Nach gesundheitlichen Rückschlägen und einem Berufswechsel meldet sich 400-Meter-Spezialist Laurin Walter im neuen Jahr zurück. Der 19-jährige Bereitschaftspolizist aus Geretsried geht jetzt im Herrenbereich an den Start. foto: archiv
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Nach gesundheitlichen Rückschlägen und einem Berufswechsel meldet sich 400-Meter-Spezialist Laurin Walter im neuen Jahr zurück. Der 19-jährige Bereitschaftspolizist aus Geretsried geht jetzt im Herrenbereich an den Start.

47,56 Sekunden als Startzeit

Leichtathlet Laurin Walter will wieder angreifen

Geretsried - Das vorige Jahr war kein gutes für Sprint-Ass Laurin Walter aus Gelting. Nach einigen Rückschlägen will der Leichtathlet nun wieder voll durchstarten.

47,56 Sekunden! Viele schaffen es in dieser Zeit allenfalls vom Kanapee zum Kühlschrank und zurück. Laurin Walter genügt dieser Fortgang des Sekundenzeigers, um 400 Meter zu rennen. Seine persönliche Bestmarke über die Stadionrunde stellte der Geretsrieder als 18-Jähriger am 5. Juli 2014 auf. Seitdem allerdings ist es um Walter, der als eine der größten Nachwuchshoffnungen in der deutschen Leichtathletik gehandelt wurde, still geworden – sieht man von dem spektakulären Sprint ab, an dessen Ende der Polizeimeister-Anwärter im Spätsommer in Gauting einen Einbrecher stellte.

Freiwillig verschwand der 19-Jährige nicht von der Wettkampfbühne. Er hat gesundheitlich „ein Seuchenjahr“ hinter sich: Hartnäckige Probleme in der hinteren Oberschenkelmuskulatur zwangen ihn dazu, das Wettkampfjahr 2015 komplett sausen zu lassen. „Erst jetzt ist wieder alles in Ordnung, und ich kann normal trainieren.“ Sein Augenmerk liege nun darauf, „mich optimal auf das kommende Jahr vorzubereiten“.

Er entschied sich für die Bundespolizei

Auch deshalb hat Walter sich zu einer fünfjährigen Ausbildung bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei entschlossen. Dort durchläuft er seit September das Spitzensportprogramm und „kann Training und Ausbildung perfekt miteinander kombinieren“. Als Bereitschaftspolizist läuft er nicht in Gefahr, weit weg von München und seinem Verein, der LG Stadtwerke, versetzt zu werden. Derzeit ist Walter in Dachau stationiert, dort lebt er unter der Woche. „Von der Dienststelle“, sagt der 19-Jährige, „bin ich in etwa 20 Minuten in der Werner-von-Linde-Halle – optimal.“ Dort trainiert er nach dem gesundheitlich bedingten Ausfall seines Vaters und Heimcoaches Christian (wir berichteten) aktuell unter Peter Rabenseitner und Korbinian Mayr. Die Wochenenden verbringt er in der Regel daheim in Geretsried.

Jetzt will sich Laurin Walter bei den Männern etablieren

2014 war Laurin Walter Zweiter auf der nationalen 400-Meter-Rangliste der Junioren. In der kommenden Saison möchte er sich bei den Männern etablieren und mittelfristig seinen Platz in der deutschen Spitze finden. Dass der Weg dorthin nicht einfach werden wird, weiß er. „Da mir heuer die Ergebnisse fehlen, muss ich mich erst wieder an den Bundeskader ranarbeiten.“ Aus den Augen verloren hätten ihn die verantwortlichen Trainer jedoch nicht: „Wir standen immer in Kontakt.“

Die Coaches wären schlecht beraten, würden sie Walter links liegen lassen. Deutsche Weltklasse über die Stadionrunde hatte einst Tradition: Thomas Schönlebe, Erwin Skamrahl, Karl Honz und Hartmut Weber blieben in den 1970ern und 80ern serienweise deutlich unter der 45-Sekunden-Schallmauer. Der Letzte, der das schaffte, war der Dortmunder Ingo Schultz 2001 im kanadischen Edmonton. Seitdem tun sich deutsche Athleten sogar schwer, die 46-Sekunden-Marke zu knacken. Vor vier Jahren gelang das zuletzt dem Potsdamer Thomas Schneider mit 45,65. International lässt sich mit solchen Zeiten längst nichts mehr gewinnen.

Das große Ziel: Die Olympischen Spiele

Die nationale Bestenliste führt heuer mit 45,96 Sekunden Alexander Gladitz an. Das sind knapp zwei Sekunden unter Walters Bestzeit – noch eine Welt. Doch der 19-Jährige sieht sich durchaus im Plan, um sein größtes Ziel, einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein, zu erreichen. „Klar, dazu muss ich viel investieren, aber ich bin bereit dazu“, sagt der Geretsrieder und verweist auf den erwähnten Ingo Schultz. „Der hat überhaupt erst mit 22 Jahren angefangen, über die 400 Meter zu laufen.“ Wohin diese Karriere auf kleinen Umwegen führte, soll hier nicht unerwähnt bleiben: Schultz wurde Vize-Welt- und Europameister. Insofern sind Laurin Walters 47,56 Sekunden keine schlechte Basis.

von Peter Borchers

Peter Borchers

E-Mail:info@merkur.de

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