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Filme sind seine Leidenschaft: Christian Oberhuber, Inhaber der letzten Videothek im Landkreis, stemmt sich gegen die Konkurrenz von Netflix & Co.

Es gibt nur noch eine Videothek im Landkreis - in Geretsried

Der letzte Mohikaner

Geretsried - Christian Oberhuber betreibt die einzig verbliebene Videothek im Landkreis. Er liebt Filme. Doch die Konkurrenz von Netflix und Co. macht auch ihm zu schaffen.

In ganz Deutschland sterben die Videotheken. In ganz Deutschland? Nein. An der Geretsrieder Elbestraße stemmt sich eine letzte Bastion gegen die übermächtige Konkurrenz von Internet, Amazon und Netflix. Wie lange die „Hellwood Films“ ihren einsamen Kampf noch durchhalten? Ein paar Monate? Oder vielleicht ein paar Jahre? Diese Frage kann nicht mal Geschäftsinhaber Christian Oberhuber beantworten. Mit seinen Umsatz-Problemen ist Oberhuber nicht allein. Im Zeitraum von 2008 bis 2014 hat sich die Zahl der Videotheken in Deutschland mehr als halbiert. Gab es 2008 noch 3508 Läden, waren es 2014 nur noch 1544. „Ein sterbendes Gewerbe“, stellt Oberhuber nüchtern fest. „Ich bin im Landkreis der letzte Mohikaner.“

Die Branche hat gute Zeiten gesehen. Das ist lange her

Die goldenen Jahre der Branche liegen lange zurück, und auch vom einst schmuddeligen Image ist nicht mehr viel übrig geblieben. Sicher, auch bei „Hellwood Films“ gibt es einen Nebenraum, den nur über 18-Jährige betreten dürfen. Doch nur selten verirrt sich jemand dorthin: „Hardcore-Pornos streamen die Leute zu 80 oder 90 Prozent aus dem Internet“, sagt Oberhuber. Die Filme werden so selten nachgefragt, dass er sie nicht mehr verleiht, sondern nur noch verkauft.

Der Film war von früh auf seine Leidenschaft

Dass er mal in einer Videothek landet, hätte sich der 48-Jährige als Jugendlicher nicht träumen lassen. Sein Ziel war zwar der Film, aber nicht unbedingt dessen Vertrieb. Schon als Zwölfjähriger experimentierte er mit Super-8-Filmen herum. Etwas später war er Stammgast auf Filmfestivals. „Ich wusste, dass das genau das Richtige ist, um beruflich einsteigen.“ Oberhuber versuchte sich als Komparse, war in den Krimiserien „Derrick“ und „Der Alte“ zu sehen. Der gebürtige Münchner bekam eine Anstellung als Produktionsfahrer im ZDF und absolvierte ein Praktikum als Maz-Techniker beim Fernsehsender „Tele 5“. Ein paar Jahre später drehte Oberhuber seinen ersten Kurzfilm und landete bei einem Festival auf Anhieb auf dem elften Platz: „Das hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ Als Firmensitz wählte er den Nebenraum einer Videothek an der Geretsrieder Sudetenstraße. 2011 fragte ihn der Besitzer, ob er sein Geschäft übernehmen wollte. Oberhuber sagte ja, „weil ich mit der Filmproduktion noch nicht so viel Geld verdient habe“. 2015 folgte der Umzug an die Elbestraße.

Geretsried ist ein sehr spezielles Pflaster - auch für Videothekenbesitzer

Seither versucht der 48-Jährige, die Videothek am Leben zu erhalten – was gar nicht einfach ist. Geretsried sei schließlich ein ganz spezielles Pflaster: „Manchmal kommt mir die Stadt vor wie unter einer Käseglocke“, sagt Oberhuber. „Hier ist alles anders als im übrigen Bundesgebiet.“ Nur ein Beispiel: Der Thriller „American Poltergeist“ sei ein „extrem schlechter Film. Aber meine Kunden haben danach gelechzt.“ Der neue „Star Wars“-Streifen lag dagegen wie festgenagelt in den Regalen. Der Film wurde so selten ausgeliehen, dass Oberhuber damit beinahe ein Minus gemacht hätte.

Oberhuber würde gerne am Sonntag öffnen, darf aber nicht

Zu schaffen machen ihm aber auch rechtliche Hindernisse. Nach langem Kampf hat er es geschafft, dass er seinen Laden bis 22 Uhr offen halten darf. Geblieben ist ein anderes Problem: Dass er sonntags nicht aufsperren darf. Dabei wäre der Sonntag möglicherweise der umsatzstärkste Tag der Woche. „Gleich ob Kinos oder Sportveranstaltungen – alle, die mit Freizeit zu tun haben, dürfen an Sonntagen öffnen“, beklagt sich Oberhuber. Als „geradezu schizophren“ empfindet er es, dass die Tankstelle auf der anderen Straßenseite an Sonntagen Filme verkaufen darf, er aber nicht. Er appelliert: „Lasst die Leute in Gottes Namen doch sonntags arbeiten, wenn sie das wollen. Ein Drittel der Bevölkerung macht das ja eh schon.“ Wenn er an Sonntagen nicht aufsperren dürfe, „reduziert das die Möglichkeit eines gut gehenden Betriebs“.

Sein Plan B: Imagefilme für kleine und mittelständische Unternehmen

Warum hält er trotz aller Hindernisse an seinem Geschäft fest? „Weil ich in diesem Metier groß geworden bin, weil ich ein Nostalgiker bin und weil ich diese Art von Kulturgut aufrecht erhalten will“, entgegnet der Geretsrieder. Natürlich macht er sich Gedanken über ein zweites Standbein. So will er seinen Plan forcieren, Imagefilme für kleine und mittelständische Unternehmen zu produzieren: „In einem Jahr könnte es so weit sein, dass ich davon gut leben kann.“ Er könnte sich vorstellen, die Videothek weiterlaufen zu lassen, Personal einzustellen – oder zu schließen. Nostalgie und Filmbegeisterung hin oder her – klar ist: „Es bringt nichts, wenn ich draufzahle.“

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