von sich überzeugen. Danach musste er sich für ein Land entscheiden. „Weil das Projekt in Peru tief im Dschungel lag“, fiel seine Wahl auf die Dominikanische Republik. „Das ist nicht ganz so abgeschieden.“

Die nächsten zwölf Monate wird der Geltinger in der 590 000-Einwohner-Stadt Santiago de los Caballeros im Norden der Insel leben. Mit der Partnerorganisation Domino arbeitet er dort im Projekt „Litro de Luz“, Teil des weltweiten Netzwerks „Liter of Light“. Dessen Ziel ist es, die Slumhütten in den Elendsvierteln mit Licht zu versorgen. Das Konzept ist so simpel wie effektiv: „Man braucht nur eine leere Plastikflasche, ein Stück Wellblech, Wasser, Bleichmittel, Silikon und wenige Werkzeuge. Daraus entsteht eine Solar-Flaschenlampe, die tagsüber Licht spendet. In Kombination mit Akku, LED und Solarpanel lässt sich die Lampe dann auch nachts betreiben“, erklärt Jakob. Dies sei „ein sehr nachhaltiges Projekt“, weil es nebenbei auch noch der Müllvermeidung dient.

Während seines Aufenthalts wird sich der Geltinger um die Verwaltung von „Litro de Luz“ kümmern, von der Materialbeschaffung bis hin zur Erstellung des Haushaltsplans. Zudem wird er ein lokales Produktionsteam einarbeiten. „Die Einheimischen sollen das Projekt später selbstständig weiterführen.“ Darüber hinaus wird der 18-Jährige in den Schulen Vorträge zu den Themen Umweltschutz und Müllvermeidung halten. Soweit es seine Zeit zulässt, will er auch in sozialen sowie Projekten zur Wiederaufforstung mitwirken.

Finanziert wird der Freiwilligendienst zu 75 Prozent über das BMZ. Den Rest muss jeder FÖJler über Spenden selbst organisieren. „Das verschafft den Projekten Aufmerksamkeit“, erklärt Jakob das Prinzip. Mehr als die Hälfte der 2600 Euro hat er schon gesammelt. Unter anderem unterstützt ihn die Möbelfirma Zeitraum großzügig. Über weitere Spenden würde sich der 18-Jährige freuen.

Ein Gehalt bekommt der Geltinger in den zwölf Monaten nicht. Dafür sind Kost und Logis frei. „Ich werde in einer Gastfamilie wohnen. Wer das ist, weiß ich noch nicht.“ Ganz ins Ungewisse reist Jakob aber nicht. In einem zehntägigen Seminar wurden er und 20 weitere Freiwillige auf das vorbereitet, was sie in der Dominikanischen Republik erwartet. Die Kriminalität in dem Land ist hoch, vor allem das Drogengeschäft blüht. „Lasst Euch nicht auf falsche Freunde ein“, lautet deshalb ein wichtiger Rat.

Bammel vor der Reise hat der 18-Jährige nicht. „Ich freue mich auf eine spannende Zeit.“ Er hat nur die Sorge, dass ihm bis zum Abflug am Sonntag die Zeit davonläuft. Er will sich noch von all seinen Freunden verabschieden. Und was sagt die Familie zu seinem Vorhaben? „Meine Eltern finden’s super gut. Sie sind überzeugt davon, dass es meinen Horizont weitet und ich daran wachsen werde“, sagt der 18-Jährige und lacht.

Bleibt noch die Frage, wie umweltbewusst Jakob eigentlich privat ist: „Ich fahre zum Beispiel generell eher mit dem Rad als mit dem Auto – und bin ganz klar ein Fan von Recycling: Die Notizen für dieses Gespräch habe ich auf die Rückseite von alten Mathe-Arbeitsblättern geschrieben.“

Spendenkonto

Wer für den Freiwilligendienst von Jakob Eisfelder spenden möchte, findet alle Informationen auf seiner Projektseite bei Betterplace: www.betterplace.org/ p46723. Die Spende ist steuerlich absetzbar.

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