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Auf einem guten Weg ist die berufliche Integration von Flüchtlingen. Das erklärten Udo Kohnen (li.), Nicole Cujai und Karsten Höhn (re.) von der Agentur für Arbeit bei einem Pressetermin in der Firma Gämmerler. Dort arbeitet ein 26-jähriger Syrer, der sich laut Geschäftsführer Jörg Westphal (2. v. re.) als Glücksfall erwiesen hat.

Asylbewerber

Syrer packt bei Gämmerler kräftig mit an

Gelting – Rund 1800 Flüchtlinge leben im Landkreis. Es sei eine große Herausforderung, diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sagt Udo Kohnen, Geschäftsstellenleiter der Bundesagentur für Arbeit. Doch seiner Ansicht nach läuft es mittlerweile „erstaunlich gut“.

Damit ein Flüchtling den Weg in den Arbeitsmarkt findet, müssen viele Rädchen ineinandergreifen. So wie bei Mohamad Hamasch, der mittlerweile bei der Firma Gämmerler in Gelting arbeitet. Ausschlaggebend dafür war ein Informationsabend, der im März im Wolfratshauser Krämmel-Forum stattfand.

Hier kam Gämmerler-Geschäftsführer Jörg Westphal mit dem Ickinger Asylhelferkreis in Kontakt. Zunächst ging es darum herauszufinden, welcher Flüchtling die nötige Qualifikation für die offene Stelle hat. Dafür verteilte der Helferkreis Fragebögen und eine technische Zeichnung im Asylbewerber-Heim. Hamash konnte sie interpretieren – und wurde zum Probearbeiten eingeladen.

„Er hat sich für uns als überraschender Glücksfall erwiesen“, sagt Westphal über den 26-jährigen Syrer und lobt dessen Fleiß, Klaglos habe er 2000 Tragrollenhalter montiert. „Danach hat er gefragt, was er jetzt machen kann“, berichtet der Geschäftsführer. „So was würde ich mir manchmal von anderen wünschen.“

Die Mitarbeiter hätten sich dem Neuen gegenüber fürsorglich verhalten. Einer stellte ihm einen Reifen für sein Fahrrad zur Verfügung. Mit Hilfe eines Smartphones ermittelten Kollegen, in welcher Richtung Mekka liegt. In einem Raum kann sich Hamash zum Beten zurückziehen. Personalsachbearbeiterin Christin Tack stattete ihn mit Büchern aus, beispielsweise mit einem deutschen Grundgesetz auf Arabisch und einem Buch, das erläutert, wie Deutschland „funktioniert“. Inzwischen begrüßt Hamash den Geschäftsführer auf Bairisch: „Damit habe ich als Norddeutscher Probleme“, sagt Kohnen mit einem Schmunzeln.

Es wäre alles bestens, wären da nicht das Problem mit dem Wohnraum. Hamash lebt noch immer in einer Gemeinschafts-Unterkunft mit Flüchtlingen, die keinen Arbeitsplatz haben – und damit einen ganz anderen Tag-Nacht-Rhythmus: „Da ist immer Action, Hamash kommt nie zur Ruhe“, sagt Westphal. „Nervlich ist er inzwischen ziemlich darnieder.“

Für den Syrer eine bezahlbare Wohnung zu finden, sei quasi unmöglich: „Selbst Normalverdiener finden hier ja keine Wohnung.“ Gämmerler könnte eine kleine Wohnung anmieten. Die Folge wäre womöglich Sozialneid, fürchtet Westphal: „Andere könnten sagen: Warum kriegt der eine Wohnung – und ich nicht?“

Eine Patentlösung für die Integration von Flüchtlingen gebe es nicht, sagte Udo Kohnen. Seine Agentur biete viele Informations-Veranstaltungen an, stehe mit Helferkreisen in Verbindung und schlage teils unkonventionelle Wege ein. Um einen Flüchtling zu vermitteln, seien im Schnitt 40 bis 50 Kontaktaufnahmen notwendig. „Eine mühsame Arbeit“, sagt Kohnen.

Und doch gibt es Erfolge: Die Arbeitsagentur betreut derzeit rund 800 Flüchtlinge. Davon sind gut 500 in das Arbeitsmarktprogramm für Flüchtlinge integriert. 133 haben schon eine Arbeit gefunden oder befinden sich in einer Ausbildung. Kohnen: „Bei 1800 Flüchtlingen im Landkreis sind das schon ganz erhebliche Zahlen.“

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