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Weg vom Rennstress: Auch in ihrer Freizeit steigt Claudia Lichtenberg aufs Fahrrad. Mit ihrem Mountainbike überquert sie derzeit die Alpen. 

„2017 wird mein letztes Jahr als Profi“

Radprofi Claudia Lichtenberg kündigt Karriereende an

Wolfratshausen – Ein langes Jahr liegt hinter Claudia Lichtenberg. Jetzt spricht die Olympiateilnehmerin im Interview über ihr Karriereende.

Ein langes Jahr liegt hinter Claudia Lichtenberg. Seit Ende Februar hatte Wolfratshausens Vorzeige-Radsportlerin Rennen bestritten, mit ihrem 13. Platz bei den Europameisterschaften vor zwei Wochen ging sie nach knapp 50 Renneinsätzen – unter anderem beim Giro d’Italia und den Olympischen Spielen – nun in die wohlverdiente Winterpause. „Es war ein Jahr, das Höhen und Tiefen für mich bereithielt“, sagt sie selbst. Unser Mitarbeiter Werner Müller-Schell sprach mit der 30-Jährigen über ihr Saisonfazit, ein mögliches Karriereende und ihre Pläne für die kommenden Monate.

-Frau Lichtenberg, gerade haben Sie Ihre Saison beendet, dennoch trifft man Sie derzeit wieder auf dem Rad. Wie kommt es?

Ich mache gerade mit meinem Mann Christian einen Alpencross auf dem Mountainbike. Radfahren ist ja immer noch mein liebstes Hobby – es tut gut, wenn man einmal vom Rennstress abschalten und einfach nur radeln kann, ohne Ergebnisse abliefern zu müssen.

-Gerade Ihre Ergebnisse waren dieses Jahr aber konstant gut. Wie beurteilen Sie selbst Ihre Saison 2016?

Das stimmt, es war auf jeden Fall eines meiner besseren Jahre mit vielen vorderen Platzierungen. Nichtsdestotrotz bleibt mit der verpassten Gelegenheit bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ein negativer Nachgeschmack. Im Großen und Ganzen bin ich mit meiner Leistung aber zufrieden – auch wenn der ganz große Wurf gefehlt hat.

-Sie sprechen die Spiele in Rio bereits an: Eigentlich galten Sie im Straßenrennen als eine der Medaillenfavoritinnen, hatten am Ende aufgrund eines Magen-Darm-Infekts aber nichts mit der Entscheidung zu tun. Wie tief sitzt die Enttäuschung noch?

Schon sehr. Ich hätte an jenem Tag die beste Form des Jahres haben sollen und hatte im Vorfeld eigentlich gefühlt, dass ich richtig gut drauf war. Es lief ja schon beim Giro ein paar Wochen vorher gut (Lichtenberg wurde bei der Italienrundfahrt Vierte, Anm. d. Red.). Während so manche Konkurrentin danach schon wieder abgebaut hat, habe ich noch an Form zugelegt. Es ist halt blöd, wenn man das dann nicht zeigen kann.

-Sie waren 2016 in der Tat konstant unterwegs und zählten vom Frühjahr weg zur Weltspitze.

Ja, ich hatte viele Top-Ten-Platzierungen in den WorldTour-Rennen und das war mir auch sehr wichtig: Ich konnte regelmäßig zeigen, dass ich im doch recht kleinen Kreis der Besten der Welt dabei bin. Leider aber dann in Rio nicht: Wenn man die zwei Nächte vor dem Rennen Magen-Darm-Probleme hat, kann man einfach keine Leistung bringen.

-Nehmen Sie trotzdem etwas Positives von Ihrer Olympia-Teilnahme mit?

Sicher. Alleine das Erlebnis, dort gewesen zu sein und Olympische Spiele als Athlet miterlebt zu haben, ist wunderschön. Wo sonst kommen Menschen aus der ganzen Welt zu so einem Ereignis zusammen? Das werde ich niemals vergessen.

-Olympia ist oftmals für viele Athleten ein Schnitt in ihrer Karriere, und in der Tat beenden viele Ihrer Konkurrentinnen zum Jahresende ihre Laufbahn – unter anderem ihre Konkurrentin Mara Abbott. Sie sind schon zehn Jahre Profiradsportlerin. Haben Sie schon einmal über Ihr Karriereende nachgedacht?

Ja, diesen Gedanken trug ich schon die ganze Saison mit mir herum, und zeitweise habe ich auch überlegt, nach Olympia die Radschuhe an den Nagel zu hängen. Ich möchte schließlich noch andere Dinge in meinem Leben machen, als nur Rad zu fahren. Die abgelaufene Saison hat mir aber dann so viel Spaß bereitet, dass ich auf jeden Fall noch ein weiteres Jahr weitermachen möchte. Für mich steht allerdings fest: 2017 wird definitiv mein letzter Auftritt als Profi.

-Jetzt ist aber erst einmal Winterpause angesagt: Wie geht es denn in den nächsten Monaten bei Ihnen weiter?

Ich werde es locker angehen lassen – wie bei unserer Alpenüberquerung. Da ich mein Bachelor-Studium in Maschinenbau ja nun endlich hinter mir habe, kann ich mich bald wieder voll aufs Training konzentrieren. Ab November geht’s wieder richtig los.

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