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Dort waren wir zuhause: Lieselotte Plangger (li.) zeigte bei der Vorstellung des Modells (v. re.) Arthur Zimprich (Arbeitskreis Historisches Geretsried) Anita Zwicknagl vom Kulturamt, Werner Sebb (Arbeitskreis Historisches Geretsried) und Franz Pikal, wo sie im Lager Stein gewohnt hat. Heute befindet sich dort der Jugendtreff Ein-Stein.

So wie es einmal war

Lager Stein: Franz Pikals Modell zeigt, wie es war

Geretsried – Franz Pikal hat in mühevoller Arbeit ein Modell des Lagers Stein angefertigt. Es zeigt, wie es in Stein einmal ausgesehen hat.

Diesmal war es nicht leicht. „Es gab keine richtigen Vorlagen, nur Fotos“, sagt Franz Pikal (83). „Aber mir hat Frau Plangger geholfen. Sie hat ein gutes Gedächtnis.“ In vielen mühevollen Stunden hat der Geretsrieder ein Modell des Lagers Stein gefertigt – sein drittes insgesamt. Am Donnerstag wurde es der Öffentlichkeit präsentiert.

Momentaufnahme: Der Ortsteil Stein – vermutlich Ende der 1970er Jahre aus der Luft. Am linken Bildrand ist die B 11 zu sehen. Oben verläuft die Richard-Wagner-Straße, auch der Steiner Ring (breite Straße in der Mitte) ist zu erkennen. Die kleinen Häuser mit den schwarzen Dächern und den Schornsteinen sind noch aus der Lagerzeit.

Das so genannte Lager Stein war das dritte Arbeiterlager neben Föhrenwald in Waldram und Buchberg auf der heutigen Böhmwiese und bot Platz für bis zu 1500 Menschen. Die Miniatur im Maßstab von 1:200 zeigt das Lager, wie es um das Jahr 1950 ausgesehen hat: etwa 30 Gebäude im Wald mit Waschhaus, Krankenhaus, Schlachthaus, Kartoffellager, Kesselhaus, Wohngebäuden und Lagerkantine. „Es gab einen Bäcker, einen Metzger, eine Molkerei, eine Wirtschaft und ein Jugendhaus“, erinnert sich Lieselotte Plangger, die im Juli 1951 nach Stein kam. Im Jugendhaus, das der aus Schlesien stammende Günter Nitsche in einem leer stehenden Kessel- und Badehaus eingerichtet hatte, sei immer etwas los gewesen. Aus ganz Bayern kamen Gruppen, um in der „Burg Kesselstein“, wie sie im Volksmund genannt wurde, ihre Freizeit zu verbringen.

Etwa einmal in der Woche fand ein Judenmarkt statt – bis 1950 diente Stein als UN-Lager für heimatlose Ausländer (Displaced Persons), die darauf warteten, ausreisen zu können. War es endlich soweit, trennten sie sich von vielen Dingen. „Das war ein Segen für uns Flüchtlinge“, sagt Arthur Zimprich, der mit seinen Eltern und Geschwistern im ehemaligen Pförtnerhaus der Deutschen Sprengchemie (DSC) lebte. Von der Schüssel bis zur Eckbank: „Auf dem Markt gab es alles, was man sich gewünscht hat.“

Musik und Rock’n’Roll: In der „Burg Kesselstein“ im Lager Stein war immer etwas los.

Ein Teil des Lagers diente von 1959 bis 1987 als Durchgangslager für Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR und für deutschstämmige Spätaussiedler Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion. Insgesamt durchliefen das Lager fast 28 000 Personen. Sebb: „Viele von ihnen sind in Geretsried geblieben und sie beteiligten sich an der Entwicklung unserer Stadt.“ Hinter dieser Vielfalt stehe eine beachtliche Integrationsleistung von Kommune und Bürgern.

Die Ausstellung

Das Modell des Lagers Stein steht noch bis Ende November im Foyer des Rathauses. Dort kann es zu Öffnungszeiten der Stadtverwaltung besichtigt werden.

nej

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