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Mag Dinge mit Seele: Die Künstlerin Bo Starker mit ihren großformatigen Porträtbildern in ihrem Königsdorfer Domizil.

Geretsrieder Kulturherbst

„Gesichter sind das Zelt der Seele“

Königsdorf - In loser Folge porträtieren wir jene Künstler, die während des Geretsrieder Kulturherbstes in der der Villa Bunterkunst ausstellen. Heute die Porträtmalerin Bo Starker aus Königsdorf. Sie sammelt Dinge, die eine Seele haben.

Bo Starker schreibt zudem ein Kinderbuch, sie baut ein märchenhaftes Puppenhaus, und aus dem Stall ihres alten Gutshofs bei Königsdorf hat sie einen Ort geschaffen, wie aus der Filmwelt von Harry Potter und Miss Marple. Journalisten der einschlägigen Wohnzeitschriften stehen bei ihr Schlange, um Bildreportagen über ihr ungewöhnliches Domizil zu machen.

Bo Starker ist jedoch auch eine hervorragende Künstlerin mit Pinsel und Farbe. Sie malt vorwiegend Menschen. Der Tölzer Veranstalter und Kneipenbesitzer Peter Frech saß ihr schon Modell, und jüngst durfte sie sogar den international bekannten israelischen Musiker Abi Ofarim porträtieren. „Mein Haus hat eine Seele“, sagt die Künstlerin. An den Wänden der Galerie, die hinauf führt zum ausgebauten Heuboden, hängen alte Ölgemälde mit anonymen Gesichtern herrschaftlicher Bürger, die jeden Moment aus ihren opulenten Rahmen lächeln könnten. „Gesichter sind für mich das Zelt der Seele“, sagt Starker, die diese Dinge sucht und sammelt. Oben im Wohnzimmer, zwischen Nippes, lieblichen Stoffen und alten Möbeln, mutet es an, als wäre man im Landhäuschen der schrulligen Hobby-Detektivin von Agatha Christi, Miss Marple. Die Liebe zu Kunst und Krempel hat Bo Starker von ihrem Vater geerbt, einem Antiquitätenhändler. Als Kind stöberte die gebürtige Dresdnerin mit ihm gemeinsam in Villen und Abrisshäusern herum. Der Papa hat ihr den individuellen Wert dieser alten Schätze vermittelt und ihr einen Leitsatz mit auf den Weg gegeben: „Kind, das Leben ist wie eine Bühne. Egal, welche Rolle du spielst, denk’ sie dir groß.“

Bo Starker ist auf dem Land aufgewachsen, in Zeiten der DDR. „Ich bin ein echtes Waldkind.“ Die Eltern erkannten früh ihre künstlerische Begabung. Sie erhielt als Kind Privatunterricht im Malen und Zeichnen bei Professor Roland Unger, einem renommierten Kunstpädagogen an der Dresdner TU. Bis heute ist er ihr Mentor geblieben. Viel zu früh starb 2000 ihr geliebter Vater – ein schwerer Schicksalsschlag für die heute 37-Jährige Mutter von zwei Kindern. „Ich streifte durch Friedhöfe und Wälder, sinnsuchend nach dem Warum. Dabei faszinierten mich die Engel auf den Gräbern und das Lichtspiel, wie es durch die Baumwipfel fiel.“ Engel und Licht wurden zu ihren Motiven ihrer Bilder. Darüber kam sie zur Porträtmalerei. Ihr Malstil ist ungewöhnlich. Die Abbildungen ihrer Modelle sind unglaublich lebensnah. Sie malt die Menschen, wie sie sind. Die Gesichter sind beinahe real, die Augen der Porträtierten, als wären sie wach.

Starker löst die Bildelemente mit subtiler Farbgestaltung auf und schafft es durch eine Art kristallene Auflösung, die Realität in eine subtile Ebene zu verlegen. Ihre Porträts haben einen eigentümlichen Charakter, eine Mischung aus Melancholie, Sinnlichkeit und einer morbiden Schönheit, so wie der Gutshofstall, in dem ihre Bilder entstehen.

Starkers großformatige Porträts in Öl sind in der Villa Bunterkunst im Rahmen des Geretsrieder Kulturherbstes vom 30. September bis 9. Oktober zu bewundern. Die Ausstellung eröffnet am 30. September mit einer Vernissage um 18 Uhr. Bis 9. Oktober täglich geöffnet von 18 bis 20 Uhr.

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