Nur über diese schmale Zufahrt lässt sich das Grundstück an der Gebhardtstraße erreichen. Rund herum stehen Wohnhäuser. Der Weg ist 40 Meter lang. Foto: Dor

Neue Wohnungen an der Gebhardtstraße

Neue Wohnungen: Stadträte sind wütend auf Bürgermeister

Wolfratshausen – Die Stadträte haben Redebedarf: Sie sind wütend, dass sie nicht zum Krämmel-Bauvorhaben an der Gebhardtstraße befragt wurden. Der Bürgermeister hatte den Bau von 24 Wohnungen durchgewunken.

Die Vorgehensweise war wohl rechtens, aber nicht die feine Art. Das sagen Stadträte über das Genehmigungsprozedere zum geplanten Krämmel-Wohnbauprojekt an der Gebhardtstraße. Es herrscht Unverständnis, warum Bürgermeister Klaus Heilinglechner ohne Rücksprache mit dem Stadtrat das gemeindliche Einvernehmen erteilt hat. Das ist laut Geschäftsordnung der Stadt in auf dem Büroweg möglich – ohne öffentliche Diskussion. „Das trägt aber nicht zum guten Klima bei“, sagt Peter Plößl (CSU). „Für was braucht man Stadtrat und Bauausschuss, wenn man sie nicht fragt.“

Wie berichtet will die Krämmel-Gruppe auf dem ehemaligen Kuetgens-Grundstück zwischen Gebhardt- und Heiglstraße bauen. Auf 3000 Quadratmetern sollen drei Mehrfamilienhäuser mit 24 Wohneinheiten entstehen. Die dortige Villa wird abgerissen. Zudem verschwindet eine Doppelgarage auf einem Nachbargrundstück, um eine neue Hauptzufahrt von der Heiglstraße aus zu bauen. Der Bauantrag liegt im Landratsamt und wird geprüft. Ob und wann er genehmigt wird, ist offen.

Peter Plößl hat durch den Bericht in unserer Zeitung von dem Vorhaben erfahren. „Ich saß schockiert am Frühstückstisch“, sagt er. Er wolle den Vorgang nicht juristisch hinterfragen, aber er ärgere sich über den Stil. „Das entspricht nicht den Anforderungen des Bürgermeisters, dass wir alle mehr miteinander reden sollen.“ Über eines der größten Bauprojekte der jüngeren Zeit werde geschwiegen. „Hier, wo es um 3000 Quadratmeter geht.“

Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt gehört zu den Anwohnern, die gegen das Vorhaben einen Protestbrief verfasst haben (wir berichteten). Neun Familien bemängeln die Versiegelung des Grundstücks und fürchten einen akuten Parkplatzmangel in der Gegend. „Ich finde die Pläne fragwürdig“, sagt Schmidt im Gespräch mit unserer Zeitung. Nicht als gewählter Stadtrat, sondern als Anlieger habe er Einsicht in die Pläne erhalten. Die neuen Bauten seien 30 bis 50 Prozent länger als die Nachbarhäuser. Er wolle nun von der Verwaltung erklärt bekommen, auf welcher Grundlage das Einvernehmen erteilt worden sei – und ob eventuell doch Befreiungen notwendig seien, sagt Schmidt.

Zurücknehmen kann die Politik das gemeindliche Einvernehmen nicht mehr. Die Verfahrensfrist von zwei Monaten sei verstrichen, sagt Dritter Bürgermeister Helmuth Holzheu (CSU). Holzheu führt derzeit die Geschäfte im Rathaus, weil Bürgermeister Klaus Heilinglechner im Urlaub ist.

Das Thema kommt wohl trotzdem im Bauausschuss nach der Sommerpause am Mittwoch, 7. September, auf die Tagesordnung, sagt Schmidt. Man wolle über die Verfahrensweise diskutieren. Das habe er fraktionsübergreifend mit mehreren Kollegen vereinbart. „Ich möchte mit einem Fragezeichen versehen, was da passiert ist.“

Kommentar: Darüber muss man streiten

"Bei einem Großbauprojekt wären lange Diskussionen nicht nur legitim, sondern notwendig", findet Autor Sebastian Dorn.

Kommentar zum Thema: "Es ist gut, dass gebaut wird, denn Wohnraum ist knapp. Die Art und Weise, wie das geplante Projekt an der Gebhardtstraße an den politischen Gremien vorbeigelotst wurde, ist aber falsch. Immerhin geht es um drei Mehrfamilienhäuser auf 3000 Quadratmetern Grund. Nicht nur direkte Anwohner sind betroffen, sondern alle Wolfratshauser: Es geht um die Verkehrsführung, um Kanalarbeiten und Straßenbau. Aber auch um neue Kindergartenplätze, falls junge Familien in die Gegend ziehen.
 
Im Bauausschuss wird oft eine gefühlte Ewigkeit über winzige Dachgauben gestritten. Das wirkt oft wie ein Schildbürgerstreich. Bei einem Großbauprojekt wären lange Diskussionen nicht nur legitim, sondern notwendig. Egal, welche Wege die Geschäftsordnung alternativ zulässt.

dor

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