+
Hanf ist zur Hauptdroge geworden: Viele Jugendliche, so die Erfahrung der Suchtberater, unterschätzen die Auswirkungen des Konsums. 

Zehn Jahre Jugendsuchtberatung der Caritas

Weniger Alkohol, mehr Cannabis

Geretsried – Seit zehn Jahren gibt es die Jugendsuchtberatung innerhalb der Fachambulanz für Suchtkranke der Caritas im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Schwerpunkt hat sich während dieser Zeit verlagert. 

Der Konsum von Alkohol geht laut Mitarbeiter Florian Dreifürst zurück bei den Jugendlichen, die in die Suchtberatung kommen. Dafür rauchen sie heute mehr Cannabis. Die Hanfpflanze in Form von Hasch und Marihuana sei zur Hauptdroge geworden, sagt der Caritas-Mitarbeiter. Oft werde sie mit Ecstasy oder den neuen psychoaktiven Substanzen, den „Legal Highs“m kombiniert.

Das Problem sei, dass jedermann sämtliche Rauschmittel ganz einfach übers Internet, das so genannte Darknet, beziehen könne. Die Auswirkungen des Konsums seien jedoch gerade jungen Menschen oft nicht bekannt.

Der Suchtberater nennt ein Beispiel: Erwische die Polizei einen Jugendlichen mehrmals mit Cannabis oder dabei, wie er berauscht Fahrrad fährt, melde sie dies der Führerscheinstelle. Der Jugendliche dürfe dann den Führerschein nicht ohne Weiteres machen. Auch würden viele junge Menschen fälschlicherweise glauben, die beliebten „Kräutermischungen“ seien harmlos.

Das Jugendamt in Bad Tölz klärt im Rahmen der Primärprävention an den Schulen über die Gefahren von Drogen auf. Für die Sekundärprävention ist die Caritas zuständig. Sie berät in freiwilligen Einzel- und Gruppengesprächen. Vier- bis sechsmal jährlich findet in Bad Tölz ein Kurs statt, zweimal jährlich einer in Geretsried. Die jugendlichen, mehrfach auffälligen Teilnehmer erfahren, was Abhängigkeit ist und lernen, ihren Konsum zu reduzieren. Die kostenlosen Kurse würden sehr gut angenommen, berichtet Mitarbeiterin Daniela Heinzel. Auch für die Einzelgespräche gebe es – leider – Wartezeiten. Die Beratungen würden länger dauern, weil familiäre, schulische, berufliche und finanzielle Schwierigkeiten zum Alkohol- und Drogenkonsum hinzukommen und die Suchtberatungs-Mitarbeiter andere Stellen der Caritas sowie gegebenenfalls die Eltern einbeziehen würden. Das verursache die Wartezeiten von bis zu drei Wochen.

Dreifürst nennt einige Zahlen: 2006 habe die Anzahl der Klienten noch bei 123 gelegen. 2008 lag sie bei 191 und im vergangenen Jahr bei 241. Die Steigerung sei auch darauf zurückzuführen, dass die Streetworker in den Städten auffälligen Jugendlichen die Beratung empfehlen würden. Zu den weiteren Aufgaben der Suchtberater gehört in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Kreisjugendring das „HaLT“-Projekt („Hart am Limit – Alkoholprävention bei Kindern und Jugendlichen). Geschulte Pädagogen gehen in die Krankenhäuser, um dort Opfer des Komasaufens zu besuchen. Dieses habe zum Glück abgenommen, sagt Daniela Heinzel. Außerdem vermittelt die Caritas stationäre und ambulante Entwöhnungsbehandlungen.

Bei Glücksspielsucht und Essstörungen gibt es ebenfalls Beratungsangebote. In der Vergangenheit kümmerte sich die Fachambulanz zudem vermehrt um junge Menschen, die Onlinesucht-gefährdet sind. Dazu zählen Computerspiele und die Abhängigkeit von den sozialen Netzwerken. „Im Schnitt schaut jeder Smartphone-Nutzer 80 Mal am Tag auf sein Handy, Tendenz steigend“, so Florian Dreifürst. Der Sozialpädagoge mit 39 Wochenstunden würde gerne noch intensiver beraten, wie er sagt. Doch dafür sei die Fachambulanz für Suchtkranke der Caritas bislang personell nicht ausgestattet.

Tanja Lühr

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

Honigschlehe
<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen
<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution

Meistgelesene Artikel

Sommerfest: Trachtenumzug auf Sonntag verlegt

Geretsried – Der Trachtenzug des Sommerfests findet 2017 am Sonntag statt. Auch sonst gibt es einige Neuerungen.
Sommerfest: Trachtenumzug auf Sonntag verlegt

Trotz Kürzungen: Milchhäusl-Anwohner weiter unzufrieden

Münsing – Am sozialen Wohnungsbauprojekt der Gemeinde an Stelle des alten Milchhäusls wurden auf Wunsch des Gemeinderats weitere Kürzungen vorgenommen. Die Nachbarn sind …
Trotz Kürzungen: Milchhäusl-Anwohner weiter unzufrieden

Eglinger Radfahrer in Wolfratshausen angefahren

Wolfratshausen - Glück im Unglück hatte ein 50 Jahre alter Eglinger. Er war mit seinem Fahrrad unterwegs und wurde angefahren. So hat sich der Unfall abgespielt:
Eglinger Radfahrer in Wolfratshausen angefahren

Helena Spiegl (94) schreibt ihre Lebensgeschichte auf

Egling – Helena Spiegl aus Öhnböck blickt zurück auf 94 Jahre. In Buchform gewährt sie jetzt Einblick in ein bewegtes Leben.
Helena Spiegl (94) schreibt ihre Lebensgeschichte auf

Kommentare