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Weil sich sein Nachbar regelmäßig vor seinem Balkon erleichtert, platzte einem Geretsrieder der Kragen.

1200 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung

Wildbiesler erzürnt den Nachbarn

Geretsried/Wolfratshausen - Um Beleidigung, Bedrohung und eine schwache Blase ging es in einem Prozess am Amtsgericht.

Ein 54 Jahre alter Frührentner entwickelt sich für eine Familie in der Nachbarschaft zu einem echten Ärgernis. Wenn der Mann nach Hause kommt, schafft er es häufig nicht bis auf die Toilette. „Er steht regelmäßig vor dem Balkon und bieselt da hin“, ereiferte sich ein 28 Jahre alter Nachbar. Oft gaffe er dabei auch noch durchs Fenster und mache seiner Mutter zweifelhafte Komplimente.

Am 10. November vorigen Jahres platzte dem 28-Jährigen der Kragen. Er soll den Wildbiesler als „asoziales A....loch“ beleidigt und gedroht haben, ihn „abzustechen“. Jedenfalls brachte der Rentner es so zur Anzeige, was dem Nachbarn einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro einbrachte. Damit war der 28-Jährige nicht einverstanden, weshalb die Sache vor dem Strafrichter landete.

Der Richter konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen

„Ich habe nicht asoziales A….loch gesagt“, erklärte der noch immer sichtlich aufgebrachte Angeklagte in der Verhandlung. „Ich habe gesagt: Du asoziales Schwein, geh nach Hause zum Pinkeln.“ Der Richter konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Das macht man doch nicht“, fuhr der 28-Jährige fort und räumte ein, im Ärger überreagiert zu haben. Die angebliche Bedrohung sei in der Anklage ebenfalls nicht korrekt wiedergegeben: „Ich habe gesagt: Das nächste Mal schlag ich dich grün und blau.“ Der Richter legte die Stirn in Falten und schüttelte den Kopf – ein wenig irritiert, ein wenig amüsiert.

Pinkelpause auf dem Weg zum Gericht

Der Rentner bestätigte, dass er an besagtem Nachmittag nicht zum ersten Mal Anlass zur Verärgerung gegeben hatte. „Ich habe eine schwache Blase“, entschuldigte er sein Verhalten. Das sei auch der Grund dafür gewesen, warum er vor der Fahrt zum Gericht an der Bushaltestelle erneut vor den Augen des Angeklagten an einen Baum gebieselt hatte. „Das sollte man mal untersuchen lassen“, riet Richter Helmut Berger dem Zeugen.

Dem Angeklagten, der vor vier Jahren schon einmal wegen Beleidigung eine Geldstrafe zahlen musste, empfahl der Richter, seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zu überdenken. „80 Tagessätze à 15 Euro sind für diese Sache durchaus maßvoll“, so Berger. Der Beschuldigte willigte ein, nachdem das Gericht ihm Ratenzahlung zugesichert hatte.

Rudi Stallein

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