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Ein guter Start in das Abenteuer Indien: In „Humayun’s Tomb“ sind nicht nur Humayun und seine Frau begraben, sondern auch die Architekten des Mausoleums und die Frisöre der Herrscherfamilie: Sie waren für den Großmogul wichtige Informanten.

Die Mixed Voices reisten zum Gegenbesuch zu den indischen Kollegen von Capital City Minstrels in Delhi

Lichter, Smog und Musik

Geretsried – Ein Meer von Lichterketten und Feuerwerk in einer riesigen Staubwolke – das war das Erste, was die Mixed Voices zu sehen bekamen, als sich das Flugzeug der Millionen-Stadt Delhi näherte. In Indien wurde gerade Diwali gefeiert, das Lichterfest zu Ehren der Göttin Lakshmi, und es herrschte eine Stimmung wie in Deutschland an Weihnachten und Silvester zusammen.

Im Smog: Als die Mixed Voices Indien verließen, stieg Delhi gerade zur versmogtesten Stadt der Welt auf. Im Innenhof der Jama Majid Moschee kann man die wenige Meter entfernten Mauern kaum erkennen.

In dieser Atmosphäre wurden die Geretsrieder von ihren Gastgebern herzlich empfangen. Im blauen Reisebus, der in der folgenden Woche so etwas wie ein Zuhause werden sollte, gab es zur Begrüßung für jeden eine originalverschlossene Flasche Wasser, eine Kette aus gelben und orangefarbenen Blüten und ein detailliertes Programm: Sightseeing, Konzerte und ausgelassene Partys, zu denen Mitglieder des indischen Chors einluden, würden die Geretsrieder in Atem halten. Es waren viele Zufälle, die den bekannten Geretsrieder Chor Mixed Voices in Indiens Hauptstadt Delhi führten. Gründungsmitglied Carolin Remy (geborene Heydebrand) wanderte 2002 nach Indien aus und übernahm drei Jahre später die Leitung eines der berühmtesten Chöre Delhis: des Capital City Minstrels. Im Juni 2015 kehrte Remy wieder einmal in ihre alte Heimat Geretsried zurück – und brachte ihren eigenen Chor einfach mit. Die indischen Gäste wurden bei Mitgliedern der Mixed Voices einquartiert. Das Treffen gipfelte in einem gemeinsamen Konzert in der vollbesetzten Aula des Geretsrieder Gymnasiums.

Als die Capital City Minstrels die Heimreise antraten, luden sie zum Gegenbesuch ein. Dieser fand jetzt in den Herbstferien statt. Eine Gruppe von 32 Mitgliedern und Freunden des Chors durfte die indische Kultur kennenlernen: Unvorstellbar reich verzierte Tempel, Moscheen und Minarette, Grabmäler für große Herrscher, deren Gemahlinnen und Frisöre sowie Sikh-Tempel, in denen jeden Tag dreimal für Zehntausende gekocht und gebacken wird. Und natürlich das Taj Mahal, laut Reiseführer Chaitanya Sanwal „ein Grabmal, wie es die Welt davor noch nie gesehen hat und danach nie wieder sehen wird“.

In seinem Element: Der Geretsrieder Bäcker Ludwig Schmid, auch bekannt als Bruder Barnabas vom Starkbierfest, ging den freiwillligen Köchen im Sikh-Tempel Gurudwara zur Hand.

Auch rasante Tuktuk- und Rikscha-Fahrten durch schier unendliche, willkürlich hupende, drängelnde Automassen gehörten zum Programm, genauso wie Hunde, Affen, Ziegen oder eben Kühe inmitten des Gewusels. Auf den Märkten versuchte man sich im Feilschen. Wenn man von unzähligen Händlern und Bettlern belagert wurde, versuchte man, sich möglichst nichts andrehen zu lassen. Doch für die Mixed Voices bedeutet indische Kultur noch mehr. Zum Beispiel die überwältigende Gastfreund- schaft der Mitglieder des Capital City Minstrels, die reihum fast jeden Tag alle 32 Gäste aus Deutschland zum Mittagessen oder zu einer großen abendlichen Gartenparty einluden – gemeinsames Singen war bei jedem Zusammentreffen natürlich inbegriffen.

Zwei Konzerte gab der Geretsrieder Chor mit Unterstützung der indischen Kollegen: eines im India Cultural Centre und eines in der deutschen Botschaft vor geladenen Gästen. „Die Capital City Minstrels ist in der Stadt sehr bekannt. Ihre Konzerte waren hinreißend. Als sie vorschlugen, ihren Partnerchor, die Mixed Voices, in der Botschaft singen zu lassen, ist mir die Entscheidung sehr leicht gefallen“, sagte Dietrich Graf von der Schulenburg, Leiter der Kulturabteilung der Botschaft. „Ich habe nicht den leisesten Zweifel, dass es allen gefallen hat, besonders der gemeinsame Teil. Man hat gemerkt, was es für die Chöre bedeutet, zusammen zu singen. Es hat eine Energie freigesetzt, die für das ganze Publikum spürbar war.“

Auch Roland Hammerschmied, Leiter der Mixed Voices, freut sich, den Zusammenhalt im Ensemble wachsen zu sehen. „Die Gemeinschaft im Chor hat sicher am meisten gewonnen“, sagt er über die Reise. Er dankt besonders den großzügigen Sponsoren, die diese Erfahrung erst möglich gemacht haben. Nach der Rückkehr waren sich die Chormitglieder einig: „Die größte Umstellung in Deutschland war, nicht mehr ständig so viele ausgelassene Freunde und Bekannte um einen herum zu haben – und natürlich, dass man wieder normal atmen kann.“

Konzerttermine

Wegen der Indien-Reise haben die Mixed Voices ihre geistlichen Jahreskonzerte um vier Wochen verschoben. Diese finden nun am Samstag, 3. Dezember, und Sonntag, 4. Dezember, jeweils ab 20 Uhr in der Geretsrieder Pfarrkirche Maria Hilf statt. Da es das zweite Adventswochenende ist, werden neben Werken von Verdi, Gjeilo, Schronen und anderen Komponisten auch weihnachtliche Stücke auf dem Programm stehen. Der Eintritt zu den Konzerten ist frei, Spenden sind willkommen.

Karolin Wolf

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