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Handwerkskunst: Dieses alte Foto zeigt die Belegschaft im Jahr 1890 in der Werkstatt in Graslitz.

Meinlschmidt feiert 150-jähriges Betriebsjubiläum 

Löten, hämmern, feilen und polieren

Geretsried - Profimusiker auf der ganzen Welt schwören auf sie: Zylindermaschinen für Metallblasinstrumente aus dem Hause Meinlschmidt. Seine Wurzeln hat der Betrieb – wie viele Instrumentenbauer – in Graslitz im heutigen Tschechien. Am Freitag und Samstag, 9. und 10. September, feiert die Firma ihr 150-jähriges Bestehen.

Auf einer in die Jahre gekommenen Holzbank liegt ein Hammer. Im Schraubstock ist ein Neusilber-Rohr mit vier Löchern eingespannt. Gekonnt klopft Christian Dietz die so genannten Brocken hinein, anschließend verlötet sie der Metallblasinstrumentenbauer mit Silberlot. Im Nebenraum stehen große CNC-Maschinen. Mit Computer gesteuerten Drehfrästechniken erledigen sie Arbeiten mit Toleranzen im Tausendstel-Millimeter-Bereich. „Wir haben es geschafft, handwerkliche Erfahrungen aus fünf Generationen mit modernster Fertigungstechnik zu verbinden“, sagt Geschäftsführer Josef Patermann beim Werkstattbesuch. „Das Ergebnis ist eine durchgehend hohe Produktqualität, auf die wir stolz sind.“

Heutiges Führungsduo: (hi. v. li.) Die Geschäftsführer Josef Patermann und Manfred Leppmeier sowie Mitarbeiter Kaspar Loipolder, zuständig für die CAD-Programmierung.

Der Grundstein für die heutige Firma wurde 1866 von Andreas Meinlschmidt in Graslitz gelegt. Er gründete einen Fachbetrieb für „Zylinder Maschinenbau für Blechblasinstrumente“. Meinlschmidt lernte sein Handwerk in Wien und führte die Firma 30 Jahre lang. 1896 übernahm sein Sohn Josef Meinlschmidt den Betrieb, den er wiederum 1924 an seinem Sohn Josef junior übergab. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Josef Meinlschmidt enteignet. „Er musste als Meister im Unternehmen bleiben, um tschechische Arbeiter anzulernen“, berichtet Patermann. Er trug weiterhin die Verantwortung, war aber nicht mehr Eigentümer der Firma. Deshalb plante er seine Flucht.

Der Instrumentenbauer fertigte kleine Modelle der hergestellten Drehventilmaschinen. Weil es für diese Größe keine Maschinen gab, wurden alle Modelle von Hand gemacht. Nach der Flucht im Jahr 1948 bildeten sie die Grundlage für eine Neugründung des Betriebs im Westen. Das Ziel der Familie Meinlschmidt war Mainz-Marienborn. Dort hatte die Firma der Gebrüder Alexander ihren Sitz. „Sie stellten Metallblasinstrumente her und waren Geschäftspartner von Josef Meinlschmidt“, erklärt der Geschäftsführer.

Hier muss es rein: An einem Doppelhorn werden Ventilzüge eingesetzt. Musiker auf der ganzen Welt schwören auf die Produkte, die in Geretsried hergestellt werden.

Meinlschmidt verstand es, alte Mitarbeiter zu begeistern und zusammenzuholen: Bereits ein Jahr nach der Flucht wurde in einem Gasthaussaal mit der Produktion von Zylindermaschinen begonnen. Bald reichte der Platz nicht mehr aus, und 1953 zogen die Meinlschmidts gemeinsam mit elf Arbeitern und deren Familien nach Geretsried. Karl Lederer, selbst Graslitzer und erster Bürgermeister der jungen Kommune, hatte die Familien eingeladen. Sie folgten seinem Ruf. Wie viele andere Betriebe siedelte man sich in einem ehemaligen Bunker an. Bis heute hat die Firma ihren Unternehmenssitz am Hirschenweg 5.

1961 legte Herbert Meinlschmidt, Sohn von Josef Meinlschmidt, die Meisterprüfung ab und wurde gleichzeitig von seinem Vater als Teilhaber mit in die Firmen-Verantwortung genommen. 1980 übernahm dieser die Firma in der vierten Generation. Elf Jahre später wurde die J. Meinlschmidt GmbH gegründet, und 2001 übernahmen die beiden langjährigen Mitarbeiter Josef Patermann und Manfred Leppmeier als Miteigentümer die Geschäftsleitung. Beide haben das Handwerk des Metallblasinstrumentenmachers bei Herbert Meinlschmidt erlernt und sind ausgebildete Meister. Mit der Zeit reichte der Platz nicht mehr aus, und die Produktionsfläche musste erweitert werden. 2007 weihte die Firma mit 25 Mitarbeitern den Anbau ein.

Anfangs stellte die Firma Meinlschmidt ausschließlich Drehventile her. Seit 2003 gibt es diese auch mit einem patentierten Schmierstoffkanal – eine Erfindung von Josef Patermann. „Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie lästig es ist, wenn die Ventile nach einer Spielpause nicht mehr optimal laufen“, erklärt der 50-Jährige seine Beweggründe für diese Erfindung. Über die Schmierrille wird das Öl gleichmäßig zwischen den Gleitlagerflächen im Ventil verteilt. Beim Spielen macht sich das laut Patermann durch einen noch geschmeidigeren Lauf der Wechsel bemerkbar. Seit 2012 fertigt die J. Meinlschmidt GmbH auch MAW-Périnet-Ventilmaschinen. Trotz modernster Computertechnik hängt beim Bau von Ventilen sehr viel von Handarbeit ab. Patermann: „Löten, Hämmern, Feilen, Polieren – das lässt sich nicht industrialisieren. Da geht es einfach um Know-how und Erfahrung.“

Tag der offenen Tür

Im Rahmen des Betriebsjubiläums findet am Samstag, 10. September, ein Tag der offenen Tür statt. Von 11 bis 15 Uhr können die Produktionsräume am Hirschenweg 5 besichtigt werden. Schüler können sich über den Beruf des Metallblasinstrumentenbauers informieren.

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