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Keine Kultur unterm Zirkuszelt: Der Geretsrieder Kulturherbst 2016 fällt aus. Der Veranstalter, die cultus-production GmbH von Florian Zwipf-Zaharia. ist zahlungsunfähig und muss Insolvenz anmelden.

Veranstalter muss Insolvenz anmelden

Kulturherbst: Absage ist "wie eine Ohrfeige"

Geretsried – Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Der Geretsrieder Kulturherbst ist abgesagt. Der Veranstalter muss Insolvenz anmelden.

Heute in einer Woche sollte der dritte Geretsrieder Kulturherbst eröffnet werden. Nichts deutete in den vergangenen Tagen darauf hin, dass das zehntägige Festival abgesagt werden könnte. Im Gegenteil: Erst kürzlich warb der Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia, Chef der cultus-production GmbH mit Sitz in Füssen, in einem Interview mit unserer Zeitung für den Kulturherbst. Zusammen mit Bürgermeister Michael Müller nahm er eine Spende für das Festival entgegen.

Die Nachricht kam um kurz nach 12 Uhr

Gestern um kurz nach 12 Uhr dann die überraschende E-Mail. Aufgrund des schlechten Ticketverkaufs sieht sich der Veranstalter nicht mehr in der Lage, das Festival durchzuführen. Damit nicht genug: Florian Zwipf-Zaharia, der seit 14 Jahren den Garmischer Kultursommer organisiert, muss mit seiner Firma Insolvenz anmelden.

Am frühen Nachmittag beruft die Stadt eilends eine Pressekonferenz ein. Bürgermeister Michael Müller war tags zuvor von Zwipf-Zaharia in einem persönlichen Gespräch über die Absage informiert worden. „Ich war wie vom Blitz getroffen“, sagt Müller. „Das war wie eine Ohrfeige.“ Zumal die Botschaft bis vor zwei Tagen eine andere gewesen sei. Hätte der Veranstalter früher etwas gesagt, hätte man vielleicht noch reagieren können. „Wir wären zu Gesprächen bereit gewesen.“ So aber sei es zu spät. „Die Insolvenz hat uns kalt erwischt“, so der Rathauschef. „Wir bedauern die Absage zutiefst und sind sehr enttäuscht.“

Die Stadt will retten, was noch zu retten ist

Zusammen mit dem Geretsrieder Kulturforum will die Stadt nun versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. Die Ausstellung in der „Villa Bunterkunst“ (Isarau-Saal) soll stattfinden, ebenso das „Sacred Concert“ in der Kirche Heilige Familie. „Wir werden alle zusammen versuchen, das Beste daraus zu machen“, sagt Assunta Tammelleo, Betreiberin der Kulturbühne Hinterhalt, wo ebenfalls Veranstaltungen geplant waren.

Das Theaterzelt an der Jahnstraße aber wird es definitiv nicht geben. Die Konzerte von Konstantin Wecker und Claudia Koreck, die Auftritte von Christian Springer und Wolfgang Krebs, die „Young Music Night“ – alles abgesagt. Der Ticketvorverkauf ist gestoppt. Was mit den bereits verkauften Karten passiert? „Das müssen sie den Insolvenzverwalter fragen“, sagt der Bürgermeister.

Die Stadt hat gegenüber der cultus-production keine offenen Forderungen. Sie hatte mit dem Veranstalter eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 80 000 Euro vereinbart, um das Defizit des Kulturherbstes zu decken. Ob diese Regelung auch bei einer Absage greift, „lassen wir rechtlich prüfen“, so Müller.

2012 und 2014 hatte die Stadt den Kulturherbst noch selbst veranstaltet, als Festivalleiter fungierte damals der Geretsrieder Günter Wagner. Das Defizit belief sich zuletzt auf 120 000 Euro. Auf dringendes Anraten der Rechnungsprüfung entschied sich die Stadt, für die dritte Auflage 2016 einen externen Veranstalter zu suchen und nur eine Ausfallbürgschaft zu übernehmen. Aus vier Bewerbern bekam die cultus-production den Zuschlag.

Wo liegen die Gründe für die Insolvenz?

Warum die Firma nun Insolvenz anmelden muss, darüber will der Bürgermeister nicht spekulieren. Dass die Gründe für die Zahlungsunfähigkeit allein in Geretsried liegen, kann er sich nicht vorstellen. Fakt ist, dass auch der Garmischer Kultursommer heuer nicht den gewünschten Erfolg hatte. Die Zuschauerzahlen sind um 40 Prozent eingebrochen. Die Insolvenz, so heißt es in Garmisch, wäre aber abzuwenden gewesen, hätte die cultur-production GmbH den Auftrag in Geretsried nicht angenommen. 

Am späten Nachmittag erreichen wir Florian Zwipf-Zaharia persönlich am Telefon. Die Frage, ob ihm der Geretsrieder Kulturherbst das Genick gebrochen habe, beantwortet er mit einem eindeutigen „Ja“. Er sei seit 15 Jahren im Geschäft, aber so einen schlechten Ticketverkauf wie in Geretsried habe er noch nie erlebt. Deshalb habe er die Reißleine ziehen müssen. Durch mehr Sponsorengelder hätte die Absage vielleicht noch verhindert werden können. Aber auch die flossen heuer spärlich – wohl eine Reaktion der Geretsrieder Wirtschaft auf die von der Stadt beschlossene Gewerbesteuererhöhung.

„Ich bin nicht sauer auf Geretsried“, sagt Zwipf-Zaharia. „Das ist Geschäftsrisiko. Aber wenn ich gewusste hätte, wie das ausgeht, hätte ich mich nicht beworben.“ Er habe noch nie eine Veranstaltung absagen müssen, und jetzt ein ganzes Festival. „Das ist mir extrem peinlich.“ Bitter sei dies auch für den Garmischer Kultursommer. Er habe bereits Vorverträge bis 2019 abgeschlossen. Der Insolvenzantrag sei der Versuch, „den Scherbenhaufen wieder zusammenzukratzen“.

Sabine Schörner

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