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Für die damalige Zeit eine fortschrittliche Idee: Der SPD-Bürgermeisterkandidat Walter Büttner tourte 1986 mit „Walters Wahl-Wagen“ durch Geretsried, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

SPD-Ortsverband feiert runden Geburtstag

60-jährige Berg- und Talfahrt

Geretsried - Auf 60 Jahre Berg- und Talfahrt blickt die Geretsrieder SPD zurück. Höhepunkt dieser Ära war die Amtszeit von Bürgermeister Heinz Schneider von 1968 bis 1986.

Die ersten Geretsrieder SPD-Mitglieder gehörten von 1946 bis 1956 dem damals sehr starken SPD-Ortsverein Königsdorf an. Die Gründungsversammlung des Geretsrieder Ortsverbands fand am 16. Juni 1956 im Gasthaus Geiger statt. Zum Vorsitzenden wurde Hans Seifert gewählt, zu seinem Stellvertreter Rudolf Herrmann. Seiferts Nachfolger war der spätere Geretsrieder Bürgermeister Heinz Schneider. Zählte der Ortsverein 1956 noch 16 Mitglieder, so waren es nach zehn Jahren bereits 106 – für eine politische Partei in damaliger Zeit eine hervorragende Bilanz. Heute gehören dem Ortsverein nach Auskunft seines aktuellen Chefs Martin Bruckner 70 Mitglieder an.

Nach der Gründung der Gemeinde Geretsried im Jahr 1950 wurde der erste zehnköpfige Gemeinderat gewählt. Bei dieser Wahl kandidierten noch keine Parteien; alle Kandidaten standen auf der Liste einer so genannten Wählergemeinschaft. Bei der zweiten Gemeinderatswahl 1952 zeigten erstmals die Mitglieder der SPD Flagge: Hans Seifert, Alfred Hopfner, Rudolf Herrmann und Ernst Krauss kandidierten auf einer Arbeitnehmerliste, und Hopfner, Herrmann und Krauss wurden auf Anhieb in den Gemeinderat gewählt. Rudolf Herrmann war bis zum Jahr 1990 ununterbrochen Mitglied des Gemeinderats und später des Stadtrats. Alfred Hopfner war Zweiter Bürgermeister unter Karl Lederer. „Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass die SPD von Anfang an als politische Kraft am Aufbau unserer Stadt maßgeblich beteiligt war“, heißt es auf der Homepage des Ortsverbands.

1966 hatten die Geretsrieder Bürger 20 Gemeinderäte zu wählen. Die SPD errang sechs Mandate. Nach dem Tod von Karl Lederer 1968 wurde Heinz Schneider zum Bürgermeister gewählt. Er ist der bislang einzige Genosse auf dem Rathaus-Chefsessel. Unter ihm wurde Geretsried zur Schulstadt. Die Isardamm- und die Karl-Lederer-Grundschule, die Hauptschule an der Adalbert-Stifter-Straße und die Förderschule wurden gebaut, ebenso Realschule und Gymnasium.

1972 – Geretsried war seit zwei Jahren Stadt – waren 24 Stadträte zu wählen. Die SPD wurde mit zehn Sitzen stärkste Fraktion. Diese Periode und die vier Jahre zuvor waren die erfolgreichste und konstruktivste Zeitspanne der Amtszeit von Bürgermeister Heinz Schneider. Es gelang ihm, in dieser Zeit parteipolitische Polarisierung aus der Arbeit fernzuhalten, und im Stadtrat herrschte ein kameradschaftliches und verständnisvolles Klima.

Walter Büttner, der heute nach kurzer Unterbrechung immer noch dem Stadtrat angehört, trat damals den Sozialdemokraten bei. „Wir haben viel bewegt. Es war eine intensive, schöne Zeit“, sagt er rückblickend. Schneiders Frau Hansi gründete die Altentagesstätte an der Jahnstraße. Alfred Hopfner engagierte sich als Ortswaisenrat. Ulrike Beigel war maßgeblich beteiligt an der Gründung des Jugendzentrums. In Schneiders Amtszeit fielen die Errichtung des nach ihm benannten Eisstadions und des Hallenbads. In Stein wurden 200 Wohnungen gebaut. Die Partnerschaft mit der französischen Stadt Chamalières entstand durch Antrag von Edith Boxberger und wurde von Bürgermeister Schneider mit besonderem persönlichen Engagement in die Wege geleitet. 1980 wurde er mit 72,9 Prozent der Stimmen zum dritten Mal gewählt; 1984 erhielt die SPD zwölf Sitze im Rat. Zwei Jahre später schied Heinz Schneider mit 67 Jahren aus Altersgründen aus dem Amt.

Zur großen Enttäuschung des SPD-Ortsvereins unterlag der Kandidat Walter Büttner bei den Wahlen dem CSU-Kandidaten Gerhard Hasreiter. Die Blütezeit der SPD war vorbei; 1990 verlor sie drei Sitze, 1996 noch einmal zwei und 2002 einen. Am 9. September 2003 starb Heinz Schneider. Die SPD trauerte mitten im Landtagswahlkampf um ihren Ehrenvorsitzenden und ihr Ehrenmitglied, ganz Geretsried um den Altbürgermeister und Ehrenbürger.

2006 feierte der Ortsverein sein 50-jähriges Jubiläum im Gasthaus Geiger. Im selben Jahr konnte die seit 1990 anhaltende Talfahrt gestoppt werden: Die Stadtratsfraktion blieb bei sechs Sitzen. Heute vertreten sechs Frauen und Männer die Partei im Stadtrat; Hans Hopfner ist Zweiter Bürgermeister.

Geburtstagsfeier

Am Samstag, 22. Oktober, feiert der SPD-Ortsverband sein 60-jähriges Bestehen ab 18 Uhr im Gasthaus Geiger. Festredner ist der Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende der Bayern-SPD, Florian Pronold. Musikalisch umrahmt wird die Feier von Claudia Sommer.

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