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„Tata“ Veronika und ihre Schützlinge: Ein Jahr lang kümmerte sich Veronika Schlosser aus Geretsried um Kinder und Jugendliche im westafrikanischen Benin.

Veronika Schlosser verrichtet Freiwilligendienst in Benin

Ein Teil ihres Herzens bleibt in Afrika

Geretsried/Cotonou - Mit einem Koffer voll Erinnerungen ist Veronika Schlosser aus Cotonou im westafrikanischen Benin zurückgekehrt. An diesem Samstag wird sie ab 19.15 Uhr in der Pfarrei Heilige Familie über ihre Erfahrungen berichten.

Die Geretsriederin hat dort einen Freiwilligendienst für das Missionswerk Don Bosco absolviert. Nach ihrem Abitur am Geretsrieder Gymnasium wollte Veronika Schlosser etwas Sinnvolles machen. Sie bewarb sich bei der Organisation „Don Bosco Volunteers“ und wurde nach Cotonou, die mit zwei Millionen Einwohnern größte Stadt des westafrikanischen Staats Benin, geschickt. „Anfangs wollte ich einen europäischen Freiwilligendienst mit Don Bosco machen“, erklärt die heute 19-Jährige. „Doch dann habe ich erfahren, dass die Organisation auch mit dem staatlich geförderten Programm ,weltwärts‘ entsendet. Die Projekte und die Vorstellung, ein Jahr lang in ein fernes Land zu reisen und dort zu helfen, haben mich überzeugt.“

Die Don-Bosco-Schwestern betreiben in Benin mehrere Kindergärten, Heime und Schulen für Kinder und Jugendliche. Vroni, wie ihre Freunde sie nennen, arbeitete in verschiedenen Einrichtungen: vormittags im Kindergarten, nachmittags in der “Baracke SOS“ oder im „Foyer Laura Vicuna“, einem Heim. Dort half sie den Mädchen, die aus schwierigen oder unbekannten familiären Verhältnissen stammen, bei den Hausaufgaben oder kümmerte sich in den Ferien um die Freizeitgestaltung. Aktivitäten wie Ballspiele, Malen oder Basteln standen auf dem Tagesplan. Vroni lernte immer besser Französisch, die offizielle Landessprache Benins, aber auch einige Ausdrücke in der Stammessprache Fongbe. „Die Jugendlichen hatten Spaß daran, mir neue Wörter beizubringen und haben sich über meine Aussprache amüsiert“, erzählt sie. Die Jugendlichen hätten sich wie kleine Kinder gefreut über einfache Dinge wie das Malen mit Wasserfarben, sagt die 19-Jährige. Wohl deshalb, weil sie so etwas in ihrer Kindheit nicht erleben durften. In Benin sind Kinderhandel und -arbeit weit verbreitet. Die Geburtenrate ist viermal so hoch wie in Deutschland; 40 Prozent der Bevölkerung sind Minderjährige. Polygamie und mangelnde Aufklärung sind die Ursachen dafür, dass jede Frau im Schnitt fünf Kinder zur Welt bringt.

Nächste Station von Schlossers Aufenthalt war der Kindergarten „Espace Eveil Hindé“. Dort betreute „Tata“ Veronika (Tata heißt übersetzt Frau) jeden Vormittag zusammen mit zwei Erziehern täglich 40 Kinder. „In der Eingewöhnungsphase weinten die Kleinen viel, aber das hörte bald auf. Sie wuchsen mir von Tag zu Tag mehr ans Herz“, berichtet die Volontärin. Eine weitere Arbeitsstelle war die „Baracke SOS“ auf „Dantokpa“, einem der größten Märkte Westafrikas. Die Hütte gewährt minderjährigen Verkäuferinnen eine Zuflucht.

"Vidomegons“, zu Deutsch „deplatzierte Kinder“ werden in Benin Mädchen genannt, die von ihren Eltern verkauft wurden, in dem Glauben ihren Kindern eine Schulbildung und somit eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Im Unwissen der meist sehr armen Eltern müssen die Mädchen für ihren neuen Vormund schuften. Die Sieben- bis Achtzehnjährigen verkaufen den ganzen Tag lang Waren wie Obst, Gemüse, Kleidung und Parfüms. Sie tragen schwere Körbe auf dem Kopf und legen am Tag mehrere Kilometer in der prallen Sonne zurück. In der „Baracke SOS“ der Don-Bosco-Schwestern können sie sich ein wenig ausruhen und spielen. Außerdem erhalten sie Unterricht. Vroni erzählt, dass die Mädchen beim Uno-Spielen schummelten wie die Weltmeister: „Man merkte, dass sie sich mit allen Tricks durch ihr hartes Leben schlagen müssen.“

Während des Jahres hatte die Geretsriederin mehrere Möglichkeiten zu reisen. Sie und ihre Mitvolontäre verbrachten eine Woche im Norden Benins, wo sie unter anderem den Nationalpark Pendjari besuchten. Sie badeten in Wasserfällen, sahen Antilopen, Büffel, Elefanten und Nilpferde. Nach dem Zwischenseminar war Vroni mit anderen Volontären ihrer Organisation einige Tage in Ghana unterwegs. Außerdem bereiste sie Togo und einige Städte und Sehenswürdigkeiten rund um Cotonou. Im April dieses Jahres bekam sie Besuch von ihrer Familie. Sie schaute sich das „Venedig Benins“, das Pfahlbautendorf Ganvié mit 20 000 Einwohnern an, fuhr ans Meer und erlebte eine Hochzeit unter Einheimischen mit. Sie bekam die Trockenzeit mit 35 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit zu spüren und genoss die angenehmen 27 Grad während der Regenzeit.

„Mir fehlt Benin sehr. Einen Teil meines Herzens habe ich wohl in Afrika gelassen“, schreibt Vroni nach ihrer Rückkehr nach Geretsried auf ihrem persönlichen Benin-Blog. „Ich sehne mich zurück nach Cotonou, wo die Straßen gefüllt mit Menschen, erfüllt von Leben und Freude sind, wo man einander grüßt, obwohl man sich nicht kennt, wo nicht jeder nur auf sich schaut, um selbst weiterzukommen. Cotonou ist wie ein zweites Zuhause für mich.“ Diese Worte beschreiben wohl am besten die Gefühle der jungen Frau, die – keine Frage – nach Benin zurückkehren will. Zunächst aber studiert Veronika Geographie an der Uni Bayreuth.

Spendenkonto

Für die Projekte der Schwestern Don Boscos werden dankbar Spenden angenommen: Don Bosco Mission Liga Bank München, IBAN: DE66 7509 0300 0102 1418 76 BIC: GENODEF1M05 Verwendungszweck: Veronika Schlosser R5115 54

tal

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