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In die Jahre gekommen: Die Adalbert-Stifter-Mittelschule soll endlich saniert werden. Als ersten Schritt hat der Stadtrat beschlossen, ein Ausweichquartier für die Klassen zu schaffen. Der Erweiterungsbau kostet schätzungsweise 5,1 Millionen Euro.

Im ersten Schritt entsteht ein Erweiterungsbau für 5,1 Millionen Euro 

Stifter-Schule wird generalsaniert

Geretsried - Das Adalbert-Stifter-Schulhaus der Mittelschule ist dringend sanierungsbedürftig. Im ersten Schritt soll nun für 5,1 Millionen Euro ein Erweiterungsbau errichtet werden, um während der Generalinstandsetzung Klassen auslagern zu können.

Der Entscheidung am Dienstag im Stadtrat ging eine zweistündige, zum Teil hitzige Debatte voraus.

Im Februar dieses Jahres hatte Peter Oppenheimer vom Büro G+O Architekten aus Geretsried eine Machbarkeitsstudie für das mehr als 40 Jahre alte Schulhaus an der Adalbert-Stifter-Straße vorgelegt. Das wichtigste Ergebnis: Das Gebäude ist sanierungsfähig, müsste aber zu 76 Prozent erneuert werden. Das heißt, bis auf die Grundmauern würde wenig stehen bleiben. Der Vorteil gegenüber einem Abbruch: Die Musikschule im Obergeschoss bliebe erhalten.

Böhmwiese fällt als Standort durch

Dennoch gab es im Februar Stimmen, das Gebäude lieber abzubrechen und neu zu bauen. Eine damals gewünschte Alternativplanung stellte Oppenheimer in der Sitzung am Dienstag vor – allerdings nicht für den Standort Adalbert-Stifter-Straße, sondern für die Böhmwiese. Für fast 60 Millionen Euro könnte dort neben einer neuen Musikschule eine zentrale Mittelschule für ganz Geretsried entstehen. Wie berichtet gibt es einen Beschluss des Stadtrates, alle Klassen aus dem Adalbert-Stifter- und dem Karl-Lederer-Schulhaus zusammenzulegen.

Diese Alternativplanung fiel im Stadtrat jedoch komplett durch. Abgesehen von den Kosten waren sich alle Fraktionen einig, den zentralen Standort Adalbert-Stifter-Straße erhalten zu wollen. Allerdings: Würde man dort alle Klassen zusammenlegen, käme man laut Oppenheimer auf Kosten von knapp 31 Millionen Euro. Es müsste ein Erweiterungsbau inklusive neuer Mensa errichtet werden, dazu kämen noch die Sanierungskosten für den Altbau. „Das ist eine Hausnummer“, kommentierte dies SPD-Fraktionschef Hans Hopfner.

Der Architekt empfahl deshalb eine andere Lösung: Für 5,1 Millionen Euro wird angrenzend an die Adalbert-Stifter-Turnhalle ein kleinerer Erweiterungsbau errichtet. Sobald dieser fertig ist, könnten die ersten Klassen aus dem Altbau ausgelagert und das Adalbert-Stifter-Schulhaus in zwei Bauabschnitten saniert werden. Über eine Zusammenlegung könnte man noch zu einem späteren Zeitpunkt nachdenken.

CSU plädiert für Generalsanierung

Die CSU-Fraktion unterstützte diesen Vorschlag. Die Böhmwiese sei keine Option, sagte deren Sprecher Volker Reeh. Stattdessen sollte man die Adalbert-Stifter- wie schon vor Jahren die Karl-Lederer-Schule sanieren. Dort habe man „ein hervorragendes Gebäude bekommen“, so Reeh. Was den Erweiterungsbau betraf, schlug der CSU-Sprecher vor, sich die Option einer Aufstockung offen zu halten: „Wenn wir am Karl-Lederer-Platz siebengeschossig bauen, dann können wir an der Schule auch fünfgeschossig werden“, sagte er. Ein Schulneubau, so Reeh, würde alle anderen geplanten Investitionen obsolet machen. „Dann wären wir die nächsten zehn Jahre platt.“ Auch sollte man die Sache langsam angehen, weil man nie wisse, wie sich die Schullandschaft in Bayern in den nächsten Jahren entwickle.

Ganz anders sah dies der Fraktionschef der Freien Wähler (FW), Robert Lug. Auch er ist für den Erhalt des Standorts Adalbert-Stifter-Straße, tendiert aber eher zu einem Neubau. Er äußerte sich „schockiert“ über die von Oppenheimer präsentierten Zahlen. Er könne sich nicht erklären, warum der große Erweiterungsbau inklusive Sanierung nun 31 Millionen Euro kosten soll. Bei einer früheren Schätzung sei von knapp 20 Millionen Euro die Rede gewesen.

Zudem kritisierte Lug, dass es keine Berechnung gibt, was es kosten würde, die Adalbert-Stifter-Schule am jetzigen Standort abzubrechen und neu zu bauen. Unter diesen Umständen, so Lug, könne seine Fraktion keinen Beschluss fassen, sondern den Sachverhalt nur zur Kenntnis nehmen.

„Mit nur ,zur Kenntnis nehmen‘ passiert gar nichts“, sagte dazu SPD-Stadtrat Walter Büttner. Auch er hatte im Februar eher zu einem Neubau tendiert, sprach sich aber jetzt für eine Sanierung am bestehenden Standort aus. Um damit endlich anfangen zu können, brauche es als erstes ein Ausweichquartier. „Machen wir doch diesen ersten Schritt, damit wir endlich weiterkommen“, sagte Büttner.

Ähnlich äußerte sich CSU-Bürgermeister Michael Müller. Er widersprach der Aussage von Lug, dass man mit der Diskussion noch ganz am Anfang stehe. Der Arbeitskreis Mittelschule sei sich einig gewesen, die Schule zu sanieren. Jetzt steige man in die Realisierung ein. Es gehe darum, endlich vernünftige Lernbedingungen zu schaffen. „Ich sehe nicht ein, warum wir wieder ganz am Anfang beginnen sollen“, erklärte der Bürgermeister – eine Aussage, die von den anwesenden Schulvertretern mit Beifall quittiert wurde.

FW-Stadträtin Sonja Frank, selbst Mitglied im Arbeitskreis Mittelschule, erklärte, dass dieser seit drei Jahren nicht mehr getagt habe. An einen Beschluss könne sie sich nicht erinnern. Sie wolle das Ganze nicht verzögern. Im Gegenteil: „Mir liegt sehr viel an der Mittelschule.“ Solange sie aber keinen Alternativorschlag zu einer Sanierung habe, könne sie keine Entscheidung treffen.

Lug wirft Müller Untätigkeit vor

Auch Lug sah sich außer Stande, „innerhalb einer Stunde“ und ohne, dass die Zahlen schriftlich vorliegen, einen Beschluss zu fassen. „Es wäre einfacher, wenn man sich die letzten zweieinhalb Jahre damit beschäftigt hätte“, warf er der Stadtverwaltung Untätigkeit vor – ein Vorwurf, den der Bürgermeister entschieden zurückwies.

Stadtarchitekt Christian Müller erklärte, dass es zu einer Sanierung keine Alternative gebe: „30 Millionen Euro haben wir nicht.“ Oppenheimer führte noch einmal ins Feld, dass man bei einem Abbruch und Neubau auch für die Musikschule einen Neubau errichten müsste. Den hält die FW-Stadträtin und ehemalige Musikschulleiterin Vera Kraus durchaus für „angebracht“. Nach ihren Worten platzt die Schule aus allen Nähten und könnte auch einen besseren Konzertsaal gebrauchen. Sie sorgt sich schon jetzt, wenn während des Musikunterrichts unten die Bauarbeiten laufen.

Am Ende entschied sich der Stadtrat mit großer Mehrheit für eine Sanierung. Er beschloss das von Oppenheimer vorgestellte Konzept für einen Erweiterungsbau mit Kosten in Höhe von 5,1 Millionen Euro. Auf dieser Grundlage sollen nun alle weiteren Planungsschritte für den Erweiterungsbau und die anschließende Generalsanierung erfolgen. Gegen diesen Beschluss stimmten nur Vera Kraus, Sonja Frank und Robert Lug von den Freien Wählern sowie Günther Fuhrmann von der FDP.

Laut Oppenheimer dauern Planung, Erweiterung und Sanierung jeweils etwa eineinhalb Jahre. Das heißt, bis die Adalbert-Stifter-Mittelschule komplett fertig ist, dürften alles in allem sechs Jahre vergehen.

sas

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