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Wasserträger: Michael Lutz gießt im Sommer täglich die Blumen auf den Ickinger Friedhöfen – ehrenamtlich.

Ehrenamtlicher Friedhofsgärtner

Damit die Blumen am Leben bleiben

Icking - Michael Lutz kümmert sich ehrenamtlich um die Pflanzen auf den beiden Ickinger Friedhöfen. Seit 34 Jahren gießt der 63-Jährige dort die Blumen. 

Bedächtig versenkt Michael Lutz zwei Zehn-Liter-Kannen im Wassertrog auf dem Friedhof. Ungeheuer heiß ist es heute. „Und genau deswegen bin ich da“, sagt er. „Es muss ja nicht sein, dass alles vertrocknet.“ Der 63-Jährige gießt seit 34 Jahren die Blumen auf den Friedhöfen von Icking und Irschenhausen. Doch nicht nur das eigene Familiengrab profitiert von dieser Pflege, sondern alle Ruhestätten auf den Gottesäckern.

Begonnen hatte Lutz’ Engagement mit dem Tod seiner Mutter Im Jahr 1982. „Irgendwann einmal ist mir aufgefallen, dass die Grabschalen rechts und links auf den Nachbargräbern auch einen Schluck Wasser bräuchten“, erzählt der 63-Jährige. „Das sieht ja nicht schön aus, wenn alles vertrocknet. Also habe ich sie gleich mitgemacht.“ Das war nur der Anfang, denn diese Ruhestätten hatten ja wiederum auch Nachbarn. Und plötzlich war es für den Irschenhauser selbstverständlich, täglich die Grabreihen abzugehen und dort einzugreifen, wo es nötig war. „Die Leute sind richtig froh, dass ich mich kümmere“, sagt Lutz. „Schließlich hat nicht jeder die Zeit, bei heißem Wetter hierher zu kommen.“ Besonders die Senioren sind dem Irschenhauser für seine Unterstützung dankbar – gerade die, die auf einen Gehwagen angewiesen sind. „Wie sollen die denn die Kannen quer über den Friedhof transportieren?“

Lutz wuchtet seine mittlerweile vollen Kannen aus dem Trog, während er weiterspricht. „Viele Angehörige wohnen auch zu weit weg. Einer zum Beispiel lebt in Düsseldorf. Wie soll der täglich gießen? Das wäre schon a bisserl weit.“ Der Irschenhauser steuert eine Grabstelle mit einer großen Begonienschale an. „Die brauchen viel Wasser.“

Tipps und Tricks hat er sich von den Gärtnern geholt, die hier diverse Grabstellen betreuen. Wie viele Kilometer er pro Nachmittag an einem heißen Sommertag zurücklegt, oder wie viele Liter er schleppt, kann Lutz nicht sagen. Wie viel Zeit er hier verbringt, weiß er dagegen genau. „Ich bin gerade in Altersteilzeit“, sagt der 63-Jährige und geht erneut zur Wasserabgabestelle. „Also komme ich so gegen 12 Uhr, 12.30 Uhr hierher und gieße die nächsten vier bis fünf Stunden. Anschließend ist der Irschenhauser Friedhof dran.“

Als Stress empfindet Lutz seine selbst gewählte Aufgabe nicht. „Ich mache es gerne. Und außerdem ist es ja nicht immer durchgehend so heiß.“ Aber auch wenn es regnet, kann man Lutz des Öfteren auf den Friedhöfen sehen. „Ich schau’ einfach nach dem Rechten, zupfe ein paar alte Blätter ab oder so.“

Doch was macht der Irschenhauser im Winter? Lutz muss lachen. „Alles, wozu ich zu Hause im Sommer nicht gekommen bin. Und mich natürlich auf das Frühjahr vorbereiten, wenn’s wieder losgeht.“

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