Die Firma Sieber ist ein Traditionsunternehmen. Foto: archiv

Nach Listerienfund und Insolvenz

Sieber: Produktion könnte bald wieder anlaufen

Geretsried - Seit Ende Mai stehen in der Großmetzgerei Sieber alle Räder still. Jetzt könnte die Produktion wieder anlaufen.

Möglicherweise kann die Firma Sieber am kommenden Mittwoch wieder mit der regulären Produktion von Wurstwaren beginnen. An diesem Tag werden nach Stand der Dinge Vertreter des Landratsamts, der Regierung von Oberbayern sowie des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) das Gelände an der Böhmerwaldstraße besuchen, um zu überprüfen, ob das Konzept zur nachweislich bakterienfreien Produktion, das mittlerweile erarbeitet wurde, die Zustimmung der Behörden finden kann. Das bestätigt die Pressesprecherin des Landratsamt, Sabine Schmid, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Der Insolvenzverwalter der Firma Sieber, Dr. Josef Hingerl, und die Vertreter der Behörden haben sich am 8. August schon einmal zu diesem Zweck vor Ort getroffen. Damals fand man allerdings noch Punkte, an denen Hingerl und seine Mitarbeiter nachbessern sollten. „Es ging um neun Konkretisierungen“, so Schmid. Dabei stand das Thema Hygiene im Vordergrund. In erster Linie sollte verhindert werden, dass Bakterien von einem Raum in den nächsten gelangen können.

Zu den genannten Punkten zählten etwa Verbesserungen an der Hygieneschleuse am Personalzugang. Dort sollte die Sauberkeit durch eine Stiefelwaschanlage erhöht werden. Ein anderer Punkt: Die Keimfreiheit der Wagen, auf denen die Lebensmittel transportiert werden. Hier bestehen die Behörden darauf, dass die Desinfektion der Räder gewährleistet wird, etwa durch Schaummatten oder spezielle Teppiche. Auch wiesen die Behördenvertreter darauf hin, dass der Wasserdruck in den Desinfektionsgeräten reduziert werden muss. Der Grund: Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Wasserstaub – und damit möglicherweise Keime – in die Abluftanlagen gelangen und sich ausbreiten. Den Inhalt dieses Treffens hat das Landratsamt laut Schmid Hingerl in schriftlicher Form noch einmal zukommen lassen. Der Jurist habe reagiert und die Behörden um eine Frist gebeten. Vermutlich bis Mittwoch könnten alle genannten Bedingungen erfüllt sein.

Die Insolvenz der Firma Sieber und das Schicksal der 120 Mitarbeiter hatte im Juni den Landkreis bewegt. Das Landratsamt hatte Ende Mai einen kompletten Produktions- und Verkaufsstopp verhängt, weil wissenschaftliche Untersuchungen den Verdacht nahegelegt hatten, dass Sieber-Produkte bei der Herstellung in der Böhmerwaldstraße mit Listerien verunreinigt wurden. Der auf Sieber-Produkten entdeckte Listerien-Stamm, so die Behörden, sei wahrscheinlich für den Ausbruch von Epidemien in den vergangenen Jahren in Süddeutschland verantwortlich.

Nach wenigen Tagen des Existenzkampfs meldete Inhaber Dietmar Schach Insolvenz an. Als Insolvenzverwalter wurde Josef Hingerl berufen. Das Konzept zur nachweislich bakterienfreien Produktion stammt von Prof. Dr. Dieter Elsser-Gravensen, einem dänischen Experten, der internationales Ansehen genießt.

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