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1964 ging’s los: Vor mehr als 50 Jahren gründeten Rita Gubo und ihr 2002 verstorbener Ehemann Hermann ein Schmuckgeschäft am Neuen Platz in Geretsried.

Die goldenen Zeiten sind vorbei

Schmuck Gubo am Neuen Platz: „Der Platz ist tot“

Geretsried – Es ist das älteste Geschäft am Neuen Platz und es gehört zu den traditionsreichsten in der Stadt Geretsried: Schmuck Gubo. Das Fazit zum Neuen Platz fällt nicht gut aus.

Es ist das älteste Geschäft am Neuen Platz und es gehört zu den traditionsreichsten in der Stadt Geretsried: Schmuck Gubo wurde am 1. August 1964 von Hermann und Rita Gubo gegründet. Seit dem Tod ihres Mannes vor 14 Jahren führt es die 72-jährige Rita Gubo alleine. Wie lange sich das wirtschaftlich noch rentiert, weiß die Inhaberin nicht. Zwar hat eines ihrer drei Kinder, Sohn Peter, das Handwerk des Uhrmachers erlernt. Er besitzt jedoch ein Geschäft in Unterhaching und will das der Mutter nicht übernehmen.

„Es ist einfach insgesamt zu wenig los am Neuen Platz“, klagt Rita Gubo. Von den paar Stammkunden, die vor allem Uhren und Schmuck zum Reparieren bringen würden, und von den gelegentlichen Verkäufen könne sie kaum leben: „Es reicht so gerade für die Ladenmiete.“ Dass man den Kindern wie früher ein Kreuz zur Kommunion oder eine hochwertige Uhr zur Konfirmation oder Firmung schenke, sei nicht mehr üblich. „Und wenn, dann bestellen die Leute im Internet.“

Doch das Herz der gelernten Kindergärtnerin hängt an dem mit viel Mühe vor mehr als 50 Jahren aufgebauten Familienbetrieb. Hermann Gubo arbeitete zunächst bei Schmuck Fritsch am Karl-Lederer-Platz. 1964, als am Neuen Platz gerade die Hochhäuser gebaut waren, wagte der Uhrmacher den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete in der Ladenzeile unterhalb der Wohnblöcke sein eigenes Geschäft. „Vor der Haustür lag ein riesiger Kieshaufen. Der Kanal wurde gerade verlegt“, erinnert sich Rita Gubo an die Anfänge.

Jemand hatte ihr seinerzeit gesagt, dass es Glück bringe, wenn Kinder die ersten Kunden seien. Tatsächlich hätten kurz nach der Eröffnung am 1. August um 8 Uhr morgens als erstes zwei Kinder ein braunes Lederbändchen gekauft, weiß sie noch wie heute. Es folgten glückliche, aber auch unglückliche Jahre. „Früher sind die Leute in Viererreihen über den Neuen Platz flaniert, mit vollen Taschen und Tüten. An Weihnachten haben wir zu sechst bedient“, berichtet Gubo. 1988 wurde eingebrochen und der Inhalt sämtlicher Vitrinen geplündert. Dem Ehepaar entstanden 300 000 Mark Schaden, die Versicherung zahlte kaum etwas. „Wir mussten wieder bei Null anfangen. Erst 40 Jahre später war unser Konto wieder ausgeglichen“, sagt die Geschäftsinhaberin. Ihr Mann und sie hätten es nur geschafft, weil die drei Kinder geholfen und die Lieferanten Vertrauen in die Familie gezeigt hätten.

Nach und nach gaben immer mehr Geschäfte am Neuen Platz auf. Auch mit der Umgestaltung siedelten sich keine neuen, attraktiven Läden an. „Der Platz ist tot, auch wenn das Café gegenüber, das griechische Lokal, der Feinkosthändler und der Metzger ein wenig Leben hereinbringen.“ Doch bummeln tue niemand mehr.

Die 72-Jährige wünscht sich, dass die Stadt den Neuen Platz heuer in der Adventszeit nicht wieder – wie bereits geschehen – vergisst. „Ein kleiner Baum, ein paar Lichter – das ist doch nicht zu viel verlangt.“

von Tanja Lühr

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