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Tief Luft holen musste der Busfahrer, als ihn die Polizisten zum Alkoholtest baten.

Er hatte 30 Fahrgäste im Bus

Busfahrer (59) leert Bordbar – dann rammt er ein Auto

Geretsried – In einer Ruhepause leerte er die Bordbar, dann setzte sich der Busfahrer wieder ans Steuer. Das Fatale: Mit 30 Gästen an Bord baute er einen Unfall. Jetzt kam er vor Gericht.

30 Gäste hatte an betrunkener Busfahrer aus Geretsried an Bord, als er einen Unfall verursachte. Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung musste sich der Mann nun vor dem Amtsgericht verantworten.

Aus strafrechtlicher Sicht betrachtet hat der Geretsrieder eine blütenweiße Weste. In 59 Jahren hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen. Das bestätigt der Auszug aus dem Bundeszentralregister. Genauso leer ist sein Eintrag in der Datenbank, die Vergehen speichert, mit denen einer im Straßenverkehr auffällt. Bis zum 18. Juli dieses Jahres. Dann beging der Mann, der 39 Jahre lang Busse mit kleinen und großen Reisegesellschaften unfallfrei durch die Welt gesteuert hatte, eine verhängnisvolle Dummheit.

„Er plündert in der Ruhepause die Bordbar“, wie ihm der Staatsanwalt später unterstellte. Auf der Weiterfahrt geriet der Geretsrieder mit seinem 48-Sitzer auf der B 472 zwischen Bad Heilbrunn und dem Blomberg auf die Gegenfahrbahn, stieß gegen ein entgegenkommendes Fahrzeug: Sachschaden 10 000 Euro. Zwei Insassen des Pkw wurden leicht verletzt, ein weiterer erlitt ein Schleudertrauma und eine Gehirnerschütterung. Den 30 Menschen im Bus, die von einem Ausflug nach Kochel, Benediktbeuern und an den Tegernsee zurückkamen, war nur der Schreck in die Glieder gefahren. Ein Alkotest ergab: Der Busfahrer saß bei der Kollision mit 1,25 Promille Alkohol im Blut hinterm Lenkrad.

„Ich bedauere das Ganze, das geht mir nicht am A.... vorbei“, sagte der Angeklagte im Gerichtssaal. Ein Drama sei das, er könne nicht mehr schlafen und traue sich aus Scham kaum mehr aus dem Haus. „Ich frage mich ständig, was da mit mir los war. Ich weiß nicht, was mich in dem Moment geritten hat“, versicherte der Ex-Busfahrer. Warum er sich überhaupt an der Bordbar bedient hatte, vermochte er jedoch nicht zu sagen. „Mir ging’s nicht gut“, lautete ein Erklärungsansatz. Was er getrunken hatte, blieb im Verborgenen. Lediglich, dass es sich bei den Alkoholika um „Überbleibsel von Fahrgästen“ handelte, wusste er sicher zu sagen.

Richter Helmut Berger verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 2600 Euro (65 Tagessätze à 40 Euro) und blieb damit 600 Euro unter der Forderung des Staatsanwalts. Auf seinen Führerschein muss der Verurteilte für zehn Monate verzichten. „Es ist schwer zu verstehen und schwer verständlich zu machen, warum er Alkohol trinkt, wenn er 30 Fahrgäste sicher nach Hause bringen und noch mindestens 30 Kilometer fahren muss“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Strafmildernd habe sich für den Angeklagten dessen „positives Nachtatverhalten“ ausgewirkt. So hatte der Busfahrer sich schriftlich und telefonisch bei den Geschädigten entschuldigt, einen verkehrstherapeutischen Kurs absolviert und – um möglichen Gerüchten zuvor zu kommen – gleich einen einjährigen Abstinenzkontrollkurs angetreten.

von Rudi Stallein

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