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Großbetrieb: Das Gelände der Firma Ergo erstreckte sich entlang der heutigen Egerlandstraße mit den Bunkern 41, 42, 43 und 46. Links oben sieht man angeschnitten das Rathaus.

Geretsrieder Wirtschaftswunder

Naschen erlaubt

Geretsried - Vor 70 Jahren kamen die ersten Heimatvertriebenen in Geretsried an. Aus dem Nichts mussten sie sich eine neue Existenz aufbauen. In unserer Serie „Geretsrieder Wirtschaftswunder“ stellen wir Unternehmer vor, die den Grundstein für den heutigen Wirtschaftsstandort legten. Heute: Ernst Goldmann aus Oberschlesien.

Ernst Goldmann wurde 1907 in Oberschlesien geboren und war Jude. Trotz bitterer Erfahrungen während der Nazi-Zeit blieb er in Deutschland und wagte nach dem Krieg einen Neuanfang. 1946 gründete er in Grafing bei München die Firma Ergo. Sie stellte Konfitüren, Marmeladen, Pralinen und Schokoladendesserts her. Der Firmenname setzt sich aus den Anfangsbuchstaben des Vor- und Nachnamens von Firmengründer Ernst Goldmann zusammen.

Im April 1948 wurde der Betrieb nach Geretsried verlegt. Das Fabrikgelände erstreckte sich entlang der heutigen Egerlandstraße vom Prießnitzweg bis zur Starleiten. Die Bunker hatten die Montan Industriewerke angemietet, da erst ab 1956 in Geretsried Grund und Boden erworben werden konnte.

Goldmann gab vielen Heimatvertriebenen Arbeit. 1950 beschäftigte die Firma rund 40 Mitarbeiter – auch in Heimarbeit. Früchte, wie zum Beispiel Kirschen, die in kleinen Fässern geliefert wurden, mussten entkernt werden. Je nach Bedarf wurden weitere Arbeiten vergeben. So musste das Obst, das mit Lastwagen vom Großmarkt in München geliefert wurde, gesäubert und für die Verarbeitung zu Konfitüren oder Marmeladen vorbereitet werden. Bei entsprechendem Wetter wurden dafür Tische und Bänke im Freien aufgestellt. Frauen aus der so genannten Ungarnsiedlung (Dr.-Bleyer-Siedlung) nahmen diese Arbeitsmöglichkeit wahr.

Zwischen den Bunkern stand auf dem Firmengelände eine Baracke, in der das Büro untergebracht war. Sie wurde im Volksmund „Villa Erdbeere“ genannt. Anfangs wohnten dort ein Herr Koch („Marmeladenkoch“) und seine Familie sowie einige Mitarbeiterinnen.

Firmenchef Goldmann galt als freigiebiger Mensch. Er erlaubte seinen Beschäftigten, dass sie während der Arbeit Früchte essen oder manchmal auch mit nach Hause nehmen. Schülern bot er an, sich in den Ferien etwas dazu zu verdienen. Er bezahlte ihnen einen Stundenlohn von rund 65 Pfennigen. In den 1960er- Jahren ging die Firma Ergo in das Unternehmen „Gartenberg-Konserven“ über, das seinen Sitz später an den Wöhlerweg verlegte. 1968 verkaufte Ernst Goldmann das Firmengelände an der Egerlandstraße an die Baugesellschaft „Immo-Bau“. Die Bunker wurden abgebrochen. Dafür entstand an der Ecke Egerlandstraße/Fasanenweg ein großes Wohn- und Geschäftshaus. Ernst Goldmann zog später nach Grünwald. Dort starb er 1990 in einem Altenheim.

red

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